Neue Radwege „absolute Vollkatastrophe“
An der Ebersberger Straße, zwischen Schiller- und Burgfriedstraße, wurden neue Geh- und Radwege sowie ein Fahrradschutzstreifen geschaffen. Foto Peter Schlecker
In Rosenheim ist an der Ebersberger Straße neuer Platz für Radfahrer geschaffen worden. Die Maßnahme ging jedoch auf Kosten von Parkplätzen und sorgte für großen Unmut bei Autofahrern. Das Projekt spaltet die Gemüter und wird vor allem in den sozialen Medien heftig diskutiert.
Rosenheim – Richtig glücklich mit der Situation an der Ebersberger Straße sind die Anwohner nicht. Das zumindest zeigt ein Blick in die sozialen Medien. Auf dem städtischen Instagram-Account wurde dort vor einigen Wochen ein Video gepostet. Zu sehen ist ein Radfahrer, der auf der Ebersberger Straße entlangfährt.
„Die Radwegeführung entlang der Ebersberger Straße war seit Jahren problematisch, insbesondere gegenüber der Einmündung in den Wasserweg“, sagt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim, auf OVB-Anfrage. Eine Verbesserung sei unausweichlich gewesen.
Im Oktober 2025 wurden deshalb verschiedene Maßnahmen im Verkehrsausschuss vorgestellt, um die Situation zu verbessern. „Diese wurden im Verkehrsausschuss diskutiert und für gut befunden“, so Baab. Also wurden an der Ebersberger Straße, zwischen Schiller- und Burgfriedstraße, neue Geh- und Radwege sowie ein Fahrradschutzstreifen geschaffen. Auf der Höhe Wasserweg sorgt zudem eine neue Mittelmarkierung dafür, dass der Autoverkehr besser geführt wird und der Fahrradschutzstreifen frei bleibt. So jedenfalls die Idee. Doch bereits innerhalb weniger Tage sammelten sich unter dem Instagram-Beitrag die Kommentare.
Einige Nutzer lobten die Veränderungen und sprachen von „deutlichen Verbesserungen“. Aber es gab eben auch kritische Stimmen. „Es ist eine absolute Vollkatastrophe geworden“, schreibt Sebastian S. Die Parkplätze entlang der Straße seien weggefallen, mit der Folge, dass die Anwohner nun „kreuz und quer in den kleineren Straßen stehen würden“. Zudem sei die Straße schmaler geworden, da der Radweg auf die Straße verlegt worden sei. „Das ist aus meiner Sicht unerklärbar.“ Jetzt müssen Busse oder Lkw gezwungenermaßen den Fahrradstreifen nutzen, um nicht in den Gegenverkehr zu kommen“, schreibt er. Eva K. plädiert dafür, dass an dem Fahrradschutzstreifen Poller angebracht werden, als Abgrenzung zum Autoverkehr. „Dann würde auch niemand auf die Idee kommen, ein Fahrrad ohne den nötigen Mindestabstand zu überholen“, sagt sie. Andere Nutzer kommentieren unter dem Beitrag, dass die „Maßnahme nicht durchdacht ist“, es dadurch zu noch mehr „Konflikt- und Gefahrenpotenzial“ kommt und es ihnen graut, ihr Kind auf dieser Strecke mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen.
Die Stadtverwaltung schätzt die Situation etwas anders ein. „Nach Umsetzung der Maßnahmen gab es einen erneuten Vor-Ort-Termin mit der Stadtverwaltung und der Polizei“, sagt Christian Baab. Hier sei eine offensichtliche Verbesserung der Situation im Vergleich zu den Verhältnissen vor dem Umbau beobachtet worden.
Eine Optimierung werde es dennoch geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in den kommenden drei Wochen. „Die Mittelmarkierung wird angepasst und durch eine weiße ersetzt. Außerdem wird die Markierung verlängert, sodass Autofahrer eine bessere Orientierung für den Straßenverlauf bekommen“, erklärt der Pressesprecher.
Ähnlich äußert sich auch die Rosenheimer Polizei. Auch sie kennt die kritischen Kommentare in den sozialen Medien. Nach der farblichen Anpassung der Mittelmarkierung müsse die Situation erneut beobachtet und bewertet werden. „Im Anschluss könnten dann Folgemaßnahmen besprochen werden“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer.
Ob sich die Situation zeitnah verbessert, bleibt also abzuwarten. Gleichzeitig appelliert Pressesprecher Christian Baab aber auch an die Autofahrer. „Für den Fahrradschutzstreifen gilt: Er darf nur bei Bedarf befahren werden, beispielsweise bei Gegenverkehr. Vorrang haben aber Radfahrer und es gilt bei Überholvorgängen, den Sicherheitsabstand von 1,50 Metern einzuhalten“, sagt er. Im Zweifel müssten Autofahrer kurz warten, bevor sie Radfahrer überholen können. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den ersten Paragrafen der Straßenverkehrsordnung: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“