Rosenheim – Chris und Male Scheitzeneder sind Brüder. Ihre kleine Zwei-Mann-Band heißt deshalb genau so: „Briada“. Also Brüder auf Bairisch. Die Scheitzeneders machen schon seit vielen Jahren Musik. 2021 haben sie mit „Briada“ ihre eigene Zwei-Mann-Band ins Leben gerufen. Mit ihrem Song „Du bist schee“ sind sie jetzt außerdem unter den letzten sieben Kandidaten für einen Musikwettbewerb zum Oktoberfest gelandet.
Dabei sind Chris und Male gar keine Vollzeitmusiker, sondern arbeiten eigentlich als Wirtschafts- und Mathelehrer. Chris ist an der FOS/BOS in Rosenheim tätig und lebt in Amerang, sein Bruder lebt in München und arbeitet an der Realschule in Aschheim. Ihre Treffen müssen die beiden also gut im Voraus planen. „Wir haben einen fixen Tag pro Woche, einen Briada-Tag, an dem es um neue Songideen geht, wir Songs aufnehmen oder Content für Social Media erstellen“, erzählt der 38-jährige Male. Ansonsten sei es einfach nicht stemmbar. „Es ist schon ein sehr zeitaufwendiges Hobby.“
Anfang mit Keyboard
und Gitarre
In die Musik haben die beiden aber schon immer gerne viel Zeit gesteckt. Damals schon, als sie noch beide in der Nähe von Wasserburg lebten, wo sie zusammen aufgewachsen sind. Male bekam als Sechsjähriger ein Keyboard zu Weihnachten und nahm von da an Unterricht. Sein Bruder Chris spielte Gitarre. Seit vielen Jahren sind sie Teil einer Coverband, die sie gemeinsam mit ihrem Cousin gegründet haben. „Seitdem waren wir eigentlich nach der Schule immer im Proberaum und haben Musik gemacht“, erzählt Male. Auch während des Studiums und der Ausbildung hätten sie es geschafft, weiterhin gemeinsam Musik zu machen.
„Über die Jahre haben wir ein paar Texte geschrieben und Sprachmemos aufgenommen“, erinnert sich der heute 40-jährige Chris. Schon immer sei ihr Ziel gewesen, ein Album herauszubringen. 2021 war es dann so weit und das Duo veröffentlichte die ersten Lieder. Während der Corona-Pandemie klappte das gut, wie Chris erzählt. „Wir haben die Zeit damals super nutzen können.“ Die beiden trafen sich bei Male in der Wohnung zum Unterrichten für das Homeschooling und nahmen anschließend ihre Songs auf.
Song-Ideen
kommen spontan
Auch heute können sie die Musik gut mit ihrem Berufsalltag vereinbaren. „Vormittags müssen wir in Präsenz vor Ort in der Schule sein. Aber man hat die Freiheit, sich den Rest des Tages frei einzuteilen“, betont Male. Für die beiden ist es genau die richtige Mischung. An der Schule habe man den Austausch und das Soziale, und nebenher könne man sich mit der Kunst „ein bisschen austoben“.
In den Schulen ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die beiden Musik machen. „Man muss da echt einen guten Spagat hinbekommen“, sagt Chris. Damit Schulthemen in der Schule bleiben. Wenn Schüler Fragen zum Thema Musik haben, haben die Brüder aber immer ein offenes Ohr. Nur eben in der Pause und nicht im Unterricht. Auch auf ihren Konzerten können die Schüler ihre Lehrer besuchen. „Wir geben ihnen gerne mal einen Spezi aus“, sagt Chris. So bringe man eine private Komponente in den Lehrerjob. „Das ist eine Bereicherung, weil man näher an den Schülern dran ist.“
Die „Briada“ spielen nicht nur eigene Auftritte, sondern unterstützen auch andere Bands auf ihren Konzerten. Zum Beispiel die „Fäaschtbänkler“. „Einer ihrer Musiker hört privat unsere Musik sehr gerne und hat sich für uns eingesetzt“, erzählt Chris. Vergangenes Jahr hätten sie deshalb vor etwa 6.000 Menschen gespielt. Und auch 2026 sind sie bei vielen Auftritten der Band als Support dabei. „Das sind superliebe Kerle und es ist mittlerweile eine eingespielte Sache“, sagt der Musiker.
Für Chris und Male entstehen so neue Möglichkeiten. „Wir sind natürlich dankbar, wenn wir vor so vielen Leuten spielen dürfen“, betont Male. Da sei es allerdings schwieriger, das Publikum für die eigene Musik zu begeistern – weil die Zuschauer nicht für die beiden Brüder, sondern eben für die „Fäaschtbänkler“ kommen.
Die Ideen für ihre Lieder kommen den Brüdern oftmals ganz spontan. Zum Beispiel beim Training im Fitnessstudio. Die Ideen werden dann schon mal in der Sauna in einer Sprachnotiz festgehalten, wie Chris erzählt. „Meistens kommt einem irgendeine Melodie oder Textidee und dann geht man Schritt für Schritt da ran.“ Gerade im ersten Album seien die Lieder oft autobiografisch.
Anders ist das bei ihrem 2026 erschienenen Song „Du bist schee“. „Das ist fiktiv“, erzählt Male. In dem Lied geht es um eine Kennenlerngeschichte und darum, wie sie in Bayern ablaufen könnte. „Wenn man denkt, man müsste sich jetzt die richtigen Worte zurechtlegen, wenn einem eine Frau gefällt. Dann geht man auf sie zu und plötzlich fällt einem gar nichts mehr ein. Also sagt man nur: Du bist schee.“ So richtig plump also. Das müsse aber nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten. „Vielleicht sorgt das dafür, dass man doch ins Gespräch kommt, weil die Nervosität eigentlich ganz charmant ist“, sagt Chris.
Die charmante Nervosität könnte auch auf dem Münchner Oktoberfest 2026 ganz gut ankommen. Zumindest wenn es nach Wolfgang Köbele, dem Bandleader der Münchner Zwietracht, und Matthias Weber, Musikchef von Antenne Bayern, geht. Die haben 122 eingereichte Songs für den Wettbewerb „A Liad für d‘Wiesn“ der Stadt München geprüft. Dieser richtet sich an Musiker aus Bayern und alle, die sich musikalisch mit dem Oktoberfest verbunden fühlen, wie auf der Webseite zu lesen ist.
Von den über 100 Einreichungen schaffen es nur sieben in die letzte Runde, das Publikumsvoting. Einer davon ist „Du bist schee“ von Chris und Male Scheitzeneder. „Wir haben ihn damals ohne Hintergedanken einfach mal eingereicht“, sagt Male Scheitzeneder. Jetzt gilt es für die regionale Band, das Ergebnis der Abstimmung abzuwarten, und für Fans, fleißig abzustimmen. Die Abstimmung läuft noch bis 28. Juni auf der Homepage von Antenne Bayern.
Fürs Oktoberfest
nominiert
Inzwischen stecken Chris und Male Scheitzeneder schon in der Vorbereitung für ihren Auftritt am 30. Oktober im Rosenheimer Ballhaus. „Für größere Auftritte wie diesen haben wir unsere Bandbesetzung erweitert“, betont Chris. Ein Schlagzeuger und drei Bläserinnen sowie eine Pianistin seien dazugekommen. Im März fanden bereits die ersten Proben statt. „Wir versuchen, eine coole und abwechslungsreiche Show auf die Beine zu stellen“, betont der Musiker.
Ihr Ziel fürs Erste? „Das Ballhaus in Rosenheim vollbekommen und einen richtig schönen Abend haben“, da sind sich die „Briada“ einig. Große Visionen, wie einmal in der ausverkauften Olympiahalle zu spielen, hätten sie nicht. „Die Tour, die wir jetzt vorhaben, ist für uns schon eine Ehrensache“, sagt Chris.