Kunst ohne Grenzen: Vernissage im Rathaus

Ziel des Projekts ist die Vorbereitung der Schüler mit Beeinträchtigungen auf die größtmögliche Teilhabe in der Gesellschaft. Das Foto zeigt Projektleiterin Nadja Bernrieder (stehend rechts) mit den Kalender-Künstlern der Abschlussklasse der Philipp-Neri-Schule bei der Vernissage im Rosenheimer Rathaus. Foto Sichelschmidt

Ziel des Projekts ist die Vorbereitung der Schüler mit Beeinträchtigungen auf die größtmögliche Teilhabe in der Gesellschaft. Das Foto zeigt Projektleiterin Nadja Bernrieder (stehend rechts) mit den Kalender-Künstlern der Abschlussklasse der Philipp-Neri-Schule bei der Vernissage im Rosenheimer Rathaus. Foto Sichelschmidt

Schüler der Philipp-Neri-Schule präsentieren neuen „BehindArt“-Kalender

Rosenheim – Zwei Füße können zu einem Schmetterling werden. Vorgemacht hat das Denisa Tudor, eine der Absolventinnen des „BehindArt“-Kalender-Projekts der Philipp-Neri-Schule. Junge Menschen mit unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigungen werden in dieser Schule auf größtmögliche Teilhabe in der Gesellschaft vorbereitet. Jetzt fand im Rosenheimer Rathaus die Vernissage des Kalenders 2027 statt, zu dem die Absolventen der Abschlussklasse ihre schönsten Bilder beigesteuert haben.

Das „Get-together“ vor dem offiziellen Start wurde vor dem Rathaus musikalisch von der Trommelgruppe „Taktlos“ begleitet. Stephan Schröder hat die Gruppe vor 25 Jahren ins Leben gerufen und leitet sie bis heute.

Seit 20 Jahren
gibt es den Kalender

Zu Beginn des offiziellen Teils erinnerte Schulleiter Peter Kracker daran, dass der Kalender nun schon seit 20 Jahren erscheint – gut zu merken, denn 2006 fand die „Sommermärchen“-Fußball- WM statt. Kracker hob in seiner Begrüßung die „Grafikerin der ersten Stunde“, Jutta Stübl, hervor. Sie begleitet das Projekt bis heute.

Rosenheims Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht freute sich über einen gut besuchten Ratssaal: „So voll ist es selten.“ Sie lobte in ihrer Begrüßungsansprache die jungen Künstler: „Für die Bilder braucht man Geduld und Inspiration.“ Der Rosenheimer Kalligraf Dirk Gallasch, der dem Kalender-Projekt schon einige Jahre verbunden ist, zeichnete die Biografien von Vincent van Gogh und Frida Kahlo nach und zeigte mit deren Lebenslinien, dass Künstler sich unabhängig von Beeinträchtigungen entfalten können.

Zehn Künstler
stellen ihre Werke vor

Nun stellten die zehn Kalender-Künstler (zwei sind doppelt vertreten) ihre Werke vor: Nina Fischer, Justin F., Benjamin Hofweber, Nicholas Jakob, Jetar Janova, Elena Nitu, Chatherin Popiel, Tobias Ried, Denisa Tudor und Jacquelin Ye. Manche selbstbewusst und freudig, andere zurückhaltend und nur auf Nachfrage, aber alle von lebhaftem Beifall begleitet. Unterschiedliche Techniken sind vertreten: vor allem Wasserfarben und Acryl. Bunte Natur findet sich häufiger: eine Blumenwiese, eine Schildkröte im Meer, Winterimpressionen, aber auch ein Selbstporträt. Auch ist jeweils die Frage zu beantworten: „Willst du das Bild verkaufen?“ Hier sind die männlichen Teilnehmer eher bereit, sich von ihrem Werk zu trennen, als die weiblichen, die es oft gern noch behalten möchten.

Zum Abschluss rief Projektleiterin Nadja Bernrieder die gesamte Gruppe noch einmal zusammen, um Dank und Anerkennung auszusprechen. Die 14- bis 19-jährigen Künstler haben sich jeden Freitag getroffen, um den Kalender zu gestalten. „Dabei werden nicht nur Bilder gemalt. Die Schüler erstellen auch Scans, stimmen sich mit der Grafikerin ab und prüfen die Korrekturabzüge“, erläuterte Bernrieder. Macht das Malen den Jugendlichen Spaß? „Ja, sie machen es gerne, aber manchmal fällt es ihnen auch schwer, eine Struktur zu entwickeln – das ist halt ein künstlerischer Prozess“, erklärte die Lehrerin.

Zu kaufen ist der Kalender der Philipp-Neri-Schule dann im Herbst – und im Juni 2027 würde ein Schmetterling mit „Fuß-Flügeln“ den Betrachter erfreuen.

Karla Sichelschmidt

Montag, 13. Juli 2026
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