Rosenheim – Künstliche Intelligenz, Arzneimittelzulassung oder die Frage, warum Menschen in derselben Situation völlig unterschiedlich reagieren: Themen wie diese stehen im Mittelpunkt der „Nerd Nite“ Rosenheim am kommenden Donnerstag, 9. Juli, im Makerspace „H3cke“. Das Konzept dahinter ist einfach: Menschen, die sich mit Leidenschaft einem besonderen Thema widmen, bringen ihr Wissen auf verständliche und unterhaltsame Weise auf die Bühne. Das Publikum wird dabei zum Mitdenken und Mitdiskutieren eingeladen.
Zuhören, mitdenken,
Fragen stellen
Organisatorin und Moderatorin Hanna Vogt kam auf die Idee, weil sie Formate wie „Ted Talks“ schon lange begeistern. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen einen Großteil ihrer Zeit online verbringen, sei der Vorteil der „Nerd Nite“, dass man rauskommt und auf Leute trifft, dass man zuhören, mitdenken und Fragen stellen kann, findet sie. Mit der Veranstaltung möchte Vogt Räume schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, egal ob es um Wissenschaft oder ein Hobby geht.
Dass der Begriff „Nerd“ dabei längst nichts Negatives mehr bedeutet, ist Vogt wichtig. Früher habe man vor allem Computerfreaks mit dem Begriff verbunden – sozial unbeholfene Außenseiter. Doch die Bedeutung habe sich stark verändert, findet Hanna Vogt. Heute versteht sie darunter Menschen, die sich mit besonderer Begeisterung einem Thema widmen und diese Leidenschaft auch vermitteln.
Eine Bühne für
Menschen aus der Region
Genau das ist ihr bei der Veranstaltung auch wichtig: Experten teilen ihr Wissen, ohne wissenschaftlich abgehoben zu sein. Statt komplizierter Fachvorträge erwartet das Publikum verständlich und unterhaltsam aufbereitete Inhalte.
Dass dafür nicht zwingend Professoren oder Wissenschaftler auf der Bühne stehen müssen, haben die vergangenen Veranstaltungen gezeigt. Auch Menschen, die sich privat oder ehrenamtlich intensiv mit einem Thema beschäftigen, halten spannende Vorträge. Als Beispiel nennt sie den Feuerwehrkommandanten aus Stephanskirchen, der zum Vortrag einen Spritzenaufsatz mitbrachte. „Er ist für die Bühne geboren – das war ein fantastischer Vortrag“, erinnert sie sich.
Besonders am Herzen liegt ihr außerdem, Menschen aus der Region eine Bühne zu geben. Man müsse dafür nicht nach München, Hamburg oder Berlin schauen. „Wir haben das Wissen auch hier“, betont sie. Die passenden Speaker zu finden, sei dennoch die größte Herausforderung. Als Zugezogene habe sie noch kein riesiges Netzwerk, räumt sie ein. Manche potenzielle Referenten seien zudem zurückhaltend und wollten ihr Fachgebiet nicht vor Publikum präsentieren. Inzwischen spreche sich das Format aber herum und sie bekomme auch Interessenten vermittelt.
Blick hinter die Kulissen der Arzneimittelzulassung
Bei der kommenden „Nerd Nite“ stehen drei unterschiedliche Themen auf dem Programm. Rednerin Hemma Bauer nimmt die Besucher mit hinter die Kulissen der Arzneimittelzulassung. Denn wer ein Medikament in der Apotheke kauft, weiß meist gar nicht, wie lange der Weg ins Regal war, so Bauer. Forschung, Prüfung, Zulassung – gerade hier habe die oft bemängelte Bürokratie „eine absolute Berechtigung und Notwendigkeit“, um Patienten zu schützen.
An der „Nerd Nite“ schätzt Bauer vor allem die Mischung der Themen. „Das Schöne an Initiativen wie dieser ist, dass man an einem Abend mit drei oder vier ganz unterschiedlichen Themen in Kontakt kommt, von denen man auf anderem Wege wahrscheinlich kaum gehört hätte.“
Einen Blick in die Zukunft der Kommunikation wirft am Donnerstag Paul Barbu. Er stellt sein Programm „EasyJon“ vor, einen KI-Sprachassistenten, der Texte in leichte und einfache Sprache übersetzt und so zu mehr sprachlicher Inklusion beitragen soll. Barbu sieht sich als eine Art Vermittler zwischen Technik-Enthusiasmus und grundsätzlicher KI-Skepsis.
Als dritter Speaker stellt Flo Schäffer unter der Leitfrage „Warum verhalten sich Menschen in den gleichen Situationen unterschiedlich?“ das psychologische Entwicklungsmodell der Spiral Dynamics vor.
Zwischen den Vorträgen lässt Vogt Zeit für Fragen und Diskussionen. Genau dieser Austausch sei ein wichtiger Bestandteil des Konzepts, sagt sie. Dass ihre Idee ankommt, zeige das positive Feedback – und die ersten Stammgäste, die regelmäßig dabei sind.
Vogt: „Wir Frauen
machen tolle Dinge“
Die vierte „Nerd Nite“ findet am Donnerstag, 9. Juli, um 20 Uhr in der „H3cke“ Makerspace, Herzog-Otto-Straße 8a, statt. Der Eintritt ist kostenfrei.
Wer selbst einmal ein Thema präsentieren möchte, kann sich unter rosenheim@nerdnite.com melden. Besonders freut sich Vogt über Frauen auf der Bühne: „Wir Frauen müssen uns auch darstellen. Wir machen tolle Dinge.“