Rosenheim – Die gute Nachricht zuerst: In Rosenheim sollen die Kitagebühren um durchschnittlich 50 Euro pro Monat reduziert werden. Das hatte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan vor Kurzem in einem Video auf Instagram bekannt gegeben. „Derzeit kostet ein Betreuungsplatz mit neun Stunden täglich rund 590 Euro pro Monat, zuzüglich Essensgeld. Diese Belastung ist für viele Familien zu hoch“, sagt er darin.
Entlastung an
Eltern weitergeben
Parallel plant der Freistaat, die bisher direkt an Eltern ausgezahlten Leistungen stärker in die Finanzierung der Kindertagesstätten zu verlagern. „Sobald feststeht, welche Mittel den Kommunen tatsächlich zur Verfügung stehen, werden wir prüfen, wie diese Entlastung vollständig an die Eltern weitergegeben werden kann“, fügt er hinzu.
Bereits im Wahlkampf hatte Erdogan versprochen, die Kinderbetreuungskosten zu senken, jetzt wird der Plan konkreter. „Für mich ist das Thema Kinderbetreuung sehr wichtig. Es stellt sicher, dass wir gleiche Startbedingungen in unserer Gesellschaft schaffen, und die beginnen im frühkindlichen Alter“, sagt Erdogan.
Etwas weniger positiv gestaltet sich ein Blick auf die aktuellen Zahlen. Denn nach wie vor fehlt es in der Stadt Rosenheim an Kitaplätzen. Das hat eine Anfrage bei der Verwaltung ergeben. So standen Anfang Juni 46 Kinder ohne Krippenplatz da und 139 ohne Kindergartenplatz.
Insgesamt gab es in den zwei Anmeldewochen im März 1.058 Anmeldungen. 309 davon wollten einen Krippenplatz, 749 einen Kindergartenplatz. Zusagen an die Eltern wurden Ende März verschickt. Sollten die Eltern bei keiner ihrer Wunsch-Kitas eine Zusage erhalten, bleibt ihr Kind dennoch im Online-Anmeldeportal. „Jede priorisierte Kita kann jederzeit nachträglich eine Platzzusage erteilen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind“, sagt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim.
Zudem erinnert er daran, dass in den kommenden Monaten zusätzliche Plätze geschaffen werden sollen. So findet unter anderem die Aufstockung des Kinderhauses in Pang statt. Dort soll eine fünfgruppige Kita-Einrichtung mit zwei Hort- und drei Kindergartengruppen entstehen.
An der Pürstlingstraße soll zudem ein sechsgruppiges Kinderhaus gebaut werden. Platz geschaffen wird hier für zwei Krippen- und vier Kindergartengruppen. Ab September soll – wenn das Gremium zustimmt – im Pfarrheim Pang eine Hortgruppe von der Stadt betrieben werden.
Schaffung neuer Plätze
läuft auf Hochtouren
Die Schaffung von neuen Plätzen läuft also auf Hochtouren. Doch zusätzliche Plätze bringen nur dann etwas, wenn auch genügend Personal vorhanden ist. Auch hier sieht es gut aus. „Der positive Trend bei Bewerbungen lässt künftig mit noch mehr geeigneten Fachkräften rechnen“, sagt Baab.
Um Fachkräfte zu gewinnen, hat die Stadt gemeinsam mit den freien Trägern einen Imagefilm produziert, der auch weiterhin in den Stadtbussen gezeigt wird. Zudem weist Christian Baab darauf hin, dass alle Kita-Träger eigene und unterschiedliche Benefits bieten – etwa ein Jobticket, Urlaubstage außerhalb der Schließzeiten, einen Wellpass sowie einen Kita-Platz für Kinder des pädagogischen Personals. Des Weiteren gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Rosenheimer Fachakademie und der Kinderpflegeschule. „Quereinsteiger sind ausdrücklich erwünscht“, sagt Baab.
Den Vorwurf, dass sich die Stadt nicht frühzeitig um ausreichend Plätze gekümmert hat, weist er zurück. „Wir arbeiten seit Jahren am Ausbau der Kitaplätze, jedoch besteht nach wie vor ein Bedarf an Kindergartenplätzen“, sagt er. Im Krippenbereich und in der Kindertagespflege würde es noch freie Plätze geben, die kurzfristig genutzt werden können. Auch unterstützt das Amt für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung Eltern aktiv bei der Suche nach Plätzen.
Das Amt stehe außerdem im Austausch mit allen freien Trägern. „Durch Zwischen- und Interimslösungen ermöglichen die Freien Träger kurzfristig zusätzliche Plätze und tragen so wesentlich zur Entlastung der Wartelisten bei“, sagt der Pressesprecher.
Trotz allem wird es wohl nicht gelingen, jedem Kind in diesem Kita-Jahr einen Platz anzubieten. In diesem Fall haben Eltern die Möglichkeit, ihren Rechtsanspruch einzuklagen. Zehn Eltern haben bislang ihren Rechtsanspruch geltend gemacht.
Kitaplatz muss nicht in
Nähe der Wohnung liegen
Grundsätzlich gilt: Ein Betreuungsplatz muss nicht in der Nähe der Wohnung liegen. In Städten heißt das, dass Eltern ein Platz zugeteilt werden kann, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb von 30 Minuten erreichbar ist. „Wird ein zumutbarer und geeigneter Kita-Platz im Stadtgebiet von Rosenheim abgelehnt, ist der Rechtsanspruch verwirkt“, ergänzt Baab. Eltern können den Rechtsanspruch unter der E-Mail-Adresse kinderbetreuung@rosenheim.de anzeigen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass bis September 2026 in der Regel noch weitere Aufnahmen möglich sind. Ganz verzagen müssen diejenigen, die bislang noch keinen Platz haben, also noch nicht.