Rosenheim – Mehrere kleine Explosionen. Direkt hintereinander. „Es hat sich angehört wie laute Schläge“, sagt der Mann, der in der Rosenheimer Naabstraße wohnt, am Telefon.
Am vergangenen Dienstagmorgen wurde er von extremem Lärm aus dem obersten Stockwerk seines Mehrparteienhauses in Happing aus dem Schlaf gerissen. Gegen 5.45 Uhr muss das gewesen sein. „Ich dachte erst, dass vielleicht Böllerschützen in der Nachbarschaft unterwegs sind“, sagt der Mann. Als er einen Blick aus seinem Fenster im ersten Stockwerk riskierte, sah er bereits die Flammen, die aus zwei Fenstern der Wohnung im obersten Geschoss direkt über ihm schlugen.
Ein aufmerksamer Bürger
entdeckte die Flammen
Dort muss kurz zuvor auch das Feuer ausgebrochen sein, teilt Michael Spessa, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, mit. Ein aufmerksamer Bürger habe die Flammen entdeckt und sofort den Notruf gewählt. Als die Polizei und die Feuerwehren mit einem Großaufgebot an dem Haus in der Naabstraße eintrafen, habe ein Teil der Wohnung schon in Vollbrand gestanden. Das Feuer habe sich so ausgebreitet, dass bereits auf der Anfahrt für die Einsatzkräfte eine „weithin sichtbare schwarze Rauchsäule erkennbar war“, sagt Stadtbrandrat Hans Meyrl auf OVB-Anfrage. Der Rauch war noch kilometerweit entfernt zu erkennen.
In der Wohnung selbst waren vor allem das Wohnzimmer und ein Teil der Küche betroffen. „Der Rest der Wohnung sowie der obere Bereich des Treppenraums waren stark verraucht“, sagt Meyrl.
Weil die Flammen allerdings schon weit aus dem Fenster schlugen, bestand die „akute Gefahr“, dass sich das Feuer auf das Dach ausbreitet. Damit das nicht passiert, sicherte die Feuerwehr das Dach über eine Drehleiter gegen möglichen Flammenüberschlag. Im Inneren des Hauses machte sich ein Atemschutz-Trupp auf den Weg in die Wohnung, um den Brand trotz des dichten Rauchs so schnell wie möglich zu löschen.
Anwohner aus
dem Haus evakuiert
Der Bewohner der brennenden Wohnung habe sich zu dem Zeitpunkt schon selbst in Sicherheit bringen können, berichtet Meyrl. Er wurde mit einer Rauchgasvergiftung leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die restlichen Bewohner des Hauses brachten die Einsatzkräfte ebenfalls ins Freie. Während ein Großteil von alleine in den Innenhof lief, klopfte bei den anderen die Feuerwehr – so auch bei dem Mann im ersten Stock. „Die haben nur gerufen, dass es brennt und wir alle raus müssen. Ich konnte mir gerade noch eine lange Hose anziehen“, sagt er. Im Innenhof versammelt, hätten er und seine Nachbarn erst mal geschaut, welche Bewohner noch vermisst werden. Dabei sei aufgefallen, dass eine ältere Frau aus der Nachbarwohnung im vierten Stockwerk fehlt. Die Frau habe ihre Wohnung aufgrund des starken Rauches im Treppenhaus nicht mehr selbstständig verlassen können, bestätigt Stadtbrandrat Hans Meyrl. Über den Balkon habe die Frau mithilfe der Drehleiter schließlich gerettet werden können. Auch sie sei vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden.
Feuerwehr organisiert Bus
als Aufenthaltsmöglichkeit
Die anderen Bewohner warteten im Hof, bis die Löscharbeiten abgeschlossen waren. Damit sie nicht in der morgendlichen Kälte stehen mussten, organisierte die Feuerwehr einen Bus als Aufenthaltsmöglichkeit. „Da waren wir alle schon froh darüber, da es tatsächlich etwas kalt war“, sagt der Mann aus dem ersten Stock.
Nach geschätzt zwei Stunden konnten er und die anderen dann wieder in die Wohnungen zurückkehren. Die Brandwohnung ist laut Michael Spessa von der Polizei zurzeit nicht mehr bewohnbar. Warum es in der Wohnung zu brennen anfing, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. „Hinweise auf ein Brandstiftungsdelikt ergaben sich nach bisherigem Ermittlungsstand nicht“, betont Spessa.
Inzwischen haben die Brandermittler der Kriminalpolizei Rosenheim, unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, die weiteren Untersuchungen übernommen. Der Sachschaden liegt nach ersten Erkenntnissen im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Mehrere Einsätze für die
Feuerwehr gleichzeitig
Der Polizist lobt das rasche Eingreifen der Feuerwehr. Dadurch habe eine Ausbreitung der Flammen verhindert werden können. Und das, obwohl die Rosenheimer Feuerwehr am Dienstagmorgen gleich an mehreren Stellen gefordert war. „Während des Einsatzes in der Naabstraße wurde die Freiwillige Feuerwehr Rosenheim zu vier weiteren Einsätzen alarmiert“, teilt Stadtbrandrat Hans Meyrl mit. Unter anderem ging im Nachbarhaus der Feuermelder los, weil sich in einer Wohnung starker Rauch wegen eines verbrannten Essens auf dem Herd ausbreitete.
Inzwischen hat sich aber auch in der Naabstraße die Aufregung wieder gelegt. Nachdem die Feuerwehr die Dachverkleidung geöffnet hatte, um Glutnester auszuschließen, sei die Einsatzstelle der Polizei übergeben worden. „Im Moment riecht es nur noch stark nach Rauch, da die verbrannten Sachen wie das Sofa und Stühle aus der Wohnung im Hof liegen“, sagt der Mann aus der Naabstraße. Im Treppenhaus seien noch überall die Spuren der Feuerwehrleute zu sehen. Bei einem ist sich der Anwohner aber sicher: „Der Brand hat schon ein komisches Gefühl hinterlassen.“