Rosenheim – Der Stadtbusverkehr hat ein neues, ticketloses Bezahlsystem bekommen: Die Verkehrsgesellschaft Rosenheim (VGR) hat gemeinsam mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und dem Unternehmen „init innovation in traffic systems“ das System „VGR-Tap“ gestartet. Wie aus einer Pressemitteilung der Stadt Rosenheim hervorgeht, ist das Pilotprojekt seit Montag (3. August) in Betrieb.
Beim VGR-Tap handelt es sich um ein sogenanntes „Account-Based-Ticketingsystem“, das in Deutschland bislang kaum verbreitet ist. Rosenheim ist laut der Mitteilung deutschlandweit die vierte Stadt, die ein solches System einführt. Vergleichbare Systeme sind unter anderem in London, Atlanta und Sydney bereits im Einsatz. Größere Städte wie Würzburg, Düsseldorf und Berlin planen demnach ebenfalls die Einführung eines solchen Systems.
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan begrüßte die Neuerung: „Was in London, Atlanta oder Sydney schon längst nicht mehr wegzudenken ist, wird nun auch bei uns Realität. Mit dem VGR-Tap wird Busfahren wirklich kinderleicht und ermöglicht jedem die einfache Nutzung unserer Stadtbusse.“ VGR-Geschäftsführer Tobias Weiß ergänzte: „Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit dem MVV als Partner ein solches System pilotieren können. Insbesondere, dass Rosenheim als eine der ersten Städte deutschlandweit ein solches System einführt, zeigt den Innovationsmotor unserer Region.“
Die Nutzung des Systems ist denkbar einfach: In jedem Stadtbus ist im Bereich der Mitteltüre ein Validator angebracht. Fahrgäste checken sich beim Fahrtantritt ein und beim Ausstieg wieder aus – auch beim Umsteigen wird getappt. Kompatibel sind alle Kredit- und Debitkarten mit Kontaktloszeichen (NFC-Symbol) sowie Google Pay und Apple Pay. Pro Fahrt zahlen Fahrgäste nach aktuellem Preisstand maximal 1,87 Euro, der Tagesdeckel liegt bei sieben Euro.
Als Preisgrundlage gilt der Wert eines Streifens auf der Streifenkarte; der Tagesdeckel entspricht dem Preis einer Tageskarte Single für die Zone sieben. Mehrere Fahrten in der zulässigen Höchstfahrtdauer fasst das System eigenständig zu einer Fahrt zusammen. Über ein Online-Portal können Fahrgäste unter Eingabe ihrer Kartennummer außerdem einsehen, welche Fahrten abgerechnet wurden.
Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH, bewertete den Pilotbetrieb als „einen Quantensprung für Fahrgäste des ÖPNV. Das Studieren von Tarifplänen oder das Suchen nach Kleingeld gehört damit der Vergangenheit an. Gleichzeitig steigert einfaches Ticketing die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs enorm.“
Die Nutzung des VGR-Tap ist auf Rosenheim und Kolbermoor beschränkt; Regionalbuslinien und Regionalzüge sind damit nicht nutzbar. Für Fahrten über die Stadtgrenzen von Rosenheim und Kolbermoor hinaus können weiterhin beim Fahrpersonal Tickets erworben werden. Wer aus dem Umland kommt und bereits ein Ticket für die Zone sieben gelöst hat, benötigt kein zusätzliches Ticket.
Ab Samstag (29. August) entfällt zudem der Vordereinstieg in den Stadtbussen. Fahrgäste können dann auch an den hinteren Türen einsteigen. Weiß begründete dies so: „Da viele Fahrgäste das Deutschlandticket oder die Streifenkarte, die in der Mitte des Fahrzeuges entwertet werden muss, nutzen, beschleunigt der Zustieg an allen Türen den Betriebsablauf.“
Wer ein Ticket beim Busfahrer erwerben möchte, nutzt weiter die erste Türe. Mit dem Wegfall des Vordereinstiegs entfällt auch die Fahrkartenkontrolle durch das Fahrpersonal; künftig führen Kontrolleure stichprobenartige Fahrkartenkontrollen durch.
Der Pilotbetrieb des VGR-Tap ist bis Ende Januar 2027 befristet. Weitere Informationen sowie das Online-Portal sind unter www.stadtverkehr-rosenheim.de/tap abrufbar. Bei Fragen steht das Ticketzentrum Rosenheim per E-Mail unter svr@stadtverkehr-rosenheim.de sowie unter Telefon 08031/15001 zur Verfügung.