Neue Ansätze nach Einbruch bei Juwelier

von Redaktion

Drei maskierte Täter sind am Montag, 27. Juli, gegen 4 Uhr mit einem Auto in ein Rosenheimer Juweliergeschäft gefahren. Sie erbeuteten Schmuck im Wert von 30.000 bis 40.000 Euro und flüchteten. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gegründet. Eine Zeugin beobachtete die Flucht.

Rosenheim – Von Angesicht zu Angesicht. Mit den Tätern eines der spektakulärsten Verbrechen in Rosenheim der jüngeren Vergangenheit. „Wir waren im ersten Moment alle ein bisschen erschrocken“, sagt die Frau aus Rosenheim und lacht. Die Zeitungsausträgerin wollte sich am Montagmorgen (27. Juli) gerade auf den Weg zu ihrer Tour machen, als sie gegen 4 Uhr ein „lautes Scheppern“ aus der „kleinen“ Fußgängerzone hörte. „Ich bin da gerade aus dem Riedergarten gekommen und dachte erst, dass vielleicht jemand Gas und Bremse verwechselt hat und nach dem Unfall Hilfe braucht“, sagt sie.

Täter weiterhin
auf der Flucht

Als sie mit dem Fahrrad in Richtung Münchener Straße fuhr, sei es ihr spanisch vorgekommen, dass um die Uhrzeit eine schwarze Audi-Limousine im Bereich der Rathausstraße/Prinzregentenstraße auffällig positioniert war. Als die Frau ums Eck in die Fußgängerzone bog, stand ein silberner VW Golf vor einem Juweliergeschäft. Mit diesem waren drei bislang unbekannte, mit Sturmhauben maskierte Täter in den Eingangsbereich gefahren – um in den Laden einzusteigen, Waren im Wert von 30.000 bis 40.000 Euro zu stehlen und mit dem Audi zu fliehen. Die Polizei sprach von einem „Blitzeinbruch“.

Dabei sind die Einbrecher mehr oder weniger der Frau aus Rosenheim in die Hände gelaufen. „Als ich auf Höhe des Golfs war, sind sie gerade aus dem Juwelierladen herausgekommen und an mir vorbeigesprintet“, sagt die Frau. Sie habe ihnen mehr oder weniger direkt in die Augen blicken können. Anstalten, ihr etwas zu tun, hätten die Täter aber nicht gemacht. „Ich war wie Luft für sie, die wollten einfach nur weg“, sagt die Zeitungsausträgerin.

Viele Hinweise
aus der Bevölkerung

Kurz habe sie überlegt, sich den Einbrechern in den Weg zu stellen. „Aber man weiß ja nicht, was dann passiert. Hätte ich einen Besenstiel dabei gehabt, wäre es vielleicht anders gewesen“, sagt sie. Den Notruf habe sie aber sofort gewählt. Danach habe sie sich vom Tatort ein wenig zurückgezogen – „um nichts zu berühren und andere Spuren zu hinterlassen, das weiß man ja aus Krimis“, betont sie und lacht.

Die Täter hingegen sind nach wie vor auf der Flucht. Trotz großangelegter Fahndung mit Hubschrauber und Spürhunden. Selbst die Polizei in Österreich wurde informiert, falls die Einbrecher über die Grenze wollten. „Wir haben jetzt auch die Ermittlungsgruppe ‚Blitz‘ ins Leben gerufen“, sagt Michael Spessa, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Die Polizisten der Gruppe sollen jetzt so schnell wie möglich eine heiße Spur finden, die zur Festnahme der Einbrecher führt.

Dabei gebe es bereits auch einige gute Ansatzpunkte. „Es sind sehr, sehr viele Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen“, betont Spessa. Einige davon seien auch durchaus brauchbar. „Das ist sehr erfreulich und ermöglicht uns, einige Ermittlungsansätze zu verfolgen“, sagt der Pressesprecher. Um „jedem Hinweis und jeder Spur davon genau nachzugehen“, wurde nun eben die Ermittlungsgruppe gegründet. „Die Kriminalpolizei ermittelt mit Hochdruck“, macht Spessa deutlich.

Schnelligkeit führt
zu möglichen Spuren

Nach wie vor wertet die Polizei auch die Spuren aus dem VW Golf und dem Juwelierladen aus. „Die Chance, konkrete Spuren zu finden, ist in solchen Fällen groß, in denen es den Tätern auf die Schnelligkeit ankommt“, erklärt der Pressesprecher. In der Hektik und mit der Gefahr im Rücken, entdeckt zu werden, könnten die Einbrecher unvorsichtig gewesen sein und irgendwo DNA-Spuren oder andere Hinweise hinterlassen haben.

Genauso werden mögliche Zusammenhänge mit anderen Einbrüchen überprüft – zum Beispiel mit einem Vorfall aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Der Fall erinnert stark an den Einbruch in der Rosenheimer Fußgängerzone: Dort fuhren unbekannte Täter am 23. Juli ebenfalls mit einem Auto in ein Schaufenster eines Juweliergeschäfts, stiegen ein und flüchteten mit ihrer Beute mit einem anderen Fahrzeug. Wie die Polizei in der Oberpfalz mitteilt, waren beide Autos wohl gestohlen.

Aufregendes
Ereignis für die Zeugin

Das Vorgehen bei Einbrüchen sei allerdings nicht neu, sagt Michael Spessa. „Es gibt immer wieder Fälle, bei denen es den Modus operandi gibt, dass Täter erst ins Geschäft hineinfahren, Beute machen und mit PS-starken Fahrzeugen flüchten“, sagt der Polizist. Deshalb werde sich mit allen Dienststellen, in denen es vergleichbare Vorfälle gab, intensiv ausgetauscht und Ermittlungsansätze verglichen. Da die Einbrecher auch höchst professionell vorgegangen sind, seien auch „reisende Tätergruppen“ nicht ausgeschlossen. Eines kann Michael Spessa aber versichern: „Wir sind mit allen verfügbaren Kollegen dabei, den Tätern so schnell wie möglich habhaft zu werden.“ Hinweise nehme die Polizei weiterhin an.

So wie zum Beispiel von der Zeitungsausträgerin. Nach den ganzen Zeugenaussagen habe sie ihre Runde zu Ende gefahren und alle Zeitungen ausgetragen. „Die Zeitungen kamen an dem Tag aber ein bisschen später“, sagt die Frau und lacht. Ein wenig aufgewühlt sei sie nach ihrem Erlebnis schon gewesen.

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