„Das gibt’s nur einmal, kommt das wieder?“

von Redaktion

Exklusiv Rosenheimer Manfred Stecher und seine Munich Harmonists zwischen bangen Stunden und dem Triumph in New York

Rosenheim Es ist Dienstag. In wenigen Tagen soll das Flugzeug nach New York starten. Die Presse in New York ist informiert, die Konzerte angekündigt, Eintrittskarten verkauft. Für die Sänger von The Munich Harmonists steht eine Reise bevor, auf die sie seit Monaten hinarbeiten: ein Auftritt in der weltberühmten Carnegie Hall. Doch noch weiß niemand, ob die Reise überhaupt stattfinden kann. Die erforderlichen Genehmigungen liegen noch immer nicht vor.

Monatelang hatten die Mitglieder von The Munich Harmonists auf die notwendigen Dokumente gewartet. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, die Konzertreise war lange geplant, erhebliche organisatorische Aufwendungen waren bereits entstanden. Während in den USA bereits alles auf die Ankunft der Künstler vorbereitet war, rückte der Abflugtermin unaufhaltsam näher.

Mit jedem Tag
steigt die Anspannung

Eine Absage hätte ein internationales Kulturprojekt in letzter Minute scheitern lassen. Monate der Vorbereitung, zahlreiche Absprachen auf beiden Seiten des Atlantiks und die Chance auf einen Auftritt in einer der berühmtesten Konzerthallen der Welt standen plötzlich auf dem Spiel.

Doch die Sänger gaben nicht auf. Hinter den Kulissen setzten die Verantwortlichen alle Hebel in Bewegung. Die Situation wurde auf höchster politischer Ebene aufgegriffen, Gespräche geführt und nach Lösungen gesucht.

Dann, nur zwei Tage vor dem Abflug, kam die erlösende Nachricht.

Sowohl die zuständigen US-Behörden als auch das Bundesministerium des Innern erkannten die Tragweite der Situation. In enger Zusammenarbeit mit Washington und der US-Botschaft wurde schließlich eine Lösung gefunden: Für die Mitglieder von The Munich Harmonists wurden persönliche Voucher ausgestellt, die die Einreise in die USA und damit die Durchführung der bereits geplanten Konzerte ermöglichten.

Nach Wochen der Unsicherheit konnte die Vorbereitung endlich einem Gefühl weichen, das viele schon kaum noch erwartet hatten: Vorfreude.

Wenige Tage später landeten die Sänger in New York – und wurden von einer Gastfreundschaft empfangen, die sie tief beeindruckte. Für die Dauer ihres Aufenthalts wohnten die Künstler in Hoboken, New Jersey, direkt gegenüber von Manhattan. Bereits am ersten Abend erfuhren sie, dass ihr großes musikalisches Vorbild Frank Sinatra hier geboren wurde und viele Jahre seines Lebens dort verbracht hatte. Ein schöner Zufall – und vielleicht ein gutes Omen.

Die erste Probe fand im America’s National Opera Center statt. Noch waren die Strapazen der vergangenen Monate spürbar. Doch mit jedem Ton wich die Anspannung ein wenig mehr. Die Freude auf das bevorstehende Konzert rückte in den Vordergrund.

Dann kam der große Tag. Für Musiker in aller Welt ist die Carnegie Hall weit mehr als ein Konzertsaal. Sie ist ein Mythos. Ein Ort, an dem Musikgeschichte geschrieben wurde. Die berühmte Frage „Wie kommt man zur Carnegie Hall?“ kennt jeder Künstler. Die Antwort lautet bekanntlich: „Üben, üben, üben.“ Als die Mitglieder von The Munich Harmonists die Bühne zur Generalprobe betraten, wurde vielen die Bedeutung dieses Augenblicks bewusst.

Die Carnegie Hall wurde 1891 mit einem Festkonzert unter der Leitung des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski eröffnet. Seitdem haben dort Generationen weltberühmter Künstler ihre Spuren hinterlassen.

