Rosenheim – Ein farbiges Aquarell aus dem Jahr 1816 steht im August im Mittelpunkt der Serie „Von Epochen und Artefakten“ der Städtischen Sammlungen Rosenheim. Wie die Stadt Rosenheim mitteilt, zeigt das Bild die Roßacker-Kapelle sowie einige benachbarte Gebäude und stammt vom Zeichner, Radierer und Lithografen Friedrich Wilhelm Doppelmayr (1776 bis 1845).
Anlass für die Auswahl ist der bevorstehende 250. Geburtstag des Künstlers am Freitag, 4. September. Die Städtischen Sammlungen Rosenheim – bestehend aus dem Stadtarchiv, dem Städtischen Museum, dem Holztechnischen Museum und der Städtischen Galerie – stellen in der Serie regelmäßig ein ausgewähltes Objekt aus ihren Beständen vor und geben dabei Einblick in die Arbeitsfelder der unterschiedlichen Einrichtungen. Die Roßacker-Kapelle, die im Aquarell zu sehen ist, ließ das Stifterehepaar Martin und Magdalena Schmetterer zwischen 1737 und 1739 auf ihrem Bierkeller am Roßacker errichten. Bei der Weihe erhielt sie den Namen „Zu den sieben Zufluchten“. Die Pläne für den Bau stammten vom Barockbaumeister Abraham Millauer. Um 1800 drohte der Kapelle jedoch der Abriss: Im Zuge der Säkularisation löste der Staat kirchlichen Besitz auf und ließ kirchliche Gebäude schließen oder beseitigen. Der damalige Eigentümer, der Brauer Sebastian Zollner, konnte den Abbruch jedoch verhindern. Heute gilt die Roßacker-Kapelle als kleines Rokoko-Juwel, steht unter Denkmalschutz und ist in der Liste der Rosenheimer Baudenkmäler verzeichnet.
Friedrich Wilhelm Doppelmayr wurde in Nördlingen geboren und studierte Rechtswissenschaften in Erlangen. Ab 1808 arbeitete er als juristischer Beamter am Landgericht Rosenheim, bevor er in seine Heimatstadt zurückkehrte, wo er als Anwalt und Bürgermeister tätig war. Für die Rosenheimer Kulturgeschichte ist er vor allem als Zeichner, Radierer und Lithograf von Bedeutung. Seine Werke zeigen Menschen, Gebäude und Landschaften aus Rosenheim und der Umgebung – oft romantisch und idealisiert, historische Bauwerke jedoch mit großer Genauigkeit festgehalten. Das Stadtarchiv Rosenheim verwahrt unter der Signatur NL DOP ein Album mit rund 900 Zeichnungen Doppelmayrs, das zu den besonderen Schätzen der Sammlung zählt.