„Kunst beginnt dort, wo wir stehen bleiben“

von Redaktion

Festival „transit art“ eröffnet – Eine Einladung, Rosenheim mit offenen Augen neu zu entdecken

Rosenheim – Kunst hängt längst nicht mehr nur im Museum. Sie wächst an Hausfassaden, begleitet den Weg zur Arbeit und verändert ganze Straßenzüge.

Vergangene Woche wurde das „transit art“-Festival offiziell eröffnet, das die Stadt einmal mehr in ein Atelier unter freiem Himmel verwandelt. Zur Eröffnung wurde der Rathausvorplatz zum Treffpunkt für Kunstschaffende und Kulturinteressierte. Während das Saxofon-Ensemble Rosenheim mit passender Musik für eine entspannte Atmosphäre sorgte und Besucher bei sommerlichen Temperaturen miteinander ins Gespräch kamen, eröffnete die Leiterin der Städtischen Galerie, Monika Hauser, das Festival mit ebenso herzlichen wie erfrischenden Worten.

Zwischen angeregten Gesprächen, sommerlicher Leichtigkeit und der Vorfreude auf die kommenden Festivaltage war schnell spürbar: „transit art“ ist längst mehr als eine Reihe neu gestalteter Fassaden in Rosenheim.

Diesen Gedanken griff auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan in seiner Ansprache auf. Seit dem ersten Festival im Jahr 2020 habe sich Rosenheim zu einem Ort entwickelt, an dem internationale Street-Art-Künstler sichtbare Spuren hinterlassen. Inzwischen prägen mehr als 40 Murals das Stadtbild – doch ihre Bedeutung gehe weit über Farbe auf Beton hinaus. „Kunst beginnt dort, wo wir stehen bleiben“, sagte Erdogan und lud die Besucher dazu ein, Rosenheim mit offenen Augen zu entdecken.

Dass genau das gelingt, zeigte sich bereits am Eröffnungsabend. Immer wieder kamen Besucher mit den Künstlern ins Gespräch, tauschten ihre Eindrücke aus und diskutierten über Kunst im öffentlichen Raum. Street-Art, so Erdogan, eröffne neue Perspektiven. Sie fordere dazu auf, genauer hinzusehen und sich auf unterschiedliche Sichtweisen einzulassen. Kunst sei keine Dekoration, sondern Begegnung.

Passend dazu verwies der Oberbürgermeister auf das Kunstwerk „Heimwärts“, das in Rosenheim bereits zahlreiche Diskussionen ausgelöst hat. Die einen erkennen darin einen Walfisch, andere, die genauer hinsehen, entdecken einen kleinen Korb mit zwei Menschen und einem Hund. Der Wal wird so zu einem schwebenden Luftschiff. Gerade diese unterschiedlichen Deutungen seien es, die Street-Art so lebendig machten: Sie liefere keine fertigen Antworten, sondern lade dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dass dieses Gespräch während des Festivals nicht nur vor den fertigen Werken, sondern bereits während ihres Entstehens beginnt, macht den besonderen Reiz von „transit art“ aus. In den kommenden Tagen werden internationale Künstler an verschiedenen Standorten in Rosenheim live arbeiten. Besucher können ihnen dabei über die Schulter schauen und miterleben, wie aus leeren Fassaden Kunstwerke entstehen, die das Gesicht der Stadt dauerhaft verändern.

So wurde auf dem Rathausvorplatz nicht nur ein Festival eröffnet. Es begann eine Einladung, Rosenheim neu zu entdecken.

Susanne Grun

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