Das Team der Carnegie Hall betreute die Gäste aus Deutschland mit großer Herzlichkeit, führte sie durch das verwinkelte Gebäude, zeigte ihnen die Künstlergarderoben und sorgte dafür, dass niemand im Labyrinth hinter den Kulissen verloren ging. Die Generalprobe war noch von Nervosität geprägt. Doch als sich am Abend der Saal füllte und die letzten Minuten vor dem Auftritt anbrachen, wich die Anspannung der Konzentration. Die Monate des Wartens waren vergessen. Jetzt zählte nur noch die Musik.

Das Konzert wurde von Manfred Stecher in englischer Sprache moderiert. Dabei führte er das Publikum durch die Geschichte der Comedian Harmonists, in deren Tradition sich das Ensemble sieht. Für das amerikanische Publikum hatten die Sänger zudem mehrere bekannte Titel in englischer Sprache ins Programm aufgenommen. Die musikalischen Arrangements stammen dabei aus eigener Feder und verleihen den bekannten Liedern eine unverwechselbare Handschrift.

Das Publikum folgte der Reise aufmerksam, lachte an den humorvollen Stellen und zeigte sich bewegt von den Schicksalen der ursprünglichen Comedian Harmonists. Viele Zuhörer waren eigens für das Konzert angereist. Einige Besucher kamen nicht nur aus New York oder New Jersey, sondern sogar von der amerikanischen Westküste. So reisten Gäste unter anderem aus Seattle an, um The Munich Harmonists in der Carnegie Hall zu erleben.

Als die letzten Töne verklungen waren, erhoben sich die Zuhörer von ihren Plätzen. Lang anhaltender Applaus. Stehende Ovationen. Für die Sänger ein Moment, den sie wohl nie vergessen werden.

Doch damit war die Reise noch nicht zu Ende. Einige Tage später folgte ein Benefizkonzert in Hoboken zugunsten der örtlichen Obdachlosenhilfe. Auch hier begeisterten The Munich Harmonists ihr Publikum.

Eine besondere Ehre wurde dabei dem Pianisten des Ensembles zuteil: Er durfte auf einem Flügel aus dem Privatbesitz von George Gershwin spielen. An diesem Instrument entstanden nicht nur einige der berühmtesten Kompositionen Gershwins – auch Leonard Bernstein lernte darauf Klavier spielen.

Wieder wurde gelacht, mitgefiebert und applaudiert. Wieder zeigte sich, wie Musik Menschen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg verbinden kann. Besonders bewegend waren jene Momente, in denen Stecher die Geschichte des letzten Konzerts der Comedian Harmonists erzählte. Manch einem Zuhörer standen dabei Tränen in den Augen.

Neben den Konzerten blieb Zeit, die Stadt zu erkunden. Die Künstler besuchten das One World Trade Center und das 9/11 Memorial, die Freiheitsstatue, den Central Park, die Metropolitan Opera und den Broadway. Sie knüpften neue Kontakte, lernten Menschen aus aller Welt kennen und sammelten Eindrücke, die weit über die Konzerte hinausreichen.

Weit mehr als eine
erfolgreiche Konzertreise

Als das Ensemble schließlich die Heimreise antrat, lag hinter ihm weit mehr als nur eine erfolgreiche Konzertreise.

Es war die Geschichte eines Traums, der wenige Tage vor seiner Erfüllung noch zu scheitern drohte.

Und es war die Geschichte von Musikern, die sich trotz aller Hindernisse ihren Weg bis auf eine der berühmtesten Bühnen der Welt bahnten.

„Gerade in politisch schwierigen Zeiten zeigt sich die Kraft der Musik. Sie bringt Menschen zusammen, über Ländergrenzen, Sprachen und unterschiedliche Ansichten hinweg. Das haben wir in New York ganz besonders gespürt“, sagt Manfred Stecher.

Für The Munich Harmonists steht deshalb schon heute fest:

Das war nicht der letzte Besuch in Amerika.

Susanne Grun

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