Rosenheim – Anlässlich der Aktionswoche gegen Einsamkeit bis 28. Juni hat die Diakonie Rosenheim Erfahrungsberichte aus dem Arbeitsalltag ihrer Mitarbeitenden veröffentlicht. Wie die Diakonie Rosenheim mitteilt, zeigen die Berichte, wie unterschiedlich Einsamkeit aussehen kann – und was Menschen hilft, wieder Anschluss zu finden.
Birgit Zimmer, Leiterin der Telefonseelsorge in Rosenheim, berichtet von einem nächtlichen Anruf eines jungen Mannes mit körperlicher Einschränkung, der sich nach einer Partnerin sehnte und stark unter seiner Einsamkeit litt. Mit der Telefonseelsorge habe er als einziger Stelle darüber sprechen können. „Oft melden sich Menschen zunächst ohne konkreten Anlass. Erst im Laufe des Gesprächs wird deutlich, dass hinter vielen Sorgen und Problemen Einsamkeit steht“, berichtet Zimmer. Sie beobachte zudem, dass Einsamkeit und psychische Belastungen wie Ängste oder Depressionen häufig Hand in Hand gingen. „Ich beobachte, dass die Einsamkeit der Menschen seit Jahren zunimmt“, sagt Zimmer. Besonders in der Mailberatung, die häufiger von jüngeren Menschen genutzt werde, spiele Einsamkeit eine immer größere Rolle.
Stephanie Staiger, die bei der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) der Diakonie Rosenheim den Besuchsdienst von Diakonie und Caritas für ältere Menschen organisiert, schildert eine weitere Erscheinungsform: „Die Menschen rufen selten an und sagen konkret: Ich bin einsam“, erklärt sie. Häufig erfahre der Dienst erst über Angehörige, Nachbarn oder andere Beratungsangebote, wie einsam die Betroffenen seien. Der Besuchsdienst bringt ehrenamtlich engagierte Menschen mit älteren Menschen zusammen, die sich Gesellschaft und regelmäßige Kontakte wünschen. Wie wichtig diese Besuche sind, zeige sich immer wieder: Viele Senioren freuten sich bereits Tage vorher auf den nächsten Termin. Falle ein Besuch wegen Krankheit oder Urlaub aus, sei die Enttäuschung oft groß. „Oh, jetzt muss ich wieder eine Woche warten, bis Sie wieder kommen“, höre man dann oft, berichtet Staiger. Für sie können bereits kleine Gesten viel bewirken – ein freundliches Wort, ein kurzes Gespräch oder die Aufmerksamkeit für einen Menschen in der Nachbarschaft.
Auch in der Kontakt- und Begegnungsstätte Innkontakt, einer Anlaufstelle für sucht- und psychisch kranke Erwachsene mit dem Schwerpunkt Alkoholabhängigkeit, spielt Einsamkeit eine zentrale Rolle. Maximilian Jaroljmek, Bereichsleitung Ambulant Betreutes Wohnen der Diakonie Rosenheim, erklärt: „Einsamkeit und Sucht beeinflussen sich häufig gegenseitig.“
Fehlende soziale Kontakte könnten Suchtverhalten begünstigen, während eine Suchterkrankung Beziehungen belaste und oft zu weiterem Rückzug führe. Besonders während der Abstinenz werde das spürbar: Alte Kontakte aus dem Suchtumfeld würden bewusst beendet, stabile soziale Beziehungen fehlten jedoch häufig. Über Einsamkeit zu sprechen, falle vielen Betroffenen schwer – deshalb sei es wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und Unterstützung anzunehmen. „Veränderung ist möglich“, betont Jaroljmek. „Niemand muss dauerhaft mit diesem Gefühl allein bleiben.“