Die Entdeckung der Langsamkeit am Grill

von Redaktion

Für Simon Hähnel hat das Grillen das ganze Jahr über Saison. Seit über zehn Jahren sind Smoken und Grillen die große Leidenschaft des Rosenheimers. Dabei hat er gelernt, dass es beim perfekten Barbecue vor allem auf niedrige Temperaturen und viel Geduld ankommt.

Rosenheim – Im Garten von Simon Hähnel qualmt, knistert und duftet es. Der 41-jährige Rosenheimer hat alle seine Grill-Varianten am Laufen. Insgesamt sind es vier Stück: ein Smoker, ein Gasgrill, ein Keramikgrill und eine Feuerplatte. Über die Jahre haben sich die Geräte bei ihm angesammelt und er hat gelernt, dