Rosenheim – Wie erkennt man, wenn aus Fürsorge Kontrolle wird? Wo finden Jugendliche Hilfe, wenn Grenzen überschritten werden? Und wie kann Prävention junge Menschen erreichen? Mit diesen Fragen haben sich Schülerinnen des Projekt-Seminars (P-Seminar) der elften Klasse des Karolinen-Gymnasiums beschäftigt. Das Ergebnis ist die neue Präventionskampagne „Sichtbar gegen Gewalt“, die gemeinsam mit der Fachstelle „MaVia – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ entwickelt wurde.
Ziel der Kampagne ist es, Jugendliche – insbesondere Mädchen und junge Frauen – für sexualisierte und häusliche Gewalt zu sensibilisieren, sie darin zu bestärken, eigene Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren sowie frühzeitig auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Formen von Gewalt, die im Alltag oft nicht sofort als solche erkannt werden: Kontrolle, Eifersucht, Manipulation oder Grenzüberschreitungen in digitalen Medien.
Begleitet wurde das P-Seminar über das gesamte Schuljahr von Lehrerin Simone Sager. Nach dem Besuch der Beratungs- und Präventionsstelle von „MaVia“ sowie Workshops zu den Themen „Sexualisierte Gewalt“ und „Partnerschaftsgewalt“ entwickelten die Schülerinnen eigene Informationsmaterialien. Unterstützt wurden sie dabei vom Rosenheimer Kommunikationsdesigner Niklas Hippelt-Spindler.
Entstanden sind auffällig gestaltete Plakate und Sticker, die gleichzeitig als kleine Informationsflyer dienen, sowie digitale Informationsmaterialien. Über einen QR-Code gelangen Jugendliche direkt auf eine Informationsseite des Vereins „MaVia“ unter www.mavia-ev.de/fuer-jugendliche. Dort finden sie in leicht verständlicher Sprache Informationen zu Warnsignalen, Hilfsangeboten und Ansprechpartnern.
„Jugendliche wissen selbst am besten, welche Sprache, Gestaltung und Botschaften ihre Altersgruppe erreichen. Genau deshalb war es uns wichtig, dass die Schülerinnen die Materialien federführend gestalten“, erklärt Marina Weigang, Leiterin der Fachstelle. „So ist eine Kampagne entstanden, die informiert, zum Nachdenken anregt und gleichzeitig Mut macht, sich Unterstützung zu holen.“ Die Kampagne wird künftig an zahlreichen Orten in der Stadt und im Landkreis Rosenheim sichtbar sein. Als Kooperationspartner konnten der Stadtjugendring Rosenheim, die Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Rosenheim, der Jugendtreff Logo, der Kreisjugendring, die Suchtberatung der Diakonie sowie das Rosenheimer Rathaus und das Landratsamt gewonnen werden. Darüber hinaus kommen die Materialien künftig in den rund 70 Präventionsworkshops von „MaVia“ an weiterführenden Schulen in Stadt und Landkreis zum Einsatz.
Bei der Präsentation der Kampagne wurde deutlich, wie groß die Unterstützung für das Projekt ist. Zahlreiche Netzwerkpartner und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Jugendarbeit waren vor Ort.
Mit „Sichtbar gegen Gewalt“ setzt MaVia ein deutliches Zeichen: Gewalt beginnt nicht erst mit körperlichen Übergriffen. Auch Kontrolle, Manipulation und digitale Grenzverletzungen sind Formen von Gewalt. Die Kampagne soll Jugendlichen Mut machen, genau hinzusehen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und zu wissen: Niemand muss mit Gewalt allein bleiben.
Susanne Grun