Rosenheim – Für Oberbürgermeister Abuzar Erdogan gab es an diesem Nachmittag nur zwei Optionen. „Entweder wir müssen die Gruppe auflösen oder selbst einspringen“, sagte er während der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Diskutiert wurde darüber, wie es mit dem Kinderhort „Kleine Helden“ in Pang weitergeht. Seit der Eröffnung des Kinderhauses an der Grundschule Pang ist der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising Kita-Träger. Die hatten aber im Januar 2026 bekannt gegeben, dass sie die Betriebsträgerschaft zum Ende des Schuljahrs aufgeben.
Einrichtung für zwei
Hortgruppen vorgesehen
Um diese Entscheidung besser zu verstehen, braucht es einen Blick in die Vergangenheit. „Die Einrichtung war zunächst für zwei Hortgruppen vorgesehen“, sagt Wolfgang Ehrenlechner, Kreisgeschäftsführer vom Caritasverband München-Freising. Im Vorfeld der Eröffnung sei der Bedarf im Stadtteil erhoben worden. „Dieser ließ erwarten, dass der tatsächliche Bedarf über zwei Hortgruppen hinausgehen würde“, sagt Ehrenlechner. Deswegen sei der Bau von Beginn an so geplant worden, dass eine zeitnahe Erweiterung möglich sei.
Das Problem: Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme habe sich der prognostizierte Bedarf an Hortplätzen nicht realisiert. „Die Anzahl der Hortanmeldungen war so gering, dass maximal eine Hortgruppe belegt werden konnte“, sagt der Kreisgeschäftsführer. Weil es aber Engpässe im Kindergartenbereich gab, wurde – in enger Abstimmung zwischen der Caritas und der Stadt Rosenheim – kurzfristig eine Änderung der Konzeption vorgenommen. Anstelle von zwei Hortgruppen wurden eine Hortgruppe und eine Kindergartengruppe eingerichtet. „Diese Lösung stellte für beide Seiten eine tragfähige Übergangslösung dar“, so Ehrenlechner.
In den vergangenen Jahren stieg der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kindergarten- und Hortkinder. 2025 sprachen sich die Stadträte deshalb für die bauliche Erweiterung der bestehenden Einrichtung aus. Um die Bauarbeiten realisieren zu können, war es erforderlich, die Hort- und Kindergartengruppe in separate Ausweichgebäude zu verlagern.
„Diese Struktur erforderte zusätzliche Personalressourcen. Gleichzeitig kam es zu personellen Einschränkungen“, sagt der Caritas-Kreisgeschäftsführer. Unter diesen Voraussetzungen war eine fachlich und organisatorisch sinnvolle sowie wirtschaftlich auskömmliche Betreuung beider Gruppen Ehrenlechner zufolge nicht mehr gewährleistet.
Die Lösung: Der Weiterbetrieb des Kinderhorts sollte sichergestellt, der Betrieb der Kindergartengruppe eingestellt werden. „Die betroffenen Kindergartenkinder konnten in anderen Einrichtungen im Stadtgebiet ausreichend versorgt und betreut werden“, sagt Ehrenlechner. Seither besteht der Kinderhort Pang aus einer Hortgruppe mit 24 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren, darunter ein Kind mit Inklusionsbedarf. Fünf Mitarbeiter übernehmen die Betreuung.
Ganz ging das Konzept jedoch nicht auf. „Aufgrund der strukturell geringen Platzzahl seit Inbetriebnahme, der fehlenden zweiten Gruppe seit September 2025 sowie der insgesamt eingeschränkten Rahmenbedingungen arbeitet der Kinderhort Pang hoch defizitär“, so der Kreisgeschäftsführer. In den Jahren 2023 bis 2025 habe sich ein Defizit von rund 300.000 Euro aufgebaut. „Im bestehenden Setting ist es nicht möglich, ohne Defizit zu arbeiten“, ist Ehrenlechner überzeugt. Die Prognose für das laufende Jahr liege bei einem Defizit von rund 80.000 Euro.
Am 31. August 2026 läuft die Betriebsträgerschaft der Caritas dann offiziell aus. Die Stadt Rosenheim hat sich daraufhin auf die Suche nach einem neuen Träger gemacht. Allerdings ohne Erfolg. Um die 25 Hortbetreuungsplätze in Pang für das Schuljahr 2026/27 trotz allem sicherzustellen, sprachen sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses nun einstimmig dafür aus, dass die Stadt Rosenheim übergangsweise die Trägerschaft für die Hortgruppe übernimmt.
„Im Zuge der Einführung des Rechtsanspruches auf Ganztagsschulkinderbetreuung ab August ist die Sicherstellung der Hortplätze dringend erforderlich“, heißt es aus dem Rathaus. Die Bedarfe der Eltern werden beim Amt für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung angemeldet. „Aktuell stellt sich eine hohe Auslastung der Hortgruppe ab September 2026 dar“, so die Verwaltung.
Die Hortkinder werden im ersten Obergeschoss im Pfarrheim Pang betreut. Das Mietverhältnis zwischen der Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt Pang und der Stadt Rosenheim wird bis mindestens zum 31. Dezember 2027 weitergeführt. Die monatlichen Mietkosten bleiben bei 1.126,21 Euro. Alle bestehenden Mitarbeiter, die bisher beim Caritasverband der Erzdiözese München-Freising im Kinderhort „Kleine Helden“ beschäftigt sind, werden von der Stadt übernommen. Für die Stadt entstehen durch die Übernahme der Trägerschaft Gesamtkosten in Höhe von circa 83.700 Euro. Unter Berücksichtigung der Einnahmen in Höhe von rund 39.900 Euro ergeben sich Kosten in Höhe von circa 43.800 Euro.
Es ist eine Situation, die dem ein oder anderen Stadtrat so gar nicht gefiel. Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU, kritisierte die Entscheidung und plädierte dafür, darüber nachzudenken, ob in Zukunft nicht alle Kitas städtisch betrieben werden sollten. „Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Trägervielfalt gelebt werden soll und Eltern verschiedene Auswahlmöglichkeiten haben“, sagte Oberbürgermeister Erdogan. Er selbst finde es schade, dass die Caritas die Trägerschaft gekündigt hat.
Mietkosten bleiben
bei 1.126,21 Euro
Elisabeth Jordan, Fraktionsvorsitzende der SPD, erinnerte daran, dass man als Stadt keine andere Möglichkeit habe, als die Trägerschaft selbst zu übernehmen. „Wir brauchen jeden einzelnen Platz“, sagte sie während der Sitzung. Zustimmung erhielt sie von Anna Rutz, Fraktionsvorsitzende der Grünen.
Derzeit befinden sich noch vier weitere Kitas in Rosenheim in der Trägerschaft der Caritas. „Die Trägerschaft der anderen Einrichtungen ist nicht gefährdet“, sagt Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Ehrenlechner. Aber, auch daraus macht er kein Geheimnis: Die aktuellen Gesetzesänderungen der Staatsregierung bringen Unsicherheiten mit sich. Auch wenn deren konkrete Auswirkungen derzeit noch nicht abschließend eingeschätzt werden können – insbesondere im Hinblick auf den Wegfall des 100-Euro-Beitragszuschusses.
„Die Kita-Träger stehen hierzu im engen Austausch mit den Verantwortlichen der Stadt Rosenheim, um gemeinsam tragfähige und praktikable Lösungen zu entwickeln“, fügt Ehrenlechner hinzu.