Rosenheim – Der Salzstadel ist am Samstagvormittag offiziell zum „Platz für Kinderrechte“ erklärt worden. Im Mittelpunkt der Feier stand eine interaktive „Kinderrechte-Hörbank“, an der sich über eine Handkurbel Audiobeiträge zu verschiedenen Kinderrechten abrufen lassen.
Schon ab 10 Uhr füllte sich der Bereich vor der Rosenheimer Stadtbibliothek mit Familien, Kindern und zahlreichen Besuchern. Bei Temperaturen nahe 30 Grad waren die schattigen Plätze unter den Bäumen besonders gefragt. Rund um den Platz hatten zahlreiche Organisationen und Vereine Informations- und Mitmachstände aufgebaut.
Ein sicht- und hörbares
Zeichen für Kinderrechte
Mit der Benennung setzte die Stadt Rosenheim ein sichtbares und hörbares Zeichen für Kinderrechte – an einem Ort, der dafür längst eine besondere symbolische Bedeutung besitzt. Der Salzstadel steht seit Jahren im Fokus, wenn es in Rosenheim um Kinderrechte geht. Bereits im vergangenen Herbst wurde dort ein Baum gepflanzt, der symbolisch dafür steht, dass Kinderrechte in der Stadt Wurzeln schlagen und fest verankert sind.
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan machte bei der Eröffnung des Familienfestes deutlich, dass Kinderrechte auch in Deutschland keine Selbstverständlichkeit seien. Die Sicht auf die Welt aus dem Blickwinkel der Kinder sei entscheidend für die Zukunft der Gesellschaft.
Zugleich verwies er auf eine aktuelle Vergleichsstudie zum Kindeswohl, in der Deutschland lediglich Platz 25 von 37 untersuchten Ländern belegt. Auch beim Thema Erziehung fand Erdogan klare Worte. Gewalt habe dort keinen Platz. Eine „Watschn“ sei kein Erziehungsmittel, sondern Gewalt.
An der Einweihung nahm auch Joachim Türk, Vizepräsident des Bundesverbandes des Kinderschutzbundes, teil. Er würdigte das Engagement der Stadt Rosenheim ausdrücklich und sprach von einem starken Signal für Kinderrechte. „Das nötigt mir größten Respekt ab“, sagte Türk. Gleichzeitig widersprach er einem häufig verwendeten Satz: „Kinder sind nicht unsere Zukunft. Sie haben ihre eigene Zukunft und auch eine Gegenwart.“ Rosenheim gehe mit der Bezeichnung „Platz für Kinderrechte“ zudem bewusst einen eigenen Weg. Bundesweit gebe es inzwischen 77 solcher Orte, die meist den Namen „Platz der Kinderrechte“ tragen.
Höhepunkt der Veranstaltung war die Enthüllung der neuen interaktiven Kinderrechte-Hörbank. Über eine Kurbel können Besucher Audiobeiträge aktivieren, in denen Kinder selbst erklären, welche Rechte sie haben und was diese im Alltag bedeuten.
Nach der Enthüllung durch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht, Jugendamtsleiter Christian Meixner, Joachim Türk, Irmi Bauer, Vorsitzende des Rosenheimer Kinderschutzbundes, und einige Kinder wurde die Hörbank schnell zum Anziehungspunkt des Familienfestes. Immer wieder drehten Kinder und Erwachsene die Kurbel und hörten aufmerksam zu.
So wurde die offizielle Einweihung unmittelbar zum Praxistest: Kinderrechte wurden hier nicht nur erklärt, sondern hörbar und erlebbar gemacht.
Weitere Hörbänke in
der Stadt vorstellbar
Auch Jugendamtsleiter Christian Meixner zeigte sich erfreut über das neue Angebot. Besonders das Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung rücke damit stärker in den Mittelpunkt – ein Bereich, der im heutigen Alltag vieler Kinder häufig zu kurz komme. Meixner kann sich vorstellen, künftig auch in weiteren Stadtteilen ähnliche Orte mit Kinderrechte-Hörbänken zu schaffen.
Beim anschließenden Familienfest informierten das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, der Kinderschutzbund Rosenheim, die Waisenhausstiftung der Stadt, die Sozialraumteams, die Familienstützpunkte, das katholische Bildungswerk, der Stadtjugendring, der Jugendbeirat, die Stadtbibliothek, das Gesundheitsamt, die Regionalgruppe Kindertagespflege, die Offene Behindertenarbeit des KJSW, das Kinderheim Schöne Aussicht sowie das THW Rosenheim über ihre Arbeit und luden zu zahlreichen Mitmachaktionen ein.