Schullandschaft im Wandel

von Redaktion

Das Rosenheimer Eisstadion ohne Dach, viele Veränderungen in der Innenstadt– die OVB-Serie „Rosenheimer Zeitsprünge“ lässt Jahre und Jahrzehnte mithilfe eines Schiebereglers verschmelzen. In Folge 22 geht es um Rosenheimer Schulen, von denen es zwei im Zentrum der Stadt nicht mehr gibt.

Rosenheim – Rosenheim war schon früh eine bedeutende Schulstadt. Viele Einrichtungen, die heute weit über die Stadt hinaus bekannt sind, haben hier ihren Ursprung oder wurden hier aufgebaut – etwa die traditionsreiche Lateinschule (heute Ignaz-Günther-Gymnasium), das Karolinen-Gymnasium, das Holztechnikum als Vorläufer der heutigen Technischen Hochschule und die beruflichen Schulen. Dadurch kommen seit Generationen Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus nach Rosenheim.

Schulen schon
seit dem Mittelalter

Schulen gab es in Rosenheim bereits im Mittelalter. Damals waren sie fast ausschließlich kirchlich organisiert. Der Unterricht fand meist an der Pfarrkirche St. Nikolaus statt. Lesen, Schreiben, Religion und etwas Rechnen standen im Mittelpunkt. Nur wenige Kinder gingen regelmäßig zur Schule. Mädchen erhielten oft gar keine oder nur eine sehr einfache Schulbildung. Laut dem Rosenheimer Stadtarchiv entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in rascher Folge eine Reihe von Schulneubauten, mit denen man dem starken Bevölkerungswachstum infolge des Bahnanschlusses Rechnung trug. Weil schon 1884 die bestehenden Schulhäuser überfüllt waren, erwarb der Magistrat unter Bürgermeister Friedrich Stoll zwei Grundstücke neben dem Mädchenschulhaus, um hier 1886/87 ein weiteres Schulhaus mit zwei Obergeschossen zu erbauen.

Als 1894 die vor dem neuen Schulhaus angelegte Straße den Namen „Stollstraße“ erhielt, bürgerte sich für das Gebäude bald die Bezeichnung „Stollschule“ ein. Im ersten Stock des Schulhauses wurden 1887/88 vier Knabenklassen unterrichtet; der zweite Stock wurde der Höheren Töchterschule zugewiesen, die erst 1908 ihren Neubau an der Ebersberger Straße bekam. Mit dem Auszug von Realschul- und Töchterschulklassen wurde die Stollschule eine ausschließliche Knabenvolksschule. 1985 wurden die Stollschule und die Heilig-Geist-Schule abgebrochen. Heute stehen dort ein großes Parkhaus und die Volkshochschule. Als Kletterobjekt war bei den Schülern der neben der Stollschule gelegene Felsenbrunnen beliebt, der 1908 vom Stadtgärtner Karl Stange an der Ecke Prinzregenten-/Stollstraße errichtet wurde.

Die Schullandschaft in Rosenheim ist für eine Stadt mit rund 67.000 Einwohnern erstaunlich groß. Das liegt daran, dass viele Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Landkreis und dem Chiemgau die weiterführenden Schulen in Rosenheim besuchen. Nach heutigem Stand gibt es ungefähr sieben Grundschulen, vier Mittelschulen, zwei Realschulen, drei Gymnasien, zwei Förderzentren/Förderschulen und dazu kommen noch Privatschulen und Berufsschulen.

Zu den staatlichen Grundschulen gehören unter anderem die Prinzregentenschule, die Grundschule Erlenau, die Astrid-Lindgren-Grundschule, die Grundschule Happing sowie Grundschulen in Aising, Fürstätt und Westerndorf St. Peter.

Zu den Mittelschulen gehören beispielsweise die Mittelschule am Luitpoldpark, die Grund- und Mittelschule Aising, die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter sowie die Schule Rosenheim-Fürstätt. Im letzten Schuljahr besuchen etwa 3.570 Schülerinnen und Schüler die Grund- und Mittelschulen in der Stadt Rosenheim.

Die beiden Realschulen Johann-Rieder-Realschule und die Städtische Realschule für Mädchen haben zusammen ungefähr 1.400 Schülerinnen und Schüler. Rund 2.800 Schülerinnen und Schüler besuchen die drei Gymnasien Karolinen-Gymnasium (circa 1.000), das Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium (circa 1.000) und das Ignaz-Günther-Gymnasium (circa 1000).

Mehrfach eine
Veränderung

Die Rosenheimer Schullandschaft hat sich mehrfach verändert. Einige kleinere Volksschulen wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren zusammengelegt. Aus den früheren Volksschulen entstanden später getrennte Grund- und Hauptschulen. Seit den 2010er-Jahren wurden die Hauptschulen in Bayern in Mittelschulen umbenannt. Manche Schulgebäude wurden aufgegeben oder zu reinen Grundschulen umgewandelt.

Interessant ist, dass die Schülerzahlen derzeit wieder steigen: Allein die Stadt Rosenheim verzeichnete zuletzt erneut einen Zuwachs an Klassen und Schülerinnen und Schülern. Ursachen sind höhere Geburtenzahlen und Zuzug. Für die nächsten Jahre rechnet Rosenheim mit mehreren hundert zusätzlichen Grundschulkindern. Deshalb werden Grundschulen zu Schulverbünden organisiert und bestehende Standorte erweitert, damit alle Kinder einen Platz erhalten.

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