Viele Fragen zu vielen Themen

von Redaktion

Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan löste sein Wahlversprechen ein und lud zum ersten Community-Event vor das Rathaus. Bei Eis und Getränken diskutierte er mit zahlreichen Bürgern über vielfältige Themen, die von der Wohnsituation über den Verkehr bis hin zum Nachtleben reichten.

Rosenheim – Der neue Oberbürgermeister ist ein gefragter Mann. Und das erfordert manchmal besondere Maßnahmen. „Wir haben jetzt noch die Zeit für vier Personen, dann müssen wir leider Schluss machen“, sagt Abuzar Erdogan. In der Traube an Menschen, die sich um Rosenheims Oberbürgermeister versammelt hat, senken sich einige enttäuschte Köpfe, andere widmen sich wieder ihrem Stracciatella- oder Amarena-Kirsch-Eis. Erdogan lässt seinen Blick über die rund 100 Personen am Vorplatz des Rathauses schweifen, dann fragt er: „Wer ist der Nächste?“

Eine Frau mit blondem Pferdeschwanz tritt nach vorn, greift nach dem Mikro und grinst. „Eine Frage habe ich nicht, ich wollte Sie einfach nur mal kennenlernen und Ihnen die Hand schütteln“, sagt sie. Es ist ein Wunsch, dem Abuzar Erdogan gerne nachkommt. „Vielen Dank, dass Sie hergekommen sind“, sagt er. Genau dafür sei dieser Tag da. Im Wahlkampf hatte der Oberbürgermeister versprochen, ein Event für die Gemeinschaft zu veranstalten – für mehr Bürgernähe und zum Austausch über die Stadtpolitik. Für seine Community sozusagen. Das Insta-Live in die Wirklichkeit holen.

Zunächst beantwortet Erdogan aber seinem Pressesprecher Christian Baab einige Fragen. Es geht um seine ersten vier Wochen im Amt oder darum, dass in seinem Nachnamen das „G“ eigentlich nicht betont wird, er aber nicht beleidigt ist, wenn den Namen jemand falsch ausspricht. Danach widmet er sich den Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen.

Eine Dame in weißer Jacke will wissen, wie es in der Weinlände und im Astern- und Tulpenweg weitergeht. Es ist ein Punkt, der viele Anwesende beschäftigt. Dort stehen einige Gebäude der städtischen Wohnbaugesellschaft (GRWS). Aufgrund ihres Alters sind sie renovierungsbedürftig. Wie es für die Bewohner und die Eigentümer weitergeht, ist ungewiss. Auch ein Verkauf des Grundstücks steht im Raum. Ein Schreiben der GRWS über die Suche nach möglichen Alternativen sorgte zuletzt für Unsicherheit.

Erdogan erläutert detailliert die Überlegungen und Zwänge der Verwaltung, erklärt, dass die Stadt erst mal das „Baurecht abstecken möchte, was an der Stelle möglich ist.“ Versprechen, dass alles so bleiben wird wie es ist, könne er aber nicht. Dafür sei der Wohnraumdruck zu groß. So ehrlich müsse man sein. Die Offenheit scheint die Anwohner zu überzeugen, es wird genickt und sich für die Ehrlichkeit bedankt.

Ein anderer Mann fragt nach, wie es mit dem Wahlversprechen aussieht, mehr Kultur nach Rosenheim zu bringen. „Ich habe vor ein paar Monaten eine Bar eröffnet, jetzt hat mir das Gewerbeamt eine Sperrstunde von 2 Uhr erteilt“, sagt er. Er hätte seinen Laden gerne bis 4 Uhr geöffnet. Erdogan verspricht, sich das anzuschauen, genauso wie den Einwand eines jungen Mannes, dass die Fußballtore am Jugendzentrum in der Prinzregentenstraße plötzlich abgebaut wurden.

Ebenso gibt es Fragen zum Verkehr. „Es ist grundsätzlich schockierend, in Rosenheim mit dem Fahrrad zu fahren“, sagt ein Student aus Münster. In seiner Heimat sei es für Radler wesentlich angenehmer. Er wünscht sich mehr Fahrradstraßen in allen Stadtteilen und bessere Infrastruktur. Zum Beispiel sollten Autotransporter nicht mehr auf Fahrradstreifen ent- und beladen dürfen.

Ein anderer junger Mann will wissen, wann nun der Bus am Sonn- und Feiertag fährt. „Dafür wolltest du dich – wenn ich du sagen darf – auch einsetzen“, erinnert der Mann. Die Frau neben ihm bemängelt, dass am Happinger Ausee keine Hunde mehr geduldet sind. Das schränke das Baden mit der Familie ein. Wieder eine andere Frau möchte hören, wie es am Bahnhofsgelände Süd oder mit dem Oberbahnamt weitergeht. Angesprochen wird auch die fehlende Barrierefreiheit auf dem Max-Josefs-Platz. Ein junger Anwohner am Atrium hat um seine Privatsphäre Sorge, wenn dort Überwachungskameras installiert werden.

Abuzar Erdogan beantwortet jede einzelne Frage, versucht inhaltlich, soweit wie möglich, darauf einzugehen. „Das ist das Ziel, dass man über diese Möglichkeit Nahbarkeit schafft, in Zeiten, in denen die Demokratie immer stärker angezweifelt wird“, sagt er.

Dennoch sei er überrascht, dass so viele Menschen gekommen sind. „Wir haben ein ganz gutes Gefühl bekommen, in welche Richtung man als Verwaltung arbeiten muss“, sagt der Oberbürgermeister.

Weitere Community-Events sollen folgen – am besten einmal pro Monat. Es müsse auch nicht immer vor dem Rathaus sein. Es könne auch mal eine After-Work-Aktion, eine Radltour oder ein Spaziergang in einem Stadtteil sein. Ob dann am Ende alle zufrieden sind, müsse man schauen. „Da bitte ich einfach um Verständnis, aber zumindest den Austausch, den sollte man weiterleben“, sagt Erdogan. Auch, wenn er so noch viele Fragen beantworten muss.

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