Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die regelmäßig erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale, in der wir tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten zeigen, die sich mit einem Vorher-Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen. In der aktuellen Folge geht es um die Rosenheimer Gabrielwiese, dem späteren Jahnstadion, Pferderennen, Fußball in den höchsten Amateur-Spielklassen und Weltklassespieler auf dem Rasen – das alles gab es in den vergangenen 125 Jahren auf der Rosenheimer Gabrielwiese, auf der später das Jahnstadion gebaut wurde. Heute heißt der Platz des TSV 1860 Rosenheim „Beck & Fraundienst-Stadion“.
Von 1860 Rosenheim
in die Nationalmannschaft
Dass hier nach wie vor Fußball gespielt wird, ist klar, dass auch große Leichtathletik-Sportfeste, vorwiegend in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren, unter anderem mit Olympiasiegern (wie zum Beispiel Speerwerfer Klaus Wolfermann) stattfanden, weiß man auch.
Neu ist für viele Rosenheimer allerdings wohl, dass vor 100 Jahren auf der Gabrielwiese regelmäßig Pferderennen stattfanden, zu denen die Zuschauer in Massen strömten. In den 60er- und 70er-Jahren und auch später, als die Rosenheimer Sechziger in den höchsten Amateurklassen spielten, gab es regelmäßig freundschaftliche Duelle mit dem FC Bayern München, der immer seine großen Stars mit dabei hatte. Im Jahnstadion spielten unter anderem Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Michael Ballack und in den 2000er-Jahren auch Bastian Schweinsteiger.
Apropos Schweinsteiger: Der Oberaudorfer, der 2014 Weltmeister wurde, spielte auch im Nachwuchs der Sechziger und wechselte als Jugendlicher zum FC Bayern München. Schweinsteiger ist aber nicht der Einzige aus dem starken Rosenheimer Nachwuchs, der später den Sprung in die Nationalmannschaft oder zumindest in die Bundesliga schaffte. Der Ostermünchener Julian Weigl wurde ebenfalls Bundesliga-Profi und später Nationalspieler, Thomas Broich aus Ramerberg und Florian Heller aus Pang schafften ebenfalls den Sprung in die Bundesliga.
Aber zurück zur Gabrielwiese. Dieser historisch bedeutende Platz in Rosenheim war ursprünglich eine Freifläche am Mangfalldamm in Rosenheim. Sie gehörte Namensgeber Johann Gabriel. Diese Fläche diente um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und weiter als Veranstaltungsort und Sportfläche im Stadtgebiet.
Am Pfingstmontag, 31. Mai 1909, fand dort das erste große Pferderennen (Galopprennen, Trabrennen und Jagdrennen) in Rosenheim statt. Der Rosenheimer Rennverein unter Beteiligung des Münchener Rennvereins organisierte Wettbewerbe auf Initiative des Hoteliers Josef Hofstetter. Die Stadt Rosenheim übernahm die Kosten für die Herstellung einer geeigneten Rennbahn und den Bau von Tribünen.
25.000 Besucher strömten
zum Pferderennen
Bereits am Vormittag des Renntages strömten rund 25.000 Besucher aus dem gesamten Umland, darunter auch aus Tirol, München, Nürnberg und Regensburg, auf die Gabrielwiese. Für die Zuschauer standen Tribünenplätze zur Verfügung, die zwischen 40 Pfennig für die zweite Reihe und drei Mark für einen nummerierten Sitz oder einen Wagenplatz variierten.
Bei den Rennen wurde auch gewettet: Über 18.000 Mark wurden am sogenannten Totalisator umgesetzt. Das war für damalige Verhältnisse eine gewaltige Summe. Auch die Rosenheimer Wirte profitierten massiv. Der Rosenheimer Anzeiger (später das Oberbayerische Volksblatt) schrieb damals, die Rennen seien „für die Interessen der Stadt von großer Wichtigkeit“.
Ab den 1910er-Jahren verschwanden die Pferderennen von der Gabrielwiese. Die Gründe: Fußball gewann massiv an Bedeutung und Pferderennen waren teuer, während Fußball billiger, massentauglicher und einfacher zu organisieren war.
Außerdem endete 1918 die Kaiserzeit. Mit ihr verschwand ein Teil dieser repräsentativen Rennkultur.
Die Gabrielwiese wurde danach als Sportplatz für den Fußballverein TSV 1860 Rosenheim genutzt und war auch als „Sportplatz an der Jahnstraße“ bekannt. Wie viele Sportstätten dieser Zeit ist sie nach Friedrich Ludwig Jahn, dem „Turnvater Jahn“, benannt. Ziel war es, dem stark wachsenden Vereins- und Schulsport in Rosenheim eine zentrale Anlage zu geben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Jahnstadion wieder instand gesetzt und schrittweise modernisiert.
Eine klassische
„Auf-und-Ab“-Geschichte
Die Fußballabteilung des TSV 1860 Rosenheim hat in den vergangenen Jahrzehnten eine klassische „Auf-und-Ab“-Geschichte eines ambitionierten Traditionsvereins erlebt: viele starke Amateurjahre, einzelne sportliche Höhepunkte, bittere Abstiege und immer wieder Neuanfänge. Erst im Mai 2026 schafften die Sechziger den Meistertitel in der Landesliga und damit die Rückkehr in die Bayernliga.