Rosenheim – 31 Jahre alt, Single, keine Freunde: Aus diesem Status quo macht Joey Humbs kein Geheimnis. Die Influencerin aus dem Landkreis Rosenheim spricht auf ihren Social-Media-Kanälen ganz offen über Themen, über die andere öffentlich niemals ein Wort verlieren würden. Sie redet über toxische Freundschaften, Ängste, Einsamkeit und darüber, warum es gar nicht schlimm ist, auch mit 31 nicht alles zu 100 Prozent im Griff zu haben. Im OVB-Interview verrät sie außerdem, warum die zwanghafte Suche nach einem Partner nicht sinnvoll ist, und warum man manche Freundschaften besser loslassen sollte.
Wie ist die Social-Media-Karriere bei Ihnen entstanden?
Das habe ich schon wieder verdrängt. (lacht) Vor zwei, drei Jahren habe ich mit bayerischen Comedy-Videos angefangen. Irgendwann hat sich dann das Ziel entwickelt, ernsthaft Social Media zu machen, und darauf habe ich auch hingearbeitet. Das erste Video war aber tatsächlich eine spontane Idee.
Die wahrscheinlich auch ein wenig Überwindung gekostet hat?
Ja. Am Anfang habe ich alle Leute, die ich kenne, blockiert. (lacht) Und gestartet habe ich auf Tiktok – da ist man einfach ein bisschen anonymer. Ein spontanes Video ging dann von einem auf den anderen Tag durch die Decke. Das hatte dann plötzlich eineinhalb Millionen Aufrufe.
Würden Sie sich selbst als klassische Influencerin bezeichnen?
Nein. Natürlich mache ich zwar Werbung, aber das macht mir auch Spaß. Und ich habe auch größere Ziele. Ich spreche auch über Themen, die nicht den typischen Influencer-Themen entsprechen. Ich rede viel darüber, was ich die letzten Jahre durchgemacht habe. Die Inhalte sind also schon etwas tiefer.
Wie kam denn der Wandel von Comedy zu diesen ernsten Themen?
Das kam tatsächlich durch meinen eigenen Wandel. Ich habe mich selbst extrem verändert, viel an mir gearbeitet, viele Themen aufgearbeitet. Irgendwann kam dann der Impuls: Comedy – das bin ich nicht mehr. Ich will auch in der Öffentlichkeit keine Rolle spielen. Ich will teilen, wer ich wirklich bin. Das hilft meinen Zuschauern, glaube ich, mehr als belanglose Comedy.
Aber gab es einen konkreten Auslöser?
Die lustigen Videos sind mir immer schwerer gefallen. Wenn man einen Comedy-Account hat, muss man immer lustig sein. Zwischendurch war mein Leben aber einfach alles andere als lustig. Und irgendwann dachte ich mir: Du kannst das so nicht mehr machen. Ich rede immer davon, dass man authentisch sein muss. Da hätte das einfach nicht mehr zusammengepasst. Also habe ich es riskiert.
Wie sind die Rückmeldungen zu den neuen Inhalten ausgefallen?
Zu Beginn sind mit hauptsächlich Männer gefolgt. Jetzt merkt man schon, dass der Frauenanteil immer stärker wird – und zwar in rasender Geschwindigkeit. Und natürlich sind viele gegangen. Irgendwann habe ich mich schon mal gefragt, ob das überhaupt Zukunft hat. Dann kamen aber relativ schnell ziemlich viele neue Gesichter dazu. Wenn man den Content wechselt, wechselt natürlich auch das Publikum. Inzwischen ist die Bindung zu meinen Followern viel stärker als früher.
Gab es positive Rückmeldungen?
Ja, ich habe auch wirklich sehr rührende Nachrichten bekommen. Sowohl von Männern als auch von Frauen. Manche schreiben mir, dass sie durch meine Videos ihr Leben verändert haben.
Ein Thema ist immer wieder das Alleinsein und bewusst Kontakte abzubrechen. Woher kommt das?
Ich habe eigentlich mein Leben lang das Gefühl gehabt, dass ich da, wo ich bin, einfach nicht reinpasse. Ich habe immer wieder Freundeskreise gehabt, die versucht haben, mich zu integrieren, und wo auch ich versucht habe, wirklich ein Teil davon zu sein. Das heißt nicht, dass das alles schlechte Menschen waren oder so. Aber ich habe mich einfach fehl am Platz gefühlt.
Und trotzdem sind Sie geblieben?
Ja, das war auch diese Zeit, in der man jung ist und Party machen will. In der man sich einfach aufgeschmissen fühlt, wenn man keine Freunde hat. Anstatt sich dann für mich zu freuen, dass ich etwas aus meinem Leben machen möchte und mich positiv verändere, haben mich die Leute teilweise lieber gefragt, ob ich noch ganz dicht bin. Nach und nach haben sich dann beide Seiten distanziert.
Was ist Ihr Rat für Menschen, die Freundschaften nicht beenden wollen, aus Angst, alleine zu sein?
Ich bin fest davon überzeugt und weiß aus eigener Erfahrung, dass einsam zu sein und alleine zu sein wirklich nichts miteinander zu tun haben. Einsamkeit hat nichts damit zu tun, ob man in Gesellschaft ist oder nicht. Meine einsamsten Momente habe ich unter Menschen erlebt – und meine tollsten Momente habe ich alleine erlebt. Ich glaube, da muss man bei sich selbst anfangen. Man sollte das Alleinsein üben und Gedanken auch aushalten. Lieber die Chance nutzen, alleine glücklich zu werden, als immer in Gesellschaft unglücklich zu sein. Wie meine Mama immer sagt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. (lacht)
Auch was Liebesbeziehungen angeht, sind Sie eher vorsichtig unterwegs …
Da fühlen sich einige gleich angegriffen, wenn man nur ausspricht, dass man keine Beziehung mag. Vor allem Männer. Ich habe in der Vergangenheit nicht so gute Erfahrungen gemacht, das muss man ehrlich sagen. Und es waren einfach nicht die Richtigen, die ich kennengelernt habe. Mittlerweile sage ich einfach: Mir geht es gut, und was die Zukunft bringt, steht in den Sternen. Ich sehe keinen Grund, warum ich auf der Suche sein sollte. Wenn jemand kommt, der mein Leben besser macht, darf das sein. Und wenn nicht, ist es auch in Ordnung.
Sie brauchen also keine Beziehung?
Ich denke, dass eine Beziehung aus der richtigen Energie heraus entstehen soll. Nicht aus einem Mangelgefühl heraus oder nur, damit man nicht alleine ist. Das ist, glaube ich, oft zum Scheitern verurteilt. Ich glaube auch nicht, dass es einen Menschen auf der Welt gibt, der wirklich für immer alleine ist. Ich denke, für jeden gibt es die richtigen Leute. Daher: Verschwendet eure Jugend nicht damit, einsam und traurig zu sein – aber verbringt sie auch nicht mit den falschen Leuten.
Patricia Huber