Stadt sagt Müllsündern Kampf an

von Redaktion

Die Stadt Rosenheim hat die Bußgelder für illegale Müllentsorgung an Wertstoffinseln drastisch erhöht. Wer künftig beim Abladen von Unrat erwischt wird, muss mit Strafen von bis zu 2.500 Euro rechnen. Damit reagierten die Stadträte auf eine stark steigende Zahl von Beschwerden über vermüllte Containerstandorte im Stadtgebiet.

Rosenheim – Sie kommen in der Nacht. Im Schutz der Dunkelheit. Die Tür des Lieferwagens geht auf, zwei oder drei Handgriffe und das alte Sofa und anderer Krempel stehen neben den Altpapiercontainern. Danach sind sie weg, das Abladen dauert keine fünf Minuten. So oder zumindest so ähnlich könnte es in der Stadt zurzeit immer wieder an den Wertstoffinseln ablaufen. „Tatsächlich müssen wir leider vermehrt Vermüllung an den Wertstoffinseln feststellen“, sagte Daniel Artmann, Zweiter Bürgermeister, während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Dort mussten sich die Mitglieder mit einem Problem beschäftigen, das nicht neu in der Stadt ist.

Immer mehr Beschwerden
über vermüllte Standorte

Bereits im vergangenen Jahr fiel auf, dass an den 75 Wertstoffinseln in der Stadt immer mehr Sperrmüll abgestellt wird, der Unrat neben den Containern entsorgt oder aber der Müll außerhalb der erlaubten Zeiten eingeworfen wird – zuletzt zum Beispiel 45 Kilogramm Tomaten. Um die Situation zu verbessern, überwacht seit November 2025 eine Detektei temporär die Wertstoffinseln. Auch wenn das erste Erfolge mit sich bringt, scheint es noch nicht wirklich besser geworden zu sein. So stellte die CSU-Fraktion im Juni einen Antrag an Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. Die Forderung: Der zunehmenden Vermüllung muss endlich wirksam „Einhalt geboten werden“.

Zu oft gebe es nach wie vor Beschwerden von Bürgern. Während es im Jahr 2025 rund 700 Beschwerden zu den Wertstoffinseln gab, sei in diesem Jahr eine deutliche Zunahme festzustellen – es müsse mit rund 1.000 Beschwerden gerechnet werden, teilt die Verwaltung mit. Und das, obwohl die Detektei seither an 48 Einsatztagen mit rund 200 Stunden „184 Feststellungen“ gemacht hat – besonders an der Wertstoffinsel „Kaufland“/Äußere Münchener Straße. Bei den Verstößen handele es sich meist um Sperr- oder Restmüllablagerungen. Die „Täter“: häufig Menschen aus dem Landkreis. Die Bestrafung: In 167 Fällen seien Bußgelder bis 320 Euro ausgesprochen worden.

Bei der dauerhaften Videoüberwachung an der Wertstoffinsel Hochfellnstraße/ESV ahndete die Stadt 2025 rund 135 Verstöße, in diesem Jahr waren es bislang 59 Ordnungswidrigkeitsverfahren. Wer erwischt wird, müsse mit einem Bußgeld zwischen 35 und 500 Euro rechnen.

Zu wenig, wenn es nach Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU, geht. „Die Abschreckung muss größer sein, die Leute müssen spüren, dass es nicht geht, den Müll dort abzulegen“, sagte er während der Sitzung. Anders gehe es scheinbar nicht.

Wie viel bei illegaler Müllentsorgung fällig wird, da habe die Verwaltung einen Ermessensspielraum, erklärte Ralf Seeburger, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts. Zudem müsse man zwischen Erstverursacher und Wiederholungstäter unterscheiden. Die Mülldetektive hätten fast nur Erstverstöße aufgedeckt, bei der Videoüberwachung seien auch Wiederholungstäter dabei gewesen. Grundsätzlich seien Strafen von 20 bis 2.500 Euro möglich.

„Für den Erstverstoß sollten wir 100 Euro verlangen, das tut weh“, sagte Bergmüller. Schließlich stünden die Regeln an allen Wertstoffinseln geschrieben. Von einem Versehen könne man nicht ausgehen, wenn jemand seinen Müll einfach danebenlegt, macht der CSU-Fraktionsvorsitzende deutlich. Anders sah das Peter Weigel von den Grünen. „100 Euro für einen Ersttäter sind zu viel. Zum Beispiel, wenn jemand nur etwas zur falschen Uhrzeit einwirft“, sagte er.

Grundsätzlich muss man zwischen den Vergehen unterscheiden, sagte Daniel Artmann, der die Sitzung stellvertretend für Oberbürgermeister Abuzar Erdogan leitete. „Die Verhältnismäßigkeit sollte immer gegeben sein“, sagte er. Jemand, der seine Glasflaschen zum Beispiel am Sonntag einwirft, dürfe nicht so bestraft werden, wie „wenn jemand mit dem Sprinter kommt und gewerblich seinen ganzen Müll hinstellt“, so Artmann: „Das ist ja ein bewusster Verstoß.“

So einigten sich die Stadträte einstimmig auf unterschiedliche Bußgelder: Wer außerhalb der Einwurfzeiten an den Wertstoffinseln seinen Müll wegbringt, zahlt weiterhin 35 Euro. Wer das erste Mal erwischt wird, haushaltsübliche Mengen neben den Containern abzulegen, ist mit 50 Euro dabei, beim zweiten Mal sind es 100 Euro.

Richtig teuer wird es, wenn der Müll haushaltsübliche Mengen übersteigt oder das Ganze gewerblich passiert. Der Erstverstoß wird mit 500 Euro geahndet, beim zweiten Mal müssen die Verursacher 2.500 Euro abgeben.

Und noch etwas ändert sich jetzt: Das Grüngut wird künftig gar nicht mehr am Straßenrand abgeholt. Die Gartenabfälle müssen im Herbst zu Containern an zentralen Sammelstellen gebracht werden. „Das war bisher eine freiwillige Leistung der Stadt, im Landkreis gibt es das schon lange nicht mehr“, erklärte Umweltamtsleiter Ralf Seeburger. Mit der zentralen Sammlung habe man bislang gute Erfahrungen gesammelt.

Überwachung soll
ausgeweitet werden

Während die Grünen damit nicht ganz einverstanden waren, lehnten die anderen Stadträte hingegen einen Vorschlag von der Grünen-Fraktion ab: die Einführung von gelben Säcken. Der Nachteil daran sei, dass die Säcke schnell aufreißen oder bei Wind herumfliegen, sagte Ralf Seeburger. Von der Sauberkeit her sei das unter Umständen schwierig. Zumal einige Wertstoffinseln bereits jetzt ein Rattenproblem hätten, das ein Unternehmen aus München jetzt in den Griff bekommen soll.

Das Problem mit der Vermüllung sollen jetzt die hohen Strafen regeln. Dazu soll in Zukunft auch die Arbeit der Detektei ausgeweitet werden.

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