Nachwuchs setzt auf Meisterbrief als Karriere-Turbo

von Redaktion

Der Meisterbrief hat sich für junge Fachkräfte in Oberbayern als Karriere-Turbo erwiesen. Jährlich schließen rund 3.000 Teilnehmer ihre Fortbildung bei der IHK erfolgreich ab. Die Weiterbildung bleibt in der Region gefragt, da sie neben Fachwissen auch Führungsverantwortung vermittelt.

Rosenheim/Waging am See – Meister oder Studium? Viele junge Fachkräfte entscheiden sich ganz bewusst für die berufliche Weiterbildung. Denn der Meisterbrief ist mehr als die Eintrittskarte in die Selbstständigkeit. Er eröffnet Karrierechancen, qualifiziert für Führungsaufgaben und vermittelt Wissen, das weit über das eigentliche Handwerk hinausgeht. Entsprechend gefragt bleiben Meister- und Aufstiegsfortbildungen auch in Oberbayern.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern bewegt sich die Nachfrage nach Weiterbildungen seit Jahren auf einem stabil hohen Niveau. Rund 4.300 Teilnehmer absolvieren dort jährlich Meister- und Fachwirt-Fortbildungen. Etwa 3.000 schließen sie erfolgreich ab, teilt IHK-Pressesprecher Florian Reil mit.

Für viele Fachkräfte seien diese Abschlüsse ein wichtiger Baustein ihrer beruflichen Entwicklung. Sie eröffneten Aufstiegschancen und stärkten die fachliche und persönliche Kompetenz. Zudem leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung, weiß Florian Reil.

Eine der Absolventen ist Ines Hirsch-Kikic. Die 33-Jährige lebt am Chiemsee und hatte erst einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Während ihres Studiums in „Recht und Wirtschaft“ in Salzburg arbeitete sie in Cafés, Restaurants und Eisdielen.

Gemeinsam mit ihrem Mann, der ebenfalls aus der Gastronomie kommt, reifte die Idee eines eigenen Restaurants. Um dafür die nötige Qualifikation zu erwerben, begann sie mit 27 Jahren eine Ausbildung zur Köchin – zunächst aus rein praktischen Gründen. „Ich wollte eigentlich nur den Zettel haben“, erzählt sie rückblickend. Großes Interesse am Kochen hatte sie damals nicht – noch nicht. Denn aus reiner Pragmatik wurde schnell Leidenschaft. Während ihrer Ausbildung im Landhaus Tanner in Waging am See entdeckte sie ihre Begeisterung für das Kochen. Sie schloss die Lehre mit dem Staatspreis ab. Bildete sich eigenständig in Bereichen wie Wildkräuter, Brotbacken und Patisserie weiter. Der nächste Schritt war für die 33-Jährige also fast selbstverständlich. „Die Meisterweiterbildung war für mich so ein bisschen die ,Krone‘ meiner bis dato beruflichen Laufbahn“, sagt sie. Als ehrgeizige und wissbegierige Frau wollte sie ihr Handwerk „bis zur Perfektion beherrschen.“ Genau darin liegt aus Sicht der IHK der besondere Wert einer Meisterqualifikation. Einerseits baut sie auf der praktischen Berufserfahrung auf. Andererseits erwerben die Kursteilnehmer noch mehr Fachwissen, beschäftigen sich mit Betriebswirtschaft, Unternehmensführung und Mitarbeiterverantwortung. Im Handwerk ist der Meisterbrief darüber hinaus in vielen Berufen Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen, junge Menschen auszubilden oder zu studieren. Gerade dieser Blick über den Tellerrand überzeugte auch Hirsch-Kikic. Betriebswirtschaftliche Grundlagen brachte sie zwar bereits aus ihrem Studium mit. „Trotzdem war ich sehr neugierig und gespannt, wie die Wissensvermittlung abläuft.“

Besonders beeindruckt habe sie, wie praxisnah der Unterricht aufgebaut gewesen sei. „Man ist abends aus dem Kurs raus und konnte sagen: ,Hey, heute habe ich etwas gelernt, das ich morgen eins zu eins im Betrieb umsetzen kann.‘“

Ein Selbstläufer war ihre Weiterbildung aber trotzdem nicht. Die Stoffmenge ist enorm gewesen, sagt die 33-Jährige. „Das hat schon zu einer sehr starken emotionalen Belastung geführt.“ Immer wieder hat sie sich gefragt, ob sie die Prüfungen schaffen wird. Auch, weil zwischen Unterricht und Prüfungen nur wenig Zeit zum Lernen war.

Der Aufwand hat sich für sie dennoch ausgezahlt. Seit Anfang des Jahres arbeitet Hirsch-Kikic als Küchenchefin im Landhaus Tanner. Außerdem engagiert sie sich seit Juni als ehrenamtliche Prüferin bei Zwischen- und Abschlussprüfungen der IHK.

Der Meistertitel ist für ihre aktuelle Position zwar keine Voraussetzung, hilft ihr aber, Zusammenhänge im Betrieb besser zu verstehen. Vom Marketing bis zur Mitarbeiterführung. Eine weitere Idee hat sie jedoch noch, für die sie den Meister braucht: Die 33-Jährige möchte stundenweise als Fachlehrerin an einer Berufsschule unterrichten.

Jungen Fachkräften rät sie deshalb grundsätzlich zur Meisterweiterbildung. Mit einer Einschränkung: Nicht direkt nach der Ausbildung. Einige Jahre Berufserfahrung seien aus Hirsch-Kikics Sicht ein großer Vorteil. Denn mit Erfahrung „kann man mit dem vermittelten Wissen dann auch wirklich etwas anfangen“, sagt sie.

Auf ihren Meisterabschluss ist sie heute richtig stolz. „Denn ich habe in dem Bereich, der mir am meisten Spaß macht, den höchsten Titel erreicht.“

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