Standort für neue Rettungswache sorgt für Kritik

von Redaktion

Der Rosenheimer Norden braucht dringend eine neue Rettungswache, um die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten. Doch der nun beschlossene Standort an der Schlößlstraße sorgt für heftige Diskussionen. Welche Sorgen es gibt – und warum es keine Alternative zu geben scheint.

Rosenheim – Es war das wohl emotionalste Thema an diesem Nachmittag: In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses sollte über den Neubau einer Rettungswache auf dem Grundstück an der Schlößlstraße 13 entschieden werden. Die Vorgeschichte reicht dabei mehrere Jahre zurück.

„Die Bedarfe im Rettungsdienst bestimmt der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF)“, sagte Herbert Eder vom Malteser-Hilfsdienst. Festgehalten wird, wie viel Personal, Fahrzeuge und Rettungswachen es in einer Stadt braucht, um eine flächendeckende Notfallversorgung sicherzustellen. „Damit soll gewährleistet werden, dass jeder im Notfall schnelle Hilfe bekommt“, ergänzte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan.

Versorgungsdefizit im
Rosenheimer Norden

Nun hatte die aktuelle Bedarfsanalyse aber ergeben, dass es im Rosenheimer Norden ein Versorgungsdefizit gibt. Aus diesem Grund wurde empfohlen, im Norden Rosenheims eine Rettungswache zu etablieren. „Diesem Auftrag kommen wir als Malteser sehr gerne nach“, sagte Eder. Also machten er und seine Kollegen sich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück, auf dem eine neue Rettungswache gebaut werden kann.

An der Westerndorfer Straße schien man schließlich fündig geworden zu sein. Zumindest dachte man das. „Die Verhandlungen sind leider gescheitert“, sagt Erdogan. Auch Pläne, die Rettungswache in der Nähe des Klärwerks anzusiedeln, zerschlugen sich. Im Februar wurde Landrat und Oberbürgermeister schließlich eine Fläche an der Schlößlstraße vorgestellt.

Grundstück in der Nähe
des Bahnübergangs

Gespräche wurden geführt, Stellungnahmen eingeholt. Unter anderem von der DB Infrago. Denn das Grundstück befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnübergang. Auf der eingleisigen Strecke fahren circa zwei Züge pro Stunde. Die Befürchtung der DB Infrago: Die Verkehrsverhältnisse könnten sich durch die Einsatzfahrten verschlechtern. „Verkehrsteilnehmer werden, aufgrund der Sonderrechte, die bei Einsatzfahrten gelten, vom Verkehrsgeschehen abgelenkt“, heißt es in der Stellungnahme. Also etwa dann, wenn aufgrund der Einsätze, Geschwindigkeitsbegrenzungen überschritten, rote Ampeln überfahren oder Halteverbote missachtet werden.

Um zu verhindern, dass sich die Situation durch den Neubau verschlechtert, präsentierten die Malteser eine Vielzahl von Lösungen. So könnte, direkt an der Ausfahrt der Rettungswache, eine Ampel installiert werden, die ausschließlich bei Einsatzfahrten aktiviert wird. Auch zusätzliche Warn- und Hinweisschilder könnten angebracht werden. Konkrete Maßnahmen sollen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vorgestellt werden.

Zu Sicherheitsproblemen kann es laut der Straßenverkehrsbehörde jedoch in Fahrtrichtung Großkarolinenfeld kommen.

Nämlich dann, wenn Fahrzeuge, die als Linksabbieger in die Rettungswache aufgrund der Verkehrsbelastung auf der Schlößlstraße nicht direkt einfahren können, einen Rückstau verursachen und daher der Gleisbereich überstaut wird.

Auch Lärm und eine Verkehrszunahme sind Befürchtungen, die in den vergangenen Monaten immer wieder geäußert wurden. Unter anderem von Nachbarn. Laut den Maltesern sollen an dem Standort an der Schlößlstraße drei Rettungswagen und drei Krankentransportwagen eingesetzt werden. Nach interner Auswertung des Malteser Hilfsdienstes werden im Durchschnitt fünf Blaulichtfahrten am Tag von der Rettungswache vorgenommen. Die Alarmierung tagsüber erfolgt in den meisten Fällen von anderen Einsatzorten.

Bei den Krankentransportwagen sind jeweils nur zwei im Einsatz, das dritte Fahrzeug ist ein Ersatzfahrzeug. Die Ein- und Ausfahrt der Krankentransportwagen erfolgt ohne Sonderrechte oder Blaulicht. „Außerdem werden Sirene und Blaulicht ohnehin nur dann eingesetzt, wenn es aufgrund der Verkehrslage notwendig ist“, ergänzte Oberbürgermeister Erdogan.

Am Ende des Tages müsse allen Verantwortlichen bewusst sein, dass das Grundstück derzeit die einzige Option ist. „Es erscheint mir sinnvoll und richtig, um das Versorgungsdefizit im Norden zu schließen“, fügte Erdogan hinzu. Zustimmung erhielt er von Stadträtin Gabriele Leicht (SPD). Jeder, der einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall habe, sei heilfroh, wenn der „Rettungswagen nicht fünf Minuten länger braucht“.

CSU von
Vorschlag überrascht

Überrascht von dem Vorschlag, die Rettungswache an der Schlößlstraße zu errichten, war Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. „Wir waren überzeugt, dass an der Westerndorfer Straße gebaut wird“, sagte er während der Sitzung. Dieser Standort sei in seinen Augen deutlich besser geeignet gewesen. Die Schlößlstraße hingegen sei schmal und ohne Gehwege. „Gerade am Morgen staut es sich dort“, so der Fraktionsvorsitzende.

Seine Sorge: Der Rettungswagen würde im Stau stecken bleiben. Ähnlich problematisch wäre es, wenn der Bahnübergang aufgrund eines vorbeifahrenden Zuges geschlossen wäre. „Für uns ist es die schlechteste Möglichkeit, aber es ist eine Möglichkeit“, sagte er. Auch ihm sei bewusst, dass man eine Rettungswache im Norden brauche.

„Der Standort ist nicht ideal“, sagte auch Anna Rutz, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Sie lobte das Engagement der Malteser, plädierte aber dafür, sich nach Alternativen umzuschauen. „Bei diesem Standort hat jeder Bauchgrummeln“, sagte sie. Zumal es für die kommenden zwei Jahre noch eine Interimslösung gebe.

Zustimmung – aber
mit Bauchschmerzen

Erdogan erinnerte daran, dass es auch eine Zeit lang brauche, um eine neue Rettungswache zu realisieren. So bräuchte es Ausschreibungen, Mittel müssten bereitgestellt und ein Umzug organisiert werden. Dr. Beate Burkl (Freie Wähler/UP) kritisierte die Kommunikation. Jonah Werner (SPD) erinnerte daran, dass die Fahrzeuge nicht dauerhaft im Einsatz wären. Zudem sei die derzeitige Situation in der Rathausstraße eine ähnliche. Auch dort würde es in den Morgen- und Abendstunden zu kleineren Staus kommen. „Für die Einsatzkräfte gehört das zum Alltagsgeschäft dazu“, sagte Werner.

Matthias Menold (Die Linke) sprach bei der Entscheidung von einem Dilemma. Es brauche schnellstmöglich eine Rettungswache, gleichzeitig sei der Standort an der Schlößlstraße kein geeigneter Standort. „Ich würde zustimmen, aber mit Bauchschmerzen“, sagte er.

Am Ende sprachen sich die Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses einstimmig für den Neubau aus. Nur wenige Sekunden nach der Entscheidung verließ ein Zuhörer wütend den Sitzungssaal.

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