Rosenheim – Nein, ganz neu erfunden haben Rosemarie und Bernd Rother die Ökumene in Rosenheim nicht. Sie konnten auf einem bestehenden Fundament aufbauen. Aber vorangebracht und weiter gestärkt hat das evangelische Pfarrersehepaar das Zusammenleben aller Kirchen in der Stadt sehr wohl. So sehr, dass sich der Dank dafür quasi wie ein roter Faden durch alle Redebeiträge zog, die unlängst bei ihrer offiziellen Verabschiedung in der Erlöserkirche zu hören waren.
Dank kam
von Herzen
Und dabei war deutlich zu spüren, dass es sich dabei nicht um schöne und wohlfeile Äußerungen handelt, freundliche Worte, wie man sie halt bei Verabschiedungen so sagt. Der Dank für diesen Einsatz für die Ökumene kam spürbar aus ganzem Herzen, gleichermaßen bei Katholiken, Methodisten, Altkatholiken oder Orthodoxen: Die Worte von Dekan Thomas Schlichting, Pastor Simon Kurfess, Pfarrer André Golob und Priester Dejan Ristic zeigten es deutlich.
Auch Rosemarie und Bernd Rother selbst brachten in ihrer gemeinsamen Abschiedspredigt noch einmal auf den Punkt, was ihrer Auffassung nach ernst gemeinte Ökumene bedeuten kann, bedeuten soll: „Wir denken an den gemeinsamen Austausch, auch an das Ausloten ökumenischer Grenzen, wie weit man gehen kann. Sehr weit, haben wir immer wieder festgestellt.“ Und klar wird an diesem Satz, dass das Stärken des ökumenischen Gedankens immer auch ein Glücksfall ist, weil es voraussetzt, dass von allen Seiten Menschen aufeinandertreffen, die sich in diesem Ziel auf einer gemeinsamen Ebene sehen. Rosemarie und Bernd Rother haben das an diesem Abschiedstag immer wieder dankbar betont. Wobei mit den Menschen, die hier angesprochen sind, keinesfalls nur jene der „Leitungsebenen“ gemeint sind, sondern vor allem auch die, die in allen Kirchen als Angestellte oder durch ehrenamtlichen Dienst unterstützen und helfen.
Für Rosemarie und Bernd Rother waren sie nie welche, die halt auch da sind, sondern immer jene, ohne die „der Laden“ samt den ökumenischen Bemühungen überhaupt nicht am Laufen zu halten gewesen wäre. So wäre ohne tätige Mithilfe vieles von dem, was die beiden neu ausprobierten, von vornherein nicht möglich gewesen. Zum Beispiel die neuen Segensformate wie Tauffest, „Trauung to go“, Abendstern, „Jazz and Blessing“, Babysegen, Tiersegen. Dies gilt auch für alle nicht unmittelbar kirchlichen Aktivitäten der beiden, das Bemühen um Kunst und Kultur etwa, das auch in der Arbeit im Evangelischen Bildungswerk, später der Dietrich-Bonhoeffer-Akademie, seinen Niederschlag fand.
Rosemarie und Bernd Rother sehen die Kirchen, sahen vor allem auch die evangelische Kirche in Rosenheim „ganz bewusst als Teil der Stadtgesellschaft“. Doch auch hier gilt es wieder zu betonen: All diese Angebote waren nie allein für evangelische Christen, sozusagen die „eigene“ Klientel gedacht. Sondern es waren immer Angebote an alle Menschen, getreu einer Grundüberzeugung von Rosemarie und Bernd Rother: „Rausgehen. Auf die Menschen zugehen. Nicht erwarten, dass alle von selbst zu einem kommen.“ Und auch das Ziel dieses „auf die Menschen Zugehens“ wurde von den beiden klar benannt: „Herzliche und fröhliche Orte und Begegnungen zu schaffen, die den Menschen guttun.“ Denn das Verlangen nach solchen heilsamen Momenten, die zu Erfahrungen von Sicherheit und Geborgenheit werden können, ist gerade in unserer heutigen Zeit sehr groß – davon sind Rosemarie und Bernd Rother überzeugt.
Festzustellen, dass es ein großes Herz voraussetzt, dieses Anliegen dauerhaft zu verfolgen, ist sicher keine Übertreibung. Dies soll an einem konkreten Beispiel festgemacht werden: der Tatsache, dass den beiden das ökumenische Bemühen um würdige Sozialbestattungen sehr am Herzen lag. Damit sind die Bestattungen jener gemeint, um die kein einziger Angehöriger mehr trauert und die in früheren Jahren, man muss es so böse formulieren, nicht zu Grabe getragen, sondern eher verscharrt wurden. Rosemarie und Bernd Rother war es zusammen mit Hannelore Maurer von der katholischen Kirche ein Anliegen, sie auf ihrem allerletzten Weg in Würde zu begleiten – aus Achtung vor dem Menschen, dem zu Begrabenden, aber auch allen anderen. „Wir waren bei diesen Beerdigungen selten ganz allein“, sagt Rosemarie Rother, „meist waren andere Gläubige dabei und damit die Sicherheit, dass die Achtung vor dem Leben und dem Menschen immer jemand finden wird, der sie weiterträgt.“
Frohbotschaft
vorgelebt
18 Jahre lang haben Rosemarie und Bernd Rother hier in Rosenheim gewirkt, 14 Jahre in Stephanskirchen und in der Erwachsenenbildung. Immer im Bemühen, Glauben als tatsächliche Frohbotschaft vorzuleben, was für beide eigentlich nur im ökumenischen Gedanken so richtig möglich ist. In 18 Jahren wird der Mensch vom Säugling zum volljährigen Erwachsenen. Und man kann feststellen: Die beiden haben in diesen 18 Jahren mit dazu beigetragen, dass auch die Ökumene in Rosenheim in gewissem Sinn erwachsen geworden ist – als ein Bestreben, das stark und kräftig genug ist, um seinen weiteren Weg zu gehen. Dennoch ist ihr Wechsel nach Kirchheim bei München, wie an dem Verabschiedungsnachmittag immer wieder zu hören war, ein Verlust für Rosenheim, ein Gewinn aber für die dortige Gemeinde. Das betonte auch Dekanin Dagmar Häfner-Becker, als sie die beiden zum Abschied und für ihren weiteren Lebensweg segnete.