Rosenheim – Sicher durch den Straßenverkehr. Ein Thema, das den Rosenheimer Radbeauftragten Olaf Fröhlich schon länger beschäftigt. Mit einer kürzlich gestarteten Kampagne möchte er darauf aufmerksam machen. Womit er sich gerade außerdem beschäftigt und welche Pläne als Nächstes umgesetzt werden sollen, verrät er im Interview mit dem OVB.
Bald steht wieder das jährliche „Stadtradeln“ an – am 14. Juni geht es los. Wie groß war die Beteiligung in der Vergangenheit?
Die Beteiligung steigt immer mehr. Letztes Jahr haben wir eine kleine Delle reingefahren, weil die Bewerbung nicht so gut funktioniert hat. In der Wertung lag Rosenheim die letzten Jahre im oberen Drittel, vor zwei Jahren waren wir sogar so unter den Top 10. Und wer sich beim Radfahren trackt, hilft uns zu erkennen, wo in der Stadt die meisten Räder unterwegs sind. Das ist für die Stadtentwicklung sehr nützlich, denn wir sehen dadurch, welche Strecken viel genutzt werden.
Geht der Trend also allgemein in Richtung mehr Fahrrad?
Ich glaube schon. Sogar der Bund will ganz klar klimaschonende Verkehrsmittel fördern. Früher wurde so geplant, dass der Straßenverkehr immer fließen muss. Und heute sagt man, Sicherheit steht an erster Stelle, dann Fußgänger, Radfahrer, dann die Autos – und erst dann kommen die parkenden Autos. Also komplett anders. Das macht mir große Hoffnung für die kommenden Jahre.
Das Statistische Bundesamt hat festgestellt, dass die Anzahl der Radunfälle im vergangenen Jahr gestiegen ist, obwohl die Verkehrsunfälle allgemein in Bayern gesunken sind. Woran liegt das?
Die Ursachen sind so vielfältig, deshalb ist es schwer zu sagen, wo diese genau liegen. Jeder Unfall ist einer zu viel. Gerade die E-Bike-Fahrer fallen in dieser Statistik auf. Dann gibt es einfach unglaublich viel Verkehr. Oft wundert es mich bei der Art, wie teilweise gefahren wird, dass nicht noch mehr passiert. Viele machen es auch richtig. Ich habe aber das Gefühl, es werden immer mehr Leute, die morgens hektisch zur Arbeit oder zur Schule müssen.
Beziehen Sie das auf alle Verkehrsteilnehmer oder nur die Autofahrer?
Man muss schon klar sagen, vom Auto geht die ernstere Gefahr aus. Ein hektischer Fahrradfahrer kann auch einen Unfall produzieren, aber nicht in der gleichen Schwere. Beim Auto sieht das anders aus. Ich sage immer: Ein Unfall ist eine Verkettung unglücklicher Umstände. Wenn wir aber alle dafür sorgen, dass überhaupt wenig unglückliche Umstände da sind, reduzieren wir schon die Gefahren.
Was ist mit den Fahrradfahrern?
Es gibt schon Radfahrer, bei denen ich denke, die haben noch nicht so ganz begriffen, wofür die Straßenverkehrsordnung da ist. Wir wollen alle sicher ankommen. Und wenn wir uns einfach mehr Zeit nehmen, um sicher anzukommen, dann haben wir schon mal viel gewonnen.
Sie haben gemeinsam mit dem ADAC und dem ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, eine Kampagne für mehr Verkehrssicherheit geplant. Die ersten Banner finden sich am Straßenrand in Rosenheim schon verteilt. Richtet sich die Kampagne dann eher an die Autofahrer, die damit wohl die gefährlicheren Verkehrsteilnehmer sind?
An alle auf der Straße: Wir können nur gemeinsam. Wir haben mit dem ADAC und dem ADFC die Verbände für Autofahrer und Fahrradfahrer mit dabei. Wir haben uns gemeinsam an einen Tisch gesetzt und überlegt, was wir machen können, damit die Leute achtsamer werden. In der Kampagne beschäftigen wir uns mit vier Themen: bei Rot nicht über die Ampel, den Sicherheitsabstand zwischen Fahrrad und Auto, kein Handy am Steuer und die schlechte Beleuchtung an Fahrrädern. Diese bewerben wir auf Flyern, Plakaten und vier Bauzaunbannern am Straßenrand mit klaren Botschaften. Uns ist es wichtig, dass sich sowohl Autofahrer, Fußgänger als auch Radfahrer angesprochen fühlen.
Also ist Sicherheit auch eine Frage des Bewusstseins?
Sicherheit hat etwas mit Denken zu tun. Und das kann ich nur, wenn ich mich darauf konzentrieren kann. Wenn viel auf den Straßen los ist, muss ich mich voll konzentrieren. Da kann ich mich nicht mit Kopfhörern in den Ohren oder dem Handy in der Hand ablenken lassen. Für mein Verständnis ist das verantwortungslos.
Was hat diese Kampagne konkret angestoßen?
Mit der Aktion beschäftige ich mich eigentlich schon seit anderthalb Jahren. Der eigentliche Auslöser ist aber das tägliche Beobachten des morgendlichen und abendlichen Berufsverkehrs.
In einem OVB-Interview kurz nach Ihrem Antritt als Radbeauftragter meinten Sie, dass Sie Rosenheim für eine sichere Stadt für Radfahrer halten. Sehen Sie das weiterhin so?
Ich habe gelernt, dass Sicherheit ein sehr individuelles Gefühl ist. Aber aus meiner Sicht gibt es wenig Gründe, in Rosenheim mit dem Auto zu fahren. Fahrradfahren und zu Fuß gehen ist gut möglich. Es stimmt aber auch, dass es echt Gefahrenstellen gibt, wo wir alle besonders im Berufsverkehr aufpassen müssen. Deswegen diese Kampagne. Vom Verhalten der Verkehrsteilnehmer hängt vieles ab.
Ende letzten Jahres wurde in Rosenheim die erste Fahrradstraße zwischen dem Kirchenweg und dem ASV Happing gebaut, und auch in Kolbermoor und Stephanskirchen gibt es bereits Fahrradstraßen. Ist das auch ein Konzept für die Innenstadt?
In der Innenstadt ist wenig Platz und die Idee einer Fahrradstraße liegt ja darin, Ziel- und Quellverkehr zur Innenstadt aufs Fahrrad zu verlagern. Aber zumindest für die Zulaufstraßen ist es eine super Sache. Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr Fahrradstraßen bekommen.
Die Fahrräder müssen auch geparkt werden. Gerade am Bahnhof findet sich oft kaum noch ein freier Platz, obwohl dort mit dem Fahrrad-Parkhaus und den überdachten Stellplätzen auf der Südseite in den vergangenen Jahren viel passiert ist. Wo soll mehr Platz herkommen?
Auf der Südseite sollen viele neue überdachte Plätze entstehen. Auf der Nordseite soll auch noch mehr geschaffen werden, aber das wird den Bedarf wohl kaum decken können. Ich denke, bei den damaligen Planungen des Bahnhofsvorplatzes hat man einfach ganz andere Zahlen gehabt. Da hat man nicht damit gerechnet, dass die Leute zukünftig viel mehr Zug fahren wollen.
Sofie Onnasch