Mit Fundstücken im Gepäck auf neuen Wegen

von Redaktion

Das Ignaz-Günther-Gymnasium verabschiedet feierlich seine Absolventen

Rosenheim – „Abiturienten“ sind dem Wort nach nicht einfach Menschen, die einen Abschluss gemacht haben, sondern solche, die im Begriff sind, aufzubrechen. Das verrät das lateinische abituri, von dem die Bezeichnung kommt. Vom Ignaz-Günther-Gymnasium aus machen sich nun 77 junge abituri auf den Weg. In ihrem Reisegepäck befinden sich nicht nur die Abiturzeugnisse, sondern auch drei kleine Texte.

Diese hatte ihnen Schulleiter Dieter Friedel mit in den Zeugnisumschlag gepackt. Das Gedicht „Ithaka“ von Konstantinos Kavafis solle Absolventen daran erinnern, dass es auf so einem Weg nicht nur um das Ankommen gehe, sondern um die Fundstücke, die man unterwegs sammle: Erfahrungen, Begegnungen und Erkenntnisse. Die biblische Erzählung vom Propheten Elija unter dem Ginsterstrauch stehe für jene Momente, in denen der Weg zu weit erscheine – und für die Menschen, die dann stärkten, ermutigten und weiterhülfen. Der dritte Text, ein Spruch von der Hohen Asten bei Flintsbach, fasste Friedels Botschaft von Aufbruch, Vertrauen und Gelassenheit zusammen: Zum letzten Mal bei einer Abiturrede – der Schulleiter ist selbst bald ein abiturus – zitierte er: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht – alles ist Gnade, fürchte dich nicht!“

Im Namen der Eltern sprach Anton Maier. Er machte den ersten „neuen“ G9-Jahrgang darauf aufmerksam, dass es auf einem Weg nicht unbedingt darum gehe, schnell zu sein. Maier zitierte einen anderen berühmten Abiturienten der Schule, Edmund Stoiber, der zur Einführung des G8 erklärt hatte, die deutsche Bildungslandschaft raube den Jugendlichen wertvolle Zeit. Für das Ignaz, so Maier, habe das jedenfalls noch nie gestimmt. Dort gebe es so viel Wertvolles für den Reifeprozess der Jugendlichen, dass auch ein 13. Schuljahr willkommen sei. Was Maier damit meinte, war an diesem Abend immer wieder zu spüren.

Etwa, als der Schulleiter in seiner Rede bei dem Satz „Nach so vielen gemeinsamen Stunden, guten und schlechten Tagen, Jahren, nach so vielen gemeinsamen Erlebnissen geht ihr heute einfach weg“ kaum weitersprechen konnte. Oder als die Abiturienten die ganze Aula baten, sich zu erheben – nicht für sie selbst, sondern für all die Menschen am „Ignaz“, die sie in den vergangenen Jahren begleitet hatten: das Hausmeisterpaar, den Schulleiter, Oberstufenkoordinatorin Friederike von Koskull und die Lehrkräfte.

Sophie Anetzberger und Raphael Bauer durften für den Jahrgang die Abirede halten. Unter der Überschrift „AbiDUR – mehr als nur 13 Takte“ machten sie mit viel Witz und Ironie deutlich, worin dieses „Mehr“ für sie bestanden hat. Die Schule sei ihnen vorgekommen wie der berühmte Schutzengel des Rokoko-Künstlers Ignaz Günther. Der Schutzengel führe ein Kind an der Hand und zeige, wo es langgehe. „Und jetzt, wo ich hier stehe, schaue ich zum Engel hinauf, er lässt vorsichtig meine Hand los und lächelt mich ein letztes Mal an. Lebewohl, sagt er leise. Besuch mich mal wieder, ich werde dich vermissen. Ja, lieber Engel, ich werde dich auch vermissen.“

Die Abiturienten erhielten schließlich aus der Hand des Schulleiters ihre Abiturzeugnisse. Emil Hegemann, Mayumi Hanusch und Luise Weingart wurden als die drei Jahrgangsbesten ausgezeichnet. Friederike von Koskull hatte außerdem einen ganzen Stapel Urkunden, Preise und Ehrennadeln vorbereitet – von Universitäten, Stiftungen, Unternehmen und der Schule: für herausragende Leistungen in einzelnen Bereichen ebenso wie für außerordentliche Verdienste um das Schulleben.

Die Stimmung an diesem heißen Sommerabend war eine besondere – geprägt auch von den hervorragenden musikalischen Beiträgen des Abiturjahrgangs. Erhaben und glanzvoll wurde es mit Händels Concerto grosso, tiefsinnig und leidenschaftlich mit Schuberts d-Moll-Trio, wehmütig und berührend mit „Slipping Through My Fingers“ aus dem ABBA-Album The Visitors sowie heimatverbunden und sehnsuchtsvoll mit „Honigmond“ der Kapelle So&So.

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