Sternwartekuppeln „made in Rosenheim“

von Redaktion

Blick in die Städtischen Sammlungen – Das Kuppelmodell von Josef Heringer

Rosenheim – Der Rosenheimer Josef Heringer (1905 bis 1999) wurde weltbekannt mit seinen Sternwartekuppeln. Als Wagnermeister hatte er sich 1928 in der Münchener Straße niedergelassen, nachdem er sein Handwerk in seiner Heimat Trauchgau im Allgäu erlernt und auf der Walz im Allgäu, in Nieder- und Oberbayern seine Erfahrungen gesammelt hatte.

Leider war die Auftragslage für die traditionellen Wagnerprodukte, wie das hölzerne Wagenrad, eine Kutsche oder ein Holzfuhrwerk, rückläufig. Heringer stieg wie viele seiner Kollegen auf die Ski-Produktion um und fertigte jährlich 1.600 bis 1.800 Paar Skier. Als die Werkstatt durch Fliegerbomben zerstört wurde, zog er um in die Äußere Münchener Straße 76. Ein Ladengeschäft für Skier hatte er in seinem Wohnhaus in der Steinbökstraße 7.

Auftrag der
Deutschen Luftwaffe

Ein Auftrag der Deutschen Luftwaffe war für Heringer der Wendepunkt in seiner Tätigkeit als Wagnermeister. Bis 1943 sollten vier Gebirgsobservatorien eingerichtet werden: auf der Kanzelhöhe in Kärnten, in Schauinsland im Hochschwarzwald, auf der Zugspitze bei Garmisch und auf dem Wendelstein.

So begann Heringer mit dem Kuppelbau, zunächst für die Kanzelhöhe in Kärnten. Und in Folge spezialisierte er sich auf den Bau von Sternwartekuppeln. In Folge hatte er Kunden in ganz Deutschland, in der Schweiz und in Finnland. Rund 30 Kuppeln entstanden in dem Rosenheimer Betrieb, die südlichste auf Capri und die größte mit achteinhalb Metern Durchmesser in der Eifel.

Die größte Herausforderung war, die Kuppel für die Sternenschau drehbar und die Toröffnung mit zwei Flügeln abdeckbar zu machen – und dies auch bei widrigsten Wetterverhältnissen. Heringer verleimte harzreiches und damit gegen Feuchtigkeit unempfindliches Kiefern- oder Eschenholz in Schichten zu Formholz für die Rippen der Kuppel. Diese wölbte er dann über dem ebenfalls hölzernen Hauptkranz zu einer Halbkugel mit sechs Metern Durchmesser, die wiederum mit astreinem Kiefernholz eingeschalt und zuletzt mit Kupfer- oder Aluminiumblech verkleidet wurde.

Zwei Jahre vom Angebot
bis zur Ausführung

In der Regel benötigte Heringer zwei Jahre vom Angebot bis zur Ausführung für eine Kuppel. Zur Montage der Kuppel vor Ort waren es meist drei Mann. Für den Drehkranz und die Beschlagteile einer Kuppel arbeitete er mit Metallbauern zusammen, wie Peter Wolf, Stahl- und Maschinenbau Rosenheim, für die Wendelsteinkuppel, oder Maschinenmetallbau Simon Noichl aus Aising. Die Blecheindeckung der Kuppel übertrug er einer Spenglerei, wie etwa 1978 der Spenglerei Georg Bank & Sohn in Bruckmühl. 1962 und 1963 hatte Heringer in der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ seine drehbaren Sternwartekuppeln beworben und erhielt daraufhin einige Anfragen. Sie kamen von Privatleuten, Schulen, Gemeinden, Forschungsanstalten und Universitäten.

Im Holztechnischen Museum Rosenheim ist ein Modell einer Sternwartekuppel ausgestellt. Es stammt aus der Werkstatt von Josef Heringer und diente seinen Kunden zur Anschauung.

Die OVB-Serie

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