Protest gegen Sozialkürzungen

von Redaktion

„Die-in“-Demo: 40 Menschen legen sich in Rosenheim wie tot auf die Straße

Rosenheim – Montag, 18.15 Uhr, Münchener Straße in Rosenheim: Über 40 Personen liegen wie tot mitten auf der Straße. Teils bedeckt von großen Plakaten, beschriftet mit „Todesursachen“.

Auf der Straße steht ein kleiner Grabstein, umgeben von Kerzen. Darauf zu lesen: „Hier ruht der Sozialstaat.“ Im Hintergrund halten mehrere Personen ein Banner mit den Worten „Mach dich nicht zum Mörder, Merz“ in die Höhe.

Bei den Passanten in der Innenstadt sorgt dieses Bild für Verwunderung. Während manche neugierig stehen bleiben und Fotos und Videos machen, zeigen sich andere genervt von der Aktion. „So ein Schmarrn, um Gottes Willen“, ärgert sich eine Radlerin, die nur noch schwer vorankommt. „Wissen die überhaupt, wofür die hier protestieren?“, fragt ein Fußgänger in genervtem Tonfall.

In Gesprächen mit den Demo-Teilnehmern wird schnell klar, dass sie das sehr wohl wissen. Jeder hat mindestens einen Grund, warum er sich an diesem verregneten Montagabend, 1. Juni, auf die Straße legt. Und genau diese Gründe sind auf den Plakaten zu finden. Organisator Martin Bauhof, Landessprecher der Linken, hat die Teilnehmer zu einer Aktion aufgerufen. Sie sollen auf Plakate schreiben, woran sie sterben würden, wenn die Bundesregierung die Sozialkürzungen wie geplant umsetzt.

„Mir ist es wichtig, sich für den Sozialstaat einzusetzen“, betont David Ebert aus Prien, der auf Youtube von der Demo erfahren hat. Auf seinem Plakat ist zu lesen: „Ich begehe Selbstmord, da ich keinen Therapieplatz bekomme.“

Seine Frau ist angehende Psychotherapeutin. Daher beschäftigt ihn die Honorarsenkung in diesem Bereich besonders. „Sie hat regelmäßig mit suizidalen Personen zu tun“, erklärt Ebert. „Wenn solche Leute keinen Therapieplatz bekommen, wäre das einfach schlimm.“

Dennis Kulig hat auf seinem Plakat nur ein Wort stehen: „Überarbeitung“. Auslöser ist die Überlegung der Regierung, den Acht-Stunden-Tag aufzuheben und durch eine wöchentliche Obergrenze einzutauschen. „Man weiß, dass ab zehn Stunden die Konzentration abnimmt“, sagt Kulig. Die geplante Neuregelung würde in seinen Augen in einigen Betrieben auch die Sicherheit gefährden.

Das betont Bauhof: „Wenn Merz und seine Regierung diese Maßnahmen durchziehen, werden daran Menschen sterben. 13 Stunden Arbeit machen kaputt, da steigt das Risiko für Unfälle massiv.“ Doch es gibt noch mehr Fälle, die er anführt. „Wer keinen Platz im Frauenhaus findet, wird vom Ex-Mann ermordet. Und wenn das Krankenhaus zu weit weg ist, stirbst du im Krankenwagen. So drastisch das klingt, aber das werden die Folgen sein, wenn die Kürzungen kommen.“

Patricia Huber

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