Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick vergrößern lassen.
Rosenheims Wirtshauslandschaft war lange eng mit den lokalen Brauereien wie Flötzinger, Auerbräu, Duschlbräu oder Thallerbräu verbunden. Viele Gasthäuser waren ursprünglich direkt an die Brauereien angeschlossen oder wurden von ihnen verpachtet. Dadurch entstanden ganze Wirtshausnetzwerke in der Stadt und den eingemeindeten Orten wie Aising oder Pang.
Manche Gasthäuser
überstehen Jahrhunderte
Viele Gasthäuser waren nicht nur Orte zum Essen und Trinken, sondern auch wichtige Stationen für Reisende, Händler, Brauereien und das gesellschaftliche Leben (Tanzsaal, Vereinslokal) der Stadt. In den letzten 100 Jahren sind einige Wirtshäuser verschwunden, andere existieren noch heute – teilweise in Gebäuden, deren Geschichte mehrere Jahrhunderte zurückreicht.
Wer historische Wirtshausatmosphäre in Rosenheim erleben möchte, findet sie zum Beispiel hier: Flötzinger Bräustüberl, Duschlbräu Rosenheim, Zum Johann Auer, Gasthaus Stockhammer, Happinger Hof Hotel & Landgasthof oder Landgasthof zum Erdinger Weissbräu.
Andere historische Gast- und Wirtshäuser, die als Ausflugsziele der Rosenheimer sehr beliebt waren, gibt es mittlerweile nicht mehr. Zwei Beispiele in der Innenstadt: Der Gasthof „Zur Stadt Rosenheim“, der in den 1870er-Jahren im Umfeld des neuen Bahnhofs entstand. Er wurde von Anton Thaller betrieben und war eng mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Rosenheims als Eisenbahnknoten verbunden.
Auch der Hotel-Gasthof König Otto am Max-Josefs-Platz existiert nicht mehr. Dort gab es schon seit dem 17. Jahrhundert einen Gasthof, der nach dem Besuch des späteren griechischen Königs Otto den Namen „Zum König Otto in Griechenland“ erhielt. Der Hotelbetrieb wurde 1970 eingestellt; heute befinden sich dort Geschäfte und Büros.
Auch der „Alte Wirt“ in Aising wurde 2025 abgerissen, nachdem Denkmalschutzbemühungen erfolglos waren. Das Gasthaus war über Generationen ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Berühmt waren die Ochsenrennen der 1960er-Jahre mit mehreren Tausend Besuchern.
Im Zentrum der Stadt, am Max-Josefs-Platz, befand sich der „Bayerische Hof” der Familie Greiderer. Dort, wo später das Modehaus Adlmaier jahrzehntelang die Anlaufstelle für den modebewussten Herren war. Die Familie Greiderer führte den Gasthof im 19. Jahrhundert und machte ihn zu einem der vornehmsten Häuser Rosenheims. Dort übernachteten auf der Strecke München-Salzburg sogar hochrangige Gäste aus europäischen Fürstenhäusern. Besonders interessant: Seraphin Greiderer war nicht nur Wirt, sondern auch Rosenheimer Posthalter. Nachdem ihm 1850 die Postexpedition übertragen worden war, wurde der „Bayerische Hof“ gleichzeitig Poststation mit Stallungen für Pferde und Postkutschen. Mit dem Eisenbahnanschluss 1857 verlor der Poststall seine Bedeutung.
Besondere Aussicht auf
die Stadt und die Alpen
Ein beliebtes Ausflugsziel der Rosenheimer war der Hofbräukeller an der heutigen Ebersberger Straße, damals noch die Landstraße Richtung Ebersberg. Er gehörte zur Rosenheimer Hofbräu-Brauerei und lag auf einer Anhöhe im Norden Rosenheims mit freiem Blick über die Stadt und auf die Alpen. Der Keller wurde bereits 1816 von dem Brauer Georg Fenk errichtet. Neben dem Gasthaus befanden sich die Bierlagerkeller der Brauerei. Damals wurden solche Keller außerhalb der Stadt angelegt, weil die niedrigeren Temperaturen für die Lagerung des Bieres wichtig waren. Der Hofbräukeller galt als einer der beliebtesten Bierkeller Rosenheims. Besonders schön war die schattige Allee, die zum Eingang führte, der große Biergarten, der außergewöhnliche Panoramablick über Rosenheim und die Alpen, und es gab sogar ein aufgestelltes Fernrohr für die Gäste.
Damals sprach man in Rosenheim vom „Gang auf den Keller“. Mit der modernen Kältetechnik verloren die traditionellen Lagerkeller ihre ursprüngliche Funktion. Gleichzeitig änderte sich das Freizeitverhalten der Bevölkerung und die Besucherzahlen gingen zurück.
Nicht zu verwechseln ist der Hofbräukeller an der Ebersberger Straße mit dem Hofbräu in der Kaiserstraße/Weinstraße – der eigentliche Brauereikomplex mit dem berühmten Festsaal, der in den 1990er-Jahren saniert wurde und heute als Ballhaus bekannt ist.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel war das Gasthaus Kefer im Egarten. Man saß gemütlich unter Kastanien und konnte sogar auf einer Freiluftbahn kegeln. Später kam eine Squashhalle dazu. Gasthaus und Squashhalle wurden abgerissen, heute steht dort ein kleines Wohngebiet.