„Bachgartn“ ist wohl mehr als nur ein Test

von Redaktion

Mitten in Rosenheim hat Anfang August der neue Pop-up-Kiosk „Bachgartn“ am Mühlbach geöffnet. Das Projekt von Gastronom Simon Hölzl sorgte für Urlaubsflair in der Stadt. Da die Resonanz positiv ausfiel, könnte die Uferbar im kommenden Sommer erneut für ihre Gäste öffnen.

Rosenheim – Simon Hölzl ist in Rosenheim kein Unbekannter. Er betreibt, gemeinsam mit seiner Familie, die „One Bar“, das
„Floetz“, die „Tatis Bar“ und seit Anfang August den neuen Pop-up-Kiosk „Bachgartn“ am Mühlbach. Die Idee dazu stammt von der SPD und FDP-Stadtrat Marcus Moga. In einem gemeinsamen Antrag schlugen sie bereits vor einigen Monaten vor, temporäre Pop-up-Uferbars in Rosenheim zu schaffen – beispielsweise entlang des Inns, am Hammerbach oder an der Mangfall. „Gerade im Sommer wünschen sich viele Menschen Orte, an denen man unkompliziert zusammenkommen kann – ohne großen Konsumdruck, mit guter Atmosphäre und direkt am Wasser“, sagt Elisabeth Jordan, Fraktionsvorsitzende der SPD.

Strandgefühl ohne starken
Eingriff in die Natur

Ein solcher Platz wurde jetzt am Mühlbach geschaffen. Auch, weil Oberbürgermeister Abuzar Erdogan das Thema am Herzen liegt. Bereits während des Wahlkampfs versprach er den Rosenheimern, dass in der Stadt Plätze entstehen sollen, an denen urbanes Leben, Natur und Aufenthalt zusammen möglich sind, ohne dass zu stark in die Natur eingegriffen wird.

„Unser Ziel war es, mehr Leben in die Stadt zu bringen“, sagt Simon Hölzl. Anfang August startete eine Testphase, die den kompletten Monat über laufen soll – in Kombination mit dem Kulturstrand. Zuvor hatte er sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung überlegt, welches Konzept sich wie umsetzen lässt.

„Den Container hatten wir bereits bei einigen Veranstaltungen im Einsatz“, sagt der Gastronom. Er habe lediglich gestaltet und foliert werden müssen. Im Inneren sind Regale, Kühlschränke und Stromanschlüsse fest verbaut. Strom und Wasser werden direkt von den Rosenheimer Stadtwerken bezogen. „Die Infrastruktur ist also gegeben“, so Hölzl.

Geöffnet hat der Kiosk Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 15 Uhr und Sonntag bereits ab 13 Uhr. Kurz bevor die ersten Getränke verkauft werden, kümmern sich Hölzl und sein Team um den Aufbau. „Wir haben eine kleine Lagerhütte, in der sich die Stühle und Sitzkissen befinden“, sagt der Gastronom. Es gibt eine Lounge aus Paletten, zudem Liegestühle, Klappsessel und eine Betonmauer, auf der es sich die Gäste gemütlich machen können. „Wir sind natürlich immer vom Wetter abhängig“, betont Hölzl. Bei Regenwetter bleibt der Kiosk prinzipiell geschlossen, entsprechende Informationen dazu werden auf dem Instagram-Account gepostet. Über diesen haben sich auch zahlreiche Interessierte gemeldet, die Hölzl bei der Arbeit unterstützen wollen. „Ansonsten haben wir Mitarbeiter aus den anderen Lokalitäten“, sagt er.

Bislang sei die Resonanz durchweg positiv. Sollte sich das Projekt auch wirtschaftlich tragen, könnte sich Hölzl durchaus vorstellen, den Kiosk im kommenden Sommer wieder aufzubauen – natürlich nur in Rücksprache mit der Stadtverwaltung. Und auch die Nachbarn scheinen sich an dem neuen Angebot bislang nicht zu stören.

„Wir sind sehr darum bemüht, den Platz sauber zu halten“, sagt Hölzl. Zudem laufe während der Öffnungszeiten nur Hintergrundmusik. „Es soll ein Rückzugsort bleiben, wo man gemütlich ratschen kann, etwas trinkt und eine gute Zeit hat“, fügt er hinzu.

Der Bachgartn am Mühlbach könnte in Zukunft nicht die einzige Pop-up-Gastro in Rosenheim bleiben. Insgesamt fünf Standorte hat die Stadt gefunden, an denen solche Bars aufgebaut werden könnten. Neben dem Platz hinter den Stadtwerken am Mühlbach seien das noch der Innspitz, die Grünfläche rechts neben dem Ichikawa-Platz, im Uferbereich an der Mangfall, wo der Fluss in den Inn fließt, und der Mangfallpark Süd. Ungefähr dort, wo während des Sommerfestivals die Bühne steht.

Allerdings sind an die Pop-up-Bars einige Regeln gebunden, teilt die Verwaltung mit. So dürfen keine festen Anlagen gebaut und nur mobile Anlagen für eine Sommersaison – Mai bis Oktober – verwendet werden. Idealerweise in Holzbauweise oder mit Containern. Wenn Alkohol ausgeschenkt wird, muss es Toiletten geben. Damit die Anwohner nicht gestört werden, darf Musik nur im Hintergrund gespielt werden, genauso dürfen die Bars nur bis 20 beziehungsweise 22 Uhr offen haben. Vereinzelt seien Events mit Live-Musik aber möglich. Zudem sind Beeinträchtigungen des „Erholungswertes im Bereich des Mangfallparks so gering wie möglich zu halten“, teilt die Verwaltung mit.

Viel Zustimmung zum
Projekt im Stadtrat

Von der Idee der Pop-up-Bars ist nicht nur Oberbürgermeister Abuzar Erdogan überzeugt, sondern auch viele andere Stadträte. Einstimmig stimmten sie im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss für die neue Gastro-Form. „Das ist eine Bereicherung für das öffentliche Leben“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Jordan. Sie gehe stark davon aus, dass das Angebot gut angenommen werde.

Auch Sonja Gintenreiter, Fraktionsvorsitzende der Grünen, lobte den Vorstoß. „Es ist wichtig, dass wir Orte schaffen, wo Leute zusammenkommen“, sagte sie. Vor allem, wenn auch die Möglichkeit besteht, dort nichts konsumieren zu müssen. Das unterstrich auch Christine Degenhart, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP. Mit einer Sache war sie aber nicht einverstanden: „Wir bitten von weiteren Veranstaltungen am Innspitz abzusehen“, betonte sie. Die Menschen bräuchten in der „engen Stadt grüne Orte, an die sie sich zurückziehen können“.

Vielmehr könne man prüfen, ob eine Pop-up-Bar vor dem Oberbahnamt möglich ist. Wie es auf dem Bahnhofsvorplatz weitergeht, sei immer wieder Gegenstand der Überlegungen, sagte Abuzar Erdogan während der Sitzung. „Wir müssen jetzt aber erst mal behutsam an die Sache rangehen“, betonte er. Schließlich müsse man bei Pop-up-Gastros auch immer an die Anwohner denken. Der Bachgartn sei jetzt aber schon mal ein erster guter Schritt.

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