Rosenheim – Die ganze Region befindet sich gerade wieder in einer Hitzeperiode. „Wir erleben derzeit eine Hitzewelle, die uns an die Grenzen unserer Belastbarkeit bringt und nicht nur die Natur, sondern auch unsere Gesundheit massiv fordert“, erzählt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim. Für viele kommt als Lösung nur eine Klimaanlage infrage. Die Verkaufszahlen in der Region bestätigen das. So beurteilt eine Mitarbeiterin des Unternehmens Otto Stelzl Kälte- und Klimaanlagen die Nachfrage als „sehr hoch aktuell“. In den vergangenen Jahren habe es auch einen leichten Anstieg bei den Verkäufen gegeben. Die Anschaffung ist aber mit einigen Fragen verbunden.
„Baumarktgeräte“
sind sofort einsetzbar
Bei Klimaanlagen lässt sich zwischen zwei wesentlichen Modellen unterscheiden, wie Thomas Bugert, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern, erklärt. Zum einen gibt es die „Baumarktgeräte“ – Geräte ohne feste Installation und sofort einsetzbar. Die mobilen Klimaanlagen, die als Monoblock-Klimageräte bezeichnet werden, bestehen aus einem Gerät, das im Inneren des Hauses steht, und einem Schlauch, der durch das Fenster nach draußen führt. Zwar sei diese Möglichkeit in der Anschaffung mit 250 bis 700 Euro kostengünstig, doch der Stromverbrauch sei verhältnismäßig hoch. Bugert schätzt die Kosten pro Tag auf 4 Euro. Hinzu käme eine hohe Lärmbelastung und durch einen Unterdruck im Raum würde zudem warme Luft auch wieder nach drinnen gelangen.
Die Nachfrage nach diesen mobilen Geräten ist dennoch enorm. Auf Anfrage bei der Elektrofachmarktkette Media-Markt-Saturn wird von einer „angespannten Situation“ bei den Anlagen in den Media-Markt-Filialen gesprochen. „Für die laufende Sommersaison werden wir nach aktuellem Stand keine Nachlieferungen mehr für unsere Märkte erhalten“, erzählt eine Sprecherin des Unternehmens. Man könne über den Online-Marktplatz noch eine Auswahl finden.
„Wir empfehlen, sich frühzeitig über die Verfügbarkeit in ihrem Markt oder online zu informieren“, führt sie weiter aus. Auf der Webseite des Elektromarktes kann man auch die Verfügbarkeit einzelner Produkte für den Standort Rosenheim überprüfen. Hier kann man sich informieren, ob eine Marktabholung in Rosenheim oder eine Lieferung nach Hause möglich ist oder ob die Anlage bereits ausverkauft ist. Die bereits begrenzte Verfügbarkeit der Geräte für Rosenheim zeigt das große Interesse bei den Kundinnen und Kunden.
Alternativen sind teuer,
aber energieeffizient
Die andere Möglichkeit ist ein sogenanntes Split-Klimagerät. Bei mehreren Räumen, die gekühlt werden sollen, spricht man von einem Multi-Split-Gerät. „Ein Innengerät kühlt den Raum. Das Außengerät gibt die Wärme an die Umgebung ab“, erklärt Thomas Bugert. Für die Installation sei eine Firma nötig. Die Probleme, die bei einer Monoblock-Anlage auftreten, gäbe es hier nicht. So liegt der Stromverbrauch laut der Verbraucherzentrale nur etwa bei der Hälfte, die Lärmbelästigung entfällt und auch die Auswirkungen des Unterdrucks gibt es aufgrund der Bauweise bei diesen Anlagen nicht. Allerdings sind diese Modelle teuer. Die Kosten für die Anlage selbst schätzt der Energiebeauftragte auf 800 bis 2.000 Euro. Dazu komme noch die Montage mit 1.000 bis 2.000 Euro.
Trotz der hohen Kosten von insgesamt bis zu 4.000 Euro sind die festinstallierten Geräte in Rosenheim und Umgebung auch sehr gefragt. Firmen, die sich auf Klimatechnik spezialisiert haben, haben besonders in den Sommermonaten eine hohe Nachfrage, wie das Unternehmen Otto Stelzl Kälte- und Klimaanlagen berichtet. Eine Mitarbeiterin erzählt, dass die meisten Kunden erst bei akuter Hitze eine Klimaanlage bestellen. Das führe zu der aktuell hohen Nachfrage. Wer sich jetzt für eine Klimaanlage entscheide, müsse womöglich bis zum Winter mit der Installation warten. Bereits im Winter festinstallierte Klimageräte zu bestellen, ist demnach eine sinnvolle Idee, aber die Mitarbeiterin spricht von deutlich weniger Verkäufen in dieser Jahreszeit.
Was Thomas Bugert den Kunden auch nahelegt: „Alle Geräte sollten regelmäßig geprüft, gereinigt und gewartet werden“, führt Thomas Bugert weiter an. Der Energieberater rät hierbei zu einer jährlichen Kontrolle. Einfache Reinigungen lassen sich laut ihm auch selbst durchführen. Bei Multi-Split-Anlagen sollte Fachpersonal hinzugezogen werden. Auch wenn dies zusätzliche Kosten verursache, sei es notwendig, da sich Staub oder Schmutz in der Anlage absetzen könne. Diese Wartungen sind auch aus gesundheitlicher Sicht vernünftig. Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim, warnt vor „gesundheitlichen Risiken“, die bei einer „unsachgemäßen“ Nutzung auftreten könnten.
Entfällt eine regelmäßige Reinigung, können sich aufgrund des „feuchtwarmen Milieus“ der Anlage Keime bilden. „Bakterien, Schimmelpilze und Allergene können sich in den Filtern und Leitungen ansammeln und bei Betrieb über den Luftstrom direkt in die Atemwege der Bewohner gelangen. Dies kann zu Atemwegsinfektionen, allergischen Reaktionen oder einer Verschlimmerung von Asthma führen“, erklärt Dr. Wolfgang Hierl.
Gefahren für Gesundheit
und die Umwelt
Eine weitere gesundheitliche Herausforderung bei Klimaanlagen sei laut dem Gesundheitsamt Rosenheim eine lang anhaltende Nutzung. „Ein Betrieb der Geräte über die gesamte Nacht kann zu einer übermäßigen Austrocknung der Schleimhäute führen, was die natürliche Barriere gegen Viren und Bakterien schwächt“, heißt es in der Antwort. Auch ein großer Unterschied zwischen den Temperaturen der gekühlten Innenräume und den hohen Außentemperaturen kann sich negativ auf den Körper auswirken. Es können beispielsweise Verspannungen oder Erkältungssymptome auftreten.
Gibt es aber auch Auswirkungen auf die Umwelt? Immer wieder hört man, dass die Anlagen klimaschädlich sind. „Städte heizen noch mehr auf als Gebäude im ländlichen Bereich“, erzählt Thomas Bugert. Auch nachts findet hier keine Abkühlung statt, was an der fehlenden Begrünung in Städten liegt. Warme Luft der Klimageräte, die nach außen transportiert wird, verstärkt diese Erwärmung. Gleichzeitig gehe der Stromverbrauch nach oben, was ebenfalls eine Belastung für das Klima sei. Besitzer von PV-Anlagen könnten aber zumindest den hohen Stromverbrauch ausgleichen, meint der Energieberater der Verbraucherzentrale. Besonders im Sommer, wenn die Klimaanlagen am meisten zum Einsatz kommen, könne durch PV-Anlagen viel Strom generiert werden. Das macht Klimaanlagen zur etwas nachhaltigeren und günstigeren Lösung.
Thomas Bugert aber betont, dass es immer ein „Abwägen von Gesundheit und Stromkosten“ sei. „Klimaanlagen werden insbesondere für ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich belastete Personen unausweichlich“, erklärt der Energieberater. Für diese Personengruppen entstehe durch die extreme Hitze ein Risiko und die Gesundheit gehe hier vor. Das bestätigt auch Dr. Wolfgang Hierl. Das Gesundheitsamt führt konkret „Senioren, Menschen mit chronischen Vorerkrankungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes), Schwangere sowie Säuglinge und Kleinkinder“ auf. Diese Personengruppen seien besonders von der Gefahr eines Hitzschlags oder einer Dehydratation betroffen. Für sie könne „ein kühler Rückzugsort lebensnotwendig sein“. Dr. Wolfgang Hierl hält Klimageräte dafür als sinnvoll. „Klimaanlagen sind eine sehr effektive Methode, um die Raumtemperatur schnell und gezielt zu senken und so einen kühlen Rückzugsort zu schaffen“, beurteilt er.
Der Energiebeauftragte der Verbraucherzentrale kommt zu dem Urteil, dass ein Klimagerät für ältere Häuser nützlich ist. Neubauten seien meist mit einer Wärmedämmung ausgestattet und dadurch nicht so sehr von Hitzestau in den Räumen betroffen. Vor allem Bewohner in dicht bebauten Städten und Dachgeschosswohnungen haben mit extremen Temperaturen zu kämpfen. Gerade für diese Personen sei laut Thomas Bugert eine Klimaanlage eine sinnvolle Anschaffung. „Immer besser als in der 35-Grad-Dachgeschosswohnung“, beurteilt er Herausforderungen bei Klimageräten.
Es gibt auch Tricks, die
wenig bis nichts kosten
Jeder kann aber auch zu einfachen und günstigen Tricks greifen. Bugert erzählt, dass bekannte Techniken wie in der Früh und abends lüften und tagsüber die Fenster geschlossen halten, bereits helfen. Auch das Gesundheitsamt rät zu diesen einfachen Mitteln. Verschattung durch Rollläden und Markisen und die Nutzung von Ventilatoren zählen ebenfalls dazu. Zusätzlich sei laut Thomas Bugert eine Begrünung und Verschattung durch Bäume und Büsche am und um das Haus herum hilfreich. Besonders diese Maßnahme ist eine langfristig effektive und nachhaltige Lösung. Doch für Häuser ohne Wärmeschutz fällt das Urteil von Thomas Bugert zu Klimaanlagen eindeutig aus: „Es wird in Zukunft kein Weg daran vorbeiführen.“