Ein Segen für alle Paare

von Redaktion

Aktion „Trauung to go“ in Rosenheimer Erlöserkirche

Rosenheim – Als sie noch im Eingangsbereich der Erlöserkirche stehen, wird es für einen Moment ganz still. Gemeinsam mit Vikar Johannes Göpffarth sprechen Daniela und Alex ein leises Gebet. Dann setzt die Musik ein und das Paar schreitet langsam nach vorn zum Altar. Keine weiße Braut, kein klassischer Hochzeitsanzug, kein Brautstrauß. Fünf Menschen begleiten die beiden an diesem besonderen Tag – darunter ihre Tochter. Wenige Minuten später versprechen sie sich: „Ja, mit Gottes Hilfe.“

Das Ehegelübde
erneuert

Daniela und Alex lassen sich an diesem Tag trauen, denn die evangelische Kirche hat zum „Einfach heiraten“ eingeladen. Statt monatelanger Planung können sich Paare unkompliziert segnen oder trauen lassen. Auch in der Rosenheimer Erlöserkirche öffneten Pfarrerin Rosemarie Rother und ihre Kollegen die Türen.

„Wir feiern ‚Einfach heiraten‘ oder auch ‚Trauung to go‘“, erklärt Pfarrerin Rosemarie Rother. Willkommen sind alle Paare, „ob verliebt, verlobt oder verheiratet“. Bei einem kurzen Gespräch lernt der Seelsorger das Paar und seine Geschichte kennen, sagt Rother. Anschließend folge eine persönliche Feier mit Segnung oder Trauung. Kümmern müssen sich die Paare um wenig. Musik, Dekoration, Sekt und Kaffee – alles ist bereits vorbereitet. „Ich finde es ein schönes Angebot, denn Gott spendet seinen Segen jederzeit“, sagt die Pfarrerin.

Für Daniela und Alex kam das Angebot genau zur richtigen Zeit. Vor zehn Jahren haben die beiden bereits standesamtlich geheiratet. „Wir wollten unser Ehegelübde erneuern“, erklärt Alex. Doch beim Standesamt hatten sie mit ihrer Bitte kein Glück. „Also haben wir nach einem Weg gesucht, wo das geht“, erzählt Alex. Dass die Wahl ausgerechnet auf die Erlöserkirche fiel, hat für Daniela eine besondere Bedeutung: „Das ist die Kirche, in der meine Eltern geheiratet haben.“

Vor dem Altar greift Göpffarth den Trauspruch auf, den sich die beiden ausgesucht haben. Worte aus dem Buch Jesaja: „Reißende Ströme spülen dich nicht fort, wenn du durchs Feuer gehst, verbrennst du nicht.“ Kein leichter Vers, sagt der Vikar. Doch er passe zu ihrem gemeinsamen Weg. Seit ihrem Kennenlernen im Jahr 2011 haben Daniela und Alex viele Herausforderungen gemeistert. „Ich habe großen Respekt vor der Wegstrecke, die ihr gemeinsam zurückgelegt habt.“

Die Worte des Vikars passen. „Wir hatten viele Widrigkeiten. Ein Auf und Ab. Aber gemeinsam hat es funktioniert“, erklärt Daniela später. Johannes Göpffarth erinnert auch daran, dass eine Ehe Aufmerksamkeit brauche. „Brennen, ohne auszubrennen – das ist die ganz große Kunst“, sagt er. Ehrliches Interesse. Nachfragen. Füreinander da sein. Dann der entscheidende Moment. „So frage ich nun, Daniela: Willst du Alex aus Gottes Hand nehmen?“ – „Ja, mit Gottes Hilfe“, antwortet sie. Auch Alex sagt Ja. Die beiden nehmen sich an den Händen, lächeln sich an und stecken einander die Ringe an. Schließlich legt Göpffarth ihnen die Hände auf und spricht den Segen: „Gott schütze euch und bewahre eure Liebe.“

Auch Pfarrerin Solveig Umbreit aus Bad Endorf begleitet an diesem Tag Paare. Die Aktion hat sie bereits zweimal in ihrer früheren Pfarrei in Landshut erlebt, nun erstmals in Rosenheim. Im Vorgespräch geht es weniger um Formalitäten als um die Menschen selbst, sagt sie. Sie frage beispielsweise nach dem Trauspruch und seiner Bedeutung. Danach, was die Partner aneinander schätzen. Warum sie sich segnen oder trauen lassen möchten. Was sie freut: „Man spürt bei den Paaren ganz stark, dass es ihnen um den Segen geht und nicht um die große Feier.“

Die Beweggründe für die spontane Trauung sind laut Umbreit ganz unterschiedlich. Manche hätten wegen der Corona-Pandemie nie groß feiern können. Andere verzichten bewusst auf das klassische Hochzeitsfest. Wieder andere kommen Jahre oder Jahrzehnte nach ihrer Eheschließung zurück, um ihr Versprechen zu erneuern. So wie Petra und Michael. Sie haben bereits vor 25 Jahren in Neubeuern geheiratet. „Wir wollten eine Segnung für 25 Jahre Ehe“, sagt Petra. Ihr sei das sehr wichtig gewesen. „Und mein Mann ist mitgegangen“, erzählt sie und lacht. Dass das Konzept „Trauung to go“ ankommt, zeigt sich längst über Rosenheim hinaus.

Im vergangenen Jahr nahmen bayernweit rund 600 Paare an der Aktion teil – Tendenz steigend. Besonders freut Rosemarie Rother, dass das Angebot Menschen erreicht, die sich sonst vielleicht nicht für eine kirchliche Feier entschieden hätten. „Es ist ein schönes Angebot für Geschiedene, Katholiken oder Ausgetretene“, erklärt sie. „Es steht uns nicht zu, jemandem den Segen Gottes zu verweigern.“

Versprechen
nur vor Gott

Für Daniela und Alex klingt der Tag nach der Trauung bei einem gemeinsamen Essen mit der Familie aus. Der große Festsaal war nie ihr Ziel. Viel wichtiger ist für sie, dass sie ihr Versprechen nun auch vor Gott geben konnten. An einem Ort, der ihre eigene Geschichte nun mit der ihrer Familie verbindet.

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