Kunstprojekt belebt Leerstand in Rosenheim

von Redaktion

In Rosenheim wird die Initiative foyer.art im August leer stehende Räume in der Dr.-Steinbeißer-Straße nutzen. Geplant ist eine temporäre Kunstausstellung, die vier Wochen lang als Treffpunkt für Kunst und Begegnung dienen soll. Die Stadt fördert das Projekt zur Belebung des Leerstands.

Rosenheim – Leerstand gehört inzwischen in Rosenheim zum Stadtbild. Wo früher Geschäfte existierten, stehen heute Flächen leer. Doch was kann man dagegen tun? Cécile Pierrot hat da eine Idee. Und deshalb werden Räumlichkeiten in der Dr.-Steinbeißer-Straße in Rosenheim jetzt umfunktioniert. Zumindest für vier Wochen im August.

Ein besonderer
Treffpunkt

„Dort ist nun eine temporäre Kunstausstellung geplant“, verrät Pierrot im Gespräch mit dem OVB. Diese soll den leer stehenden Ort für einen Monat in einen Treffpunkt für Kunst, Musik und Begegnung verwandeln. Initiiert wurde das von der Initiative foyer.art, die Pierrot ins Leben gerufen hat. Die 51-Jährige ist eigentlich Fotografin, war aber schon immer kunst- und kulturbegeistert, wie sie selbst sagt. Mithilfe von foyer.art sollen leer stehende Gebäude mit Kunst und Kultur belebt werden. Die Initiative wird außerdem von der Stadt gefördert.

„Seinen Ursprung hat foyer.art in der Wittelsbacherstraße“, erzählt Pierrot. Dort bespielte die Initiative die leer stehenden Räume einer ehemaligen Bankfiliale. „So schaffen wir lebendige Kulturorte mitten in der Stadt“, so die gebürtige Französin. Die Initiative verstehe sich als Plattform für Vernetzung und die lokale Kulturszene und wolle Raum für Experimente schaffen. Das Ganze soll so niederschwellig wie möglich sein. „Wir wollen möglichst viele Menschen, die sich sonst vielleicht nicht unbedingt in eine Galerie trauen, abholen.“

Für die Kunstausstellung hat die Initiative drei Künstlerinnen mit regionalem Bezug ausgewählt, die nun wiederum drei weitere Künstlerinnen vorgeschlagen haben, die ebenfalls ausstellen. „Es wird Videoinstallation, Malerei, Zeichnungen und mehr zu sehen geben“, verrät Pierrot. Aktuell laufen die Vorbereitungen zwar auf Hochtouren und die auszustellenden Kunstwerke sind ausgewählt, die Räume sind allerdings noch leer.

„Der Vertrag für die Leerstandsnutzung beginnt am 1. August und endet am 31.“, erklärt die 51-Jährige. Ab dem 1. August werden die Ausstellungsstücke angeliefert. Die Tage danach wird das Team um Pierrot mit dem Aufbauen beschäftigt sein. Doch schon jetzt ist die Initiative mit den Eigentümern in Kontakt. „Wir treffen uns regelmäßig in den Räumlichkeiten“, so Pierrot.

Die gehören eigentlich Anne Koch und Christopher Hagl und wurden von der Zweiradwerke Vertriebs GmbH für Motorradverkauf und Service genutzt. Da sich das Unternehmen auf den Bereich Fahrrad verkleinerte, stehen die Räume bereits länger leer. „Wir sind nun schon seit über einem Jahr aktiv auf der Suche nach einem langfristigen Mieter“, sagt Christopher Hagl auf OVB-Anfrage. Bisher habe sich allerdings noch nichts Festes ergeben für die Räumlichkeiten in der Dr.-Steinbeißer-Straße.

Hagl vermutet, dass das an der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage sowie einer spürbaren Zurückhaltung bei Investitionen und Kreativität in der Region liegt. „Über die Idee von Pop-up-Flächen und den Tipp einer Studentin der TH Rosenheim kam ich schließlich mit dem City-Management Rosenheim und Frau Cécile Pierrot in Kontakt“, erklärt der Inhaber. Vom Konzept von foyer.art seien er und seine Lebensgefährtin sofort begeistert gewesen.

„Da wir der Überzeugung sind, dass Leerstand ungenutztes Potenzial bedeutet, möchten wir die Zeit sinnvoll überbrücken“, betont Hagl. Für ihn und Anne Koch sei es besonders wichtig, dass eine Stadt lebendig bleibe. Damit Rosenheim seinen Charme ausstrahlen kann, braucht es in seinen Augen eine entsprechende Dynamik. „Dazu gehört ganz entscheidend, dass leer stehende Flächen und Gebäude gemeinschaftlich und sinnvoll belebt werden.“ Kunst und Kultur seien dafür der perfekte Katalysator.

Deshalb bekommt foyer.art nun einen Platz im Stadtteil Schwaig. Langfristig haben Anne Koch und Christopher Hagl zwar das Ziel, das Gebäude dauerhaft zu vermieten. „Solange dies jedoch noch nicht realisiert ist, sind wir sehr offen für Kurzzeitmieten und Pop-up-Events wie dieses“, so Hagl.

Kreative
Begegnungsräume

Gut für Cécile Pierrot und ihr Team. „Es gibt sonst einfach wenig Raum für uns“, sagt sie. Diese Zwischennutzung der leer stehenden Räumlichkeiten sei deshalb eine Bereicherung für Rosenheim. „Es entstehen soziale und kreative Begegnungsräume statt eines schwarzen Lochs“, betont Pierrot. Die Fotografin glaubt, dass so auch das Umfeld belebt und sogar die Nachbarschaft gestärkt werden kann. Auch der Einzelhandel könne davon profitieren.

Deshalb wünscht sich Pierrot, dass auch in Zukunft der Leerstand häufiger genutzt wird. „Ich hoffe, dass wir auch zukünftige Eigentümer davon überzeugen können, dass wir achtsam mit ihren Räumen umgehen und ihnen durch Kunst, Gemeinschaft und Vernetzung mehr Sichtbarkeit verleihen“, betont die 51-Jährige. Man übergebe die Räumlichkeiten sogar meist in einem schöneren Zustand. Bevor es so weit ist, muss die Fläche in der Dr.-Steinbeißer-Straße jetzt aber erst einmal eingerichtet werden. Pierrot freut sich schon darauf, wenn in wenigen Wochen die Kunst den leeren Räumen ein wenig Leben einhaucht.

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