Ansturm auf den Rosenheimer Radmarathon

von Redaktion

Interview Co-Organisator Christian Schuller über die Besonderheiten der beliebten Veranstaltung

Rosenheim – Wer am Sonntag (28. Juni) beim Weko vorbeifährt, sollte sich nicht wundern: Dort beginnt bereits ab 5.30 Uhr der 33. Rosenheimer Radmarathon. Knapp 3.000 Teilnehmende werden erwartet. Ein Blick auf die Anmeldelisten verrät, dass ein paar Teilnehmer sogar aus dem Ausland angereist sind. Auf einer großen Auswahl an Strecken mit unterschiedlichen Längen können Radbegeisterte durch das Rosenheimer Umland fahren. Für die ganz Sportlichen gibt es die „Freakout-Tour“. Was es damit genau auf sich hat und was die Teilnehmenden darüber hinaus am Sonntag erwartet, verrät Christian Schuller, Co-Veranstalter und Mitglied im Ski-Club Aising-Pang.

Über 3.000 Anmeldungen gibt es dieses Jahr. Ist das mehr als die letzten Jahre?

Wir werden heuer etwa 10 bis 15 Prozent mehr Teilnehmer haben als letztes Jahr. Bis vor sechs, sieben Jahren haben wir um die Teilnehmerzahlen auch noch kämpfen müssen: Da war es ein Traum, wenn die Zahlen mal dreistellig wurden. Und dann nach Corona ging es steil aufwärts mit den Anmeldezahlen, sodass wir bald ein Teilnehmerlimit einführen mussten. Da wir keinen Massenstart haben, dürfen etwa alle drei Minuten 15 Radfahrer losfahren. Wir haben vom Start beim Weko aus aber Touren, die in zwei verschiedene Richtungen starten, sodass wir mittlerweile viel mehr Leute starten lassen können.

Worum kümmern Sie sich bei der Organisation?

Ich kümmere mich um die Gesamtorganisation. Das heißt, ich kümmere mich um die Homepage, den Anmeldeprozess, Social Media, Bestellungen, etc. Am Veranstaltungstag war ich lange auch vor Ort für alles verantwortlich. Seit letztem Jahr haben wir aber mit Oliver Busch jemanden, der sich dort um alles kümmert, sodass ich am Veranstaltungstag im Hintergrund bleiben kann.

Veranstaltet wird das Event vom Ski-Club Aising-Pang und vom Radsportverein Rosenheim?

Genau. Christian Schiefer vom Radsportverein kümmert sich sowohl um die Genehmigung als auch um die Streckenplanung sowie die Ausschilderung am Veranstaltungstag. Er ist deshalb die letzten zwei Wochen rund um die Uhr die Strecken abgefahren und hat beispielsweise auch zusätzliche Orte für Wasserstationen geplant. Aus beiden Vereinen haben wir außerdem viele fleißige Helferinnen und Helfer.

Wie viele Strecken gibt es insgesamt?

Insgesamt gibt es 13 verschiedene Touren. Darunter ist auch eine Tour für Gravel-Handbikes. Diese werden mit den Händen angetrieben, haben drei Räder und werden etwa von Rollstuhlfahrern gefahren. Ein ehemaliger Mountainbike-Profi, der seit einem Sturz querschnittsgelähmt ist, hatte uns dazu gebracht, das anzubieten. Bis vor etwa drei Jahren haben wir noch alle Routen ausgeschildert. Das wird aber immer weniger erforderlich, weil mittlerweile jeder Rennradfahrer entweder Apps wie Komoot oder Strava und ein Garmin oder zumindest ein Handy mit dabeihat. Wir bieten die GPX-Daten deshalb auch auf unserer Homepage an. In diesem Jahr sind erstmals nur die Touren 1 bis 3 durchgängig beschildert.

So viele Strecken müssen auch erst mal geplant werden. Werden dafür immer dieselben genommen oder werden neue Strecken gesucht?

Die Anzahl der Strecken ist zum einen natürlich über die Jahre gewachsen. Wir haben ein grobes Streckenkonzept, innerhalb dessen wir die Touren immer etwas verändern. Aber ein paar grundlegende Aspekte bleiben immer gleich. Zum Beispiel führen die Touren 1 und 2 immer nach Bad Endorf und von dort aus wieder zurück und auch die Verpflegungsstationen sind fast immer gleich.

Und wann muss man mit der Planung beginnen?

Der Anmeldestart für den Radmarathon ist seit vielen Jahren immer fest am 20. Januar um 15 Uhr. Mittlerweile ist das Datum aber schon so etabliert, dass wir in diesem Jahr bis zum Abend schon etwa 2.200 Anmeldungen hatten. Nach vier Wochen mussten dann viele feststellen, dass es bereits ausgebucht war. Wir haben deswegen auch viele Nachfragen, denen wir aber leider absagen mussten. Ungefähr vier Wochen vor dem Anmeldestart müssen die Touren veröffentlicht werden. Über die Weihnachtsfeiertage zeichne ich deshalb meistens die Tourenkarten, die Christian Schiefer vorher abgesteckt hat. Wir haben aber schon ab August über das ganze Jahr verteilt regelmäßige Sitzungen mit beiden Vereinen, wo wir uns überlegen, was wir für nächstes Jahr vorhaben.

Warum wird der Radmarathon immer beliebter? Liegt das daran, dass Radfahren gerade im Trend liegt?

Ich glaube schon, dass der Radsport beliebter wird. Aber es gab auch früher schon andere Veranstaltungen, die ausgebucht waren. Das Bewerben, gerade auch über Social Media, macht da meiner Meinung nach viel aus. Dort erreichst du viele Menschen auf einmal. Vor zehn Jahren ist außerdem der Sponsor Erdinger alkoholfrei eingestiegen, der macht mit dem kostenlosen Zielausschank schon auch was her.

Fahren auch E-Biker mit?

Es sind nicht viele, aber es ist erlaubt. Man muss sich halt an die Straßenverkehrsordnung halten. Wir haben auch keine Zeitmessung, deshalb hat das Event auch keinen Renncharakter und es gibt keinen offiziellen Gewinner. Man kann deshalb auch spontan eine kürzere Strecke fahren als die, für die man sich angemeldet hat.

Eine der Touren trägt den bezeichnenden Namen „Freakout-Tour“. Was hat es damit auf sich?

Neben den anderen Touren, die alle Rundtouren mit unterschiedlicher Länge sind, hat die „Freakout-Tour“ die meisten Höhenmeter. Dort sollen die, ich sage mal, schönsten Anstiege im Landkreis befahren werden. Das ist keine klassische Rundtour, stattdessen geht es immer viel hin und zurück, rauf und wieder runter. Man fährt unter anderem das obere Sudelfeld, die Rosengasse oder den Parkplatz unterhalb vom Spitzsteinhaus ab. Es haben sich aber weniger als 50 Menschen dazu angemeldet.

Gibt es an den Versorgungsstationen auch etwas zu essen?

Ja, das gibt es. Neben Wasser, Iso-Getränken und anderen Getränken gibt es Xenofit Gel, Riegel, Bananen, den Klassiker Wurstsemmeln, Semmel mit vegetarischen und veganen Aufstrichen. Vor Jahren ist einmal ein Video von einem Teilnehmer erschienen, der an dem Tag an die 5.000 Höhenmeter gefahren ist und vegan war. Er konnte die ganze Strecke über nur Bananen essen und ist immer mit der vergeblichen Hoffnung zur nächsten Station gefahren, dass es dort etwas anderes als Bananen gibt. Deshalb haben wir jetzt auch eine größere Auswahl. Außerdem gibt es an den Stationen noch ein paar Spezialitäten: Wraps in Bayrischzell und Bad Endorf, in Endorf gibt es außerdem einen Stand mit veganem Leberkäse und in Niederndorf Nudelsalat und Pizza-Semmeln.

Wohin geht das Geld, das durch die Startgebühr eingenommen wurde?

Wir sind keine kommerzielle Veranstaltung, sondern zwei gemeinnützige Vereine, die das ganze Event mit ehrenamtlichen Helfern ausrichten. Deshalb gehen die Einnahmen alle in die Jugendarbeit des Radsportvereins und des Ski-Clubs. Das Helferteam, das sich über die letzten Jahre aufgebaut hat an Leuten, die das offensichtlich wirklich gern machen, ist echt Wahnsinn. Der ganze Verein macht mit und wir kriegen jedes Jahr das Feedback, was für eine großartige Stimmung herrscht.

Gibt es auch schon Pläne für die nächsten Jahre?

Bei der Veranstaltung nächstes Jahr ist das Ziel auf jeden Fall: nicht größer werden. Das Ziel haben wir bisher noch nie gehalten. Aber mittlerweile haben wir eine Größe erreicht, bei der wir sagen, das muss jetzt nicht unbedingt mehr werden. Lieber Qualität statt Quantität.

Sofie Onnasch

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