„Das ist unsere Art der Meditation“

von Redaktion

Die Extremkletterer Babsi Zangerl und Jacopo Larcher kommen am kommenden Freitag zum Outdoor-Filmfestival nach Rosenheim. An den steilsten Felsen der Welt sind die beiden ein eingespieltes Team. In Rosenheim berichten sie von ihrer spektakulären Big-Wall-Route im Yosemite Valley, bei der Erfolg und Scheitern ganz nah beieinanderlagen.

Rosenheim – 34 Seillängen, mehr als 1.000 Höhenmeter und ein Schwierigkeitsgrad von bis zu 7c+: So der knappe Steckbrief der Freerider Big-Wall-Route im Yosemite Valley, Kalifornien. Im November 2024 hatten Babsi Zangerl und Jacopo Larcher hier Großes vor: Ohne auch nur einen Fehler zu machen, wollten sie die Route vom Einstieg bis zum Gipfel im Flash-Stil klettern.

Begleitet wurden die zwei dafür von einem Filmteam, das diese historische Kletterei für die Nachwelt dokumentieren sollte. Schließlich hatte das vor ihnen noch niemand geschafft. Sämtliche Routen sind die beiden an der „El-Capitan“-Felsformation schon geklettert, „aber den Freerider haben wir uns gezielt für dieses Projekt aufgehoben“, erzählt der Südtiroler Extremkletterer Larcher.

Gemischte Gefühle
am Gipfel

Am Freitag, 24. Juli, kommt das Kletterer-Duo zum Outdoor-Film-Festival nach Rosenheim. Im Gepäck haben sie einen Auszug aus der Reportage zu ihrem spektakulären Kletterabenteuer.

„Der Druck ist beim Flash schon besonders hoch“, erinnert sich Zangerl an die Tour. Sie und Kletterpartner Larcher wussten: Wenn das nicht klappt, dann können wir es auch nicht wiederholen. Die Chance ist verpasst. Denn beim Flash geht es um diesen einen, allerersten Versuch. Am Ende standen sie beide am Gipfel. Doch waren ihre Gefühle gemischt: Zangerl hatte den Flash geschafft, Larcher nicht.

Dreieinhalb Tage waren sie zuvor bis dorthin unterwegs: bepackt mit Kletterseil, Verpflegung und Biwaksack zum Übernachten an der Wand. „Das ist für mich das größte Abenteuer“, findet Zangerl: Während der Tour leben die beiden am Fels. Ihre Tage bestanden aus höchster Konzentration und Klettern, sonst nichts.

Wichtigste Voraussetzung für eine derart anspruchsvolle Tour ist blindes Vertrauen auf den Kletterpartner, hier sind sich Larcher und Zangerl einig. Beide müssen sich bei der gegenseitigen Sicherung zu 100 Prozent aufeinander verlassen können. „Wir beide kennen uns so gut wie niemand sonst“, weiß Zangerl. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein starkes Team in der Wand. „Aber es braucht auch eine große Portion Glück, vor allem beim Flash-Klettern“, so die Extremsportlerin weiter.

Eine Geschichte von
Erfolg und Niederlage

Teamwork bedeutet außerdem: Zangerl und Larcher siegen oder scheitern immer gemeinsam. So wurde auch die Freerider-Tour für beide zu einer Geschichte sowohl des Erfolges, als auch der Niederlage: Zangerl zog die Route im Flash-Stil durch, Larcher passierte zum Ende hin doch ein Fehler. Zwar hat auch er den Gipfel erreicht und die Stelle im Nachgang noch einmal gemacht und geschafft – aber einen zweiten Versuch gibt es beim Flash nicht.

Zugleich war vor Beginn der Tour der Druck deutlich größer als bei Routen, die die beiden alleine gehen: Begleitet wurden Zangerl und Larcher nämlich von einem mehrköpfigen Filmteam. Die Kameraleute dokumentierten jeden Griff aus verschiedenen Perspektiven und Entfernungen. „An der Wand ist man hoch konzentriert, da kann man das ausblenden“, weiß Larcher.

Doch vor Beginn der Tour wird einem noch einmal mehr bewusst, wie hoch die Erwartungen vieler Menschen an ihre Leistung als Extremsportler sind. Um ihr Abenteuer zu dokumentieren, wurden die beiden Kletterer von Kameraleuten an der Wand gefilmt: sowohl direkt vom Felsen aus, als auch aus der Ferne. Doch ließ sich das Duo auf der Route nicht von den Kameralinsen vor ihren Köpfen beeindrucken.

„Das ist die Kunst am Klettern, dass man alles um sich herum einfach ausblendet“, weiß Zangerl. In der Konzentration auf die Kletterroute finden sie und Larcher tiefe innere Ruhe: „Das ist unsere Art der Meditation“, ist sich das Duo einig, und beide müssen lachen: „Das ist schon verrückt, denn weder Jacopo noch ich können einfach still sitzen und meditieren“, weiß Zangerl, „aber in Bewegung, beim Klettern, funktioniert das auf einmal doch.“

Obwohl sich in beiden bei ihren großen Kletterprojekten große Anspannung breitmacht, wirken die zwei am Fels von außen betrachtet vollkommen ruhig. „Das sieht so ruhig und entspannt aus, man merkt nichts von meiner inneren Anspannung“, staunt Babsi Zangerl, wenn sie sich selbst in den Filmaufnahmen von der Freerider-Tour sieht.

„Da will jeder
Kletterer einmal hin“

Vom Klettern im Yosemite Nationalpark haben die beiden im Übrigen längst nicht genug. „Der kompakte Granit und die Rissklettereien dort sind einfach etwas ganz Besonderes“, sagt Zangerl. „Da will jeder Kletterer einmal hin.“ Im Herbst kehren die beiden deshalb wieder in ihr Kletter-Mekka nach Kalifornien zurück. Sie haben sich bereits eine neue sportliche Herausforderung gesucht, auf die sie sich gerade vorbereiten.

Beim Outdoor-Filmfestival am Freitag, 24. Juli, haben alle Bergbegeisterten und Kletterer die Chance, die beiden Extremkletterer nicht nur auf der Leinwand zu sehen, sondern auch persönlich mit ihnen über ihre große Leidenschaft zum Klettern zu sprechen.

Das ist Flash-Klettern

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