Eltern klagen gegen das Romed-Klinikum

von Redaktion

Nach dem Atem- und Herzstillstand des neunjährigen Finn Zettel aus Feldkirchen-Westerham haben seine Eltern Klage gegen das Romed-Klinikum Rosenheim eingereicht. Sie werfen den Medizinern folgenschwere Behandlungsfehler vor. Der Bub erlitt eine schwere Hirnschädigung und ist seither schwerstbehindert. Ein Gericht soll nun klären, ob der Vorfall vermeidbar gewesen wäre.

Feldkirchen-Westerham/ Rosenheim – Dass kein Geld der Welt ihren kleinen Buben Finni (9) wieder zu einem kerngesunden und lebenslustigen Kind machen kann, ist Finnis Eltern, Viktoria (37) und Mike Zettel (47) aus Feldkirchen-Westerham, durchaus bewusst. Was Geld aber bewirken kann? Dass Zeit seines Lebens medizinische Maßnahmen, Hilfsmittel und Betreuung, die dem schwerstbehinderten Buben sein Leben erleichtern könnten, finanziell sichergestellt sind.

Fehler sollen
aufgedeckt werden

Um das zu erreichen, haben Zettels beim Landgericht Traunstein nun Klage gegen das Romed-Klinikum Rosenheim sowie gegen eine Kinderärztin der kassenärztlichen Bereitschaftspraxis Rosenheim am Romed-Klinikum eingereicht. Diese tragen nach ihrer Auffassung die Schuld dafür, dass es bei Finni zum Kreislaufzusammenbruch gekommen war. Wobei Zettels noch einen weiteren Grund für die Klage anführen: „Uns geht es vor allem auch darum, dass Fehler schonungslos aufgedeckt werden, damit es anderen Eltern, die mit ihrem Kind ins Krankenhaus müssen, einmal besser ergeht, als uns“, sagt Viktoria Zettel.

Ein Rückblick: Weil ihr Sohn Finn, von seinen Eltern, den Brüdern und Freunden liebevoll Finni genannt, heftige Symptome eines grippalen Infekts zeigte, unter anderem immer wieder schwer Luft bekam, wurden Zettels Anfang 2024 mit dem damals Siebenjährigen im Romed-Klinikum Rosenheim vorstellig. Dort schickte man die Familie nach Angaben von Viktoria Zettel nach der Gabe von Medikamenten wieder nach Hause.

Da sich Finnis Gesundheitszustand jedoch weiter verschlechterte, brachten Zettels den Buben tagsdarauf erneut ins Klinikum und pochten dort auf eine eingehende Untersuchung ihres jüngsten Sohnes. Bevor diese allerdings abgeschlossen war, kollabierte das mittlerweile völlig erschöpfte Kind. „Finni hat plötzlich keine Luft mehr bekommen, ist blau angelaufen und hat wild gestrampelt“, schilderte die heute 37-Jährige einst gegenüber dem OVB die dramatische Entwicklung in der Notaufnahme. Der Todeskampf des Buben gipfelte nach Angaben von Viktoria Zettel in einem Atem- und Herzstillstand. Erst nach rund zehn Minuten brachten herbeigeeilte Mediziner das Herz des kleinen Buben wieder zum Schlagen.

Doch das Gehirn des Buben hatte bereits irreparable Schäden genommen, die auch durch einen monatelangen Klinikaufenthalt in der Schön-Klinik Vogtareuth nicht behoben werden konnten. So kann der heute Neunjährige weder laufen noch sprechen, muss per Magensonde ernährt werden. Mittlerweile ist Finni zwar wieder daheim bei seiner Familie in Feldkirchen-Westerham, doch an ein geregeltes Familienleben ist nicht zu denken. So machen beispielsweise ständige Schreiattacken des Neunjährigen, die für die Eltern nur schwer zu ertragen sind, da unklar ist, was dem Buben fehlt, immer wieder Aufenthalte in Krankenhäusern oder gar eine Palliativbetreuung notwendig.

Dass ihr Kind mit Pflegestufe 5 sein Leben lang rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen sein wird, legen Zettels dem Romed-Klinikum Rosenheim sowie der dort diensthabenden Ärztin zur Last. Über ihren Rechtsanwalt Alexander Sessel aus München, Fachanwalt für Medizinrecht, haben sie beim Landgericht Traunstein daher Mitte Mai Klage eingereicht. Der Vorwurf: folgenschwere Behandlungsfehler. Untermauert wird die Klageschrift, die dem OVB vorliegt, unter anderem durch ein kinderärztliches Privat-Gutachten sowie ein kinderärztliches Gutachten des Medizinischen Dienstes. Darin kritisieren die Gutachter in deutlichen Worten unter anderem die Befunde der Mediziner im Romed-Klinikum sowie den Ablauf der Untersuchungen. Klares Fazit eines der Gutachter: Hätte das medizinische Personal anders reagiert, wäre die Chance, den Kreislaufzusammenbruch des Buben zu verhindern, groß gewesen. „Wir hatten schon frühzeitig den Verdacht, dass da nicht alles richtig gelaufen ist“, erinnert sich Mama Viktoria.

Doch was sagt das Romed-Klinikum zu den Vorwürfen? „Das Schicksal des Jungen und die damit verbundenen Belastungen für seine Familie bewegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Kinderklinik ebenso wie die Geschäftsleitung und den gesamten Klinikverbund“, teilte eine Pressesprecherin der Romed-Kliniken auf OVB-Anfrage mit. „Wir bedauern die Entwicklung und die Situation der Familie sehr.“

Auf Fragen, beispielsweise zu möglichen Fehlern der Klinik in Hinblick auf Finnis Behandlung oder zur Sichtweise des Krankenhauses, wie es zum folgenschweren Kreislaufzusammenbruch des Buben gekommen war, will sich die Klinik im Vorfeld einer möglichen Gerichtsverhandlung hingegen nicht äußern.

„Die rechtliche Bewertung obliegt dem zuständigen Gericht. Die Romed-Kliniken unterstützen jederzeit bestmöglich die Justiz und werden bei der gerichtlichen Aufarbeitung umfassend mitwirken“, so die Pressesprecherin weiter. „Vor dem Hintergrund des laufenden gerichtlichen Verfahrens bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu Einzelheiten des Sachverhalts nicht äußern.“

„Vermute, das
ist kein Einzelfall“

Ob es wirklich zu einem Gerichtstermin vor dem Landgericht Traunstein kommen wird, hängt nach Angaben von Viktoria Zettel zunächst vom weiteren Verhalten des Romed-Klinikums ab. Schließlich könne das Krankenhaus auch seine Schuld eingestehen und den Forderungen nachkommen. Woran die 35-Jährige aber nicht glaubt.

Sie selbst fühlt sich jedenfalls für einen Prozess, auch wenn er sich über Jahre hinzieht, gerüstet. „Das bin ich meinem Sohn, aber auch anderen Eltern, die derartige Erfahrungen nicht machen sollen, schuldig“, sagt die Feldkirchen-Westerhamerin. „Ich vermute nämlich, dass so etwas kein Einzelfall ist, sondern immer wieder vorkommt.“

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