Hitzespaziergang in Rosenheim

von Redaktion

Bei extremen Temperaturen von 36 Grad im Schatten haben sich Bürger in Rosenheim über Maßnahmen gegen die Sommerhitze informiert. Ein Rundgang führte die Gruppe zu kühlenOasen und zeigte auf, wie sich die Stadt an den Klimawandel anpasst.

Rosenheim – Bei 36 Grad im Schatten und rund 59 Grad über dem sonnigen Asphalt fand der Hitzespaziergang im Zentrum Rosenheims statt. Die glühenden Bedingungen schreckten aber weder die interessierten Teilnehmer ab, noch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, der die Gruppe begleitete. Fast zwei Stunden führten Karin Graf und Barbara Heerdt vom Umwelt- und Grünflächenamt durch die Stadt.

Alte Eiche bringt Kühlung
auf 21,2 Grad

Stopps waren dabei die schon umgesetzten Maßnahmen aus dem Klimawandelanpassungskonzept, Baumpflanzungen, die Gestaltung von Wasserläufen, die Trinkbrunnen und angepasste Oberflächengestaltungen. Beim „Klima“-Sieger tun sich leider Nachahmer schwer: Unter der 150 Jahre alten Weinhart-Eiche am Max-Josefs-Platz hatte es angenehme 21,2 Grad.

Die Initiative für den Hitzerundgang ging vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) aus. Rita Pohl und Klaus Moritz dankten vonseiten der Vorstandschaft Graf und Heerdt für die Organisation und die Informationen.

Start war am Lokschuppen, und die Gruppe von über 20 Teilnehmern bekam von Graf und Heerdt für den Rundgang Fächer, ein Informationsblatt mit der Route und wertvollen Adressen für weitere Informationen sowie kleine Handthermometer. Graf ging zu Beginn darauf ein, welche Auswirkungen die hohen Temperaturen auf besonders sensible Gruppen in der Bevölkerung hätten und warum es für diese so wichtig sei, Sonne und Hitze zu meiden. Oft unterschätzt: Auch Menschen, die Medikamente einnähmen, seien oftmals gefährdet.

Graf und Heerdt versprachen, auf dem Weg Haltepunkte im Schatten zu suchen. Doch auch im Schatten des Lokschuppens hatte es um 14.30 Uhr bereits 36 Grad. Heerdt erläuterte die Maßnahmen der Stadt, um der Temperatur im Halbkreis des Lokschuppens Herr zu werden.

So habe die Stadt Eisenholzbäume gepflanzt. Die 16 Neuanpflanzungen gruppierten sich um einen kreisrunden Brunnen, der in Fontänen Wasser speie. Durch den Wassernebel in der Luft erfolge ein Kühlungseffekt, erklärte Heerdt. Sie ging darauf ein, dass durch die Bedingungen in der Stadt nur bestimmte, oft nicht heimische Arten gepflanzt werden könnten. Diese seien aber gegen Salzeinbringungen im Winter und hohe Temperaturen im Sommer resistenter. Gleichzeitig verfügten sehr viele der Neuanpflanzungen über eingebaute Feuchtigkeitsmelder, die eine „zielgerechte Bewässerung ermöglichen“, so Heerdt.

Weiter ging es zum Mühlbach, und dort zeigte sie auf, dass ein offener Wasserlauf auch einen positiven psychologischen Effekt auf die Menschen habe. Sie wies darauf hin, dass manche baulichen Maßnahmen noch nicht vollendet seien. Am Mühlbach war dies eine Art kleines Atrium mit Stufen, das bald Spaziergänger zum Verweilen einladen soll. Auf dem Weg zum Kurpark wiesen beide auf die Rabatten gegenüber dem Sparkassengebäude hin, und im Park konnte sich die Gruppe gut von dessen Beliebtheit bei Hitze überzeugen.

Oberbürgermeister Erdogan ging darauf ein, wie sehr eine viel diskutierte größere Fußgängerzone die Möglichkeiten für Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität erweitern könne. Gleichzeitig würden aber verschiedene Verkehrsteilnehmer um die Wahrung ihrer Interessen ringen. So ginge es zum einen um mögliche alternative Busrouten, aber auch um Radfahrer, die ihre Sicherheit durch Bäume möglicherweise gefährdet sehen.

Heerdt informierte über die „Kühle Karte“, die heruntergeladen werden kann, um schattige Orte aufzusuchen oder die Standorte der 21 öffentlichen Trinkbrunnen zu finden. Über den Busbahnhof und die Baumanpflanzungen sowie den dortigen Wasserlauf ging es zum Salzstadel und den noch jungen Platanen, die in der Zukunft zu einem geschlossenen Laubdach zusammenwachsen sollen. Heerdt wies darauf hin, dass die Stadt auch in Angriff nehme, Asphaltoberflächen anzuschleifen, um sie heller zu machen.

Trotz der Hitze stellten die Teilnehmer Fragen, deren Inhalte sich um die Themen Bäume, Artenauswahl und gesetzliche Vorgaben drehten. Während Heerdt auf das Kriterium der Widerstandsfähigkeit der jungen Bäume verwies, betonte Erdogan, dass es dabei vielfach auch um Aufklärungsarbeit ginge.

„Hotspot der
Biodiversität“

Bevor die Gruppe den „Riedergarten“, seinen alten Baumbestand, die Kneippanlage sowie die blühenden Rabattenanlagen erreichte, überzeugte der Klimasieger alle. 150 Jahre jung und bei guter Gesundheit genossen die Rundgänger die kühlen 21,2 Grad unter der Weinhart-Eiche am Max-Josefs-Platz. So ein alter Baum ersetze leicht vier, fünf Klimaanlagen und von „der Habitatfunktion rund 30 neue Bäume“, „deshalb ist es umso wichtiger, solche Altbäume zu erhalten“, unterstrich Heerdt. „So eine alte Eiche ist auch ein Hotspot der Biodiversität“, erläuterte sie.

Die Fragen der Teilnehmer zielten dann auf die Möglichkeiten der Stadt und der Verwaltung ab, solche Bäume zu schützen. Mit Verweis auf den Grüngestaltungsplan und Ausgleichsflächen sowie das Baumkataster zeigten die eingeforderten Antworten sehr schnell auf, wie begrenzt die Einflussmöglichkeiten sind. „Es ist eben oft ein Konflikt zwischen Baum-Recht und Bau-Recht“, so die ernüchternde Antwort der Führerinnen.

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