Rosenheim – Irgendwann geht es nicht mehr. Das Kochen fällt schwer, oder wird vergessen, die Körperpflege wird vernachlässigt und die Einsamkeit ist einfach zu groß. Es sind nur ein paar Beispiele dafür, was einem im hohen Alter oder wenn man pflegebedürftig wird, blühen kann. Wer dann nicht Angehörige um sich hat, die einen pflegen, oder auch diese an ihre Belastungsgrenze kommen und die ambulante Pflege nicht mehr ausreicht, für den bleibt oftmals nur der Weg in eine Pflegeeinrichtung. Dort schnell einen Platz zu finden, ist alles andere als einfach. Die Möglichkeiten sind rar, die Wartezeiten teils lang.
Portal listet
Plätze auf
Fakt ist: Fast überall fehlen Pflegeplätze. Aufgrund des demografischen Wandels steigt die Zahl der Pflegebedürftigen, der Ausbau der Plätze stagniert allerdings. Ein erster Überblick, welche Angebote es in Stadt und Landkreis Rosenheim gibt, findet sich beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention – in einem Portal werden sämtliche Statistiken und Prognosen rund um die Pflege gelistet. Das Ganze hat aber einen Haken: Die letzten bestätigten Zahlen über die Pflegeplätze in der Region stammen von 2023. Die Pflegestatistik für 2025 soll gegen Ende des Jahres erscheinen, teilt ein Ministeriumssprecher auf OVB-Anfrage mit.
Nach der älteren Pflegestatistik gab es im Landkreis 3.471 Plätze mit vollstationärer Pflege – dauerhafte, ganztägige Unterbringung einer pflegebedürftigen Person in einem Pflege- oder Altenheim. In der Stadt waren es 419. Im Landkreis verteilten sich diese Angebote auf 53 Einrichtungen. In der Stadt waren es sechs Stück. Hinzu kommen noch einige Plätze zur Kurzzeitpflege und für die teilstationäre Pflege – dort können Pflegebedürftige in einer Einrichtung stundenweise betreut werden, leben aber dennoch weiterhin zu Hause.
Was bei den Zahlen der Pflegestatistik auffällt: Die Anzahl der Plätze und Einrichtungen schwankt von Jahr zu Jahr. Im Landkreis haben die vollstationären Pflegeplätze in den vergangenen sieben Jahren abgenommen – um rund 200 Stück. Anders in der Stadt, dort sind im Vergleich zur vorletzten Pflegestatistik zwei Plätze dazugekommen. Im Vergleich zu vor sieben Jahren gibt es allerdings auch hier einen deutlichen Rückgang.
Wie es aktuell um die Pflegeplätze in der Region bestellt ist, das kann das Landratsamt Rosenheim etwas genauer beantworten. Zurzeit stünden im Landkreis 3.175 Plätze in reinen „Pflegeeinrichtungen“ zur Verfügung, teilt Pressesprecherin Sibylle Gaßner-Nickl auf OVB-Anfrage mit. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an pflegebedürftige Personen. Abzugrenzen davon sind unter anderem Wohnformen der Eingliederungshilfe, zum Beispiel für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen, sowie sozialtherapeutische Einrichtungen für Menschen mit seelischer oder psychischer Beeinträchtigung. Da Bewohner in diesen Einrichtungen oft über Jahrzehnte leben und im Alter naturgemäß pflegebedürftig werden, ohne zwingend in eine reine Pflegeeinrichtung verlegt zu werden, ist ein klares Herausrechnen der Pflegeplätze hier kaum möglich, teilt die Pressesprecherin mit. Das liegt daran, dass sich die Belegungssituation täglich ändern könne. Wenn man die Unterkunftsmöglichkeiten in den Einrichtungen der anderen Wohnformen dazurechnet, gibt es im Landkreis Rosenheim insgesamt 4311 Pflegeplätze.
Die Plätze in den 41 stationären Pflegeeinrichtungen sind dabei quer durch die Region verteilt. Das größte Platzangebot gibt es mit 192 Plätzen in einer Einrichtung in Kiefersfelden. Gefolgt von einer in Bad Aibling mit 167 Plätzen und Wasserburg mit 148 Unterkunftsmöglichkeiten. Auch in Prien, Bad Endorf und Kolbermoor finden sich entsprechende Angebote. Aber auch zum Beispiel in Aschau, Schechen, Pfraundorf und Törwang gibt es mit 70, 63, 35 sowie 34 Plätzen ein entsprechendes Angebot.
Allerdings könnte die genaue Platzanzahl immer wieder mal schwanken, auch aufgrund von personellen Ressourcen, sagt Gaßner-Nickl. Das ist auch der Grund dafür, dass es schwierig ist, auf den Tag genau zu sagen, wie viele Pflegeplätze frei sind. Ähnlich schwer ist die Ermittlung der Kurzzeitpflegeplätze. „In der Regel sind in den stationären Einrichtungen etwa ein bis drei Kurzzeitpflegeplätze eingestreut, wobei die Höchstgrenze bei zehn Prozent liegt“, sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes.
Wichtig sei es dabei zu betonen, dass das Vorhandensein von Pflegeplätzen auch nicht automatisch bedeutet, dass diese voll belegt sind. „In der Regel handeln unsere Pflegeeinrichtungen verantwortungsvoll und entscheiden je nach Personalsituation über die Belegung der Plätze; ist zu wenig Personal vorhanden, können nicht alle Pflegeplätze belegt werden“, sagt Gaßner-Nickl. In diesen Fällen folge der sogenannte Aufnahmestopp. Dass es in Zukunft in der Region Rosenheim mehr Pflegeplätze brauchen wird, zeigt der Blick auf das Alter der Menschen im Landkreis. Zum Ende des Jahres 2025 lebten hier 60.891 Menschen im Alter von 65 Jahren und älter, teilt Sibylle Gaßner-Nickl mit. Prognosen des Bayerischen Landesamtes für Statistik besagen allerdings, dass die Bevölkerungsgruppe der Altersgruppe 60 Jahre und älter in den kommenden 18 Jahren um rund 27 Prozent ansteigen wird. In vier Jahren soll es bereits 89.500 Menschen geben, die älter als 60 Jahre sind, 2035 sind es 91.100.
Immer mehr
alte Menschen
Eine ähnliche Entwicklung erwartet man in der Stadt Rosenheim. Die Zahl der über 65-Jährigen soll bis 2035 von 13.000 Menschen auf 15.100 ansteigen. Man müsse davon ausgehen, dass bis dahin rund 500 zusätzliche Menschen auf eine vollstationäre Pflege in einem Heim angewiesen sein werden. Das Pflegeangebot in der Stadt basiert auf den drei Sozialräumen Nord, Ost und West. Im Norden stehen dem letzten Stand zufolge 291 Pflegeplätze zur Verfügung.
Im Sozialraum Ost sind es 172, im Westen gibt es keine. Bis 2035 wird es in der Stadt vermutlich rund 1.000 zusätzliche stationäre Pflegeplätze brauchen. Auch, weil derzeit schon 53 Prozent der Plätze von älteren Menschen aus dem Landkreis belegt sind.
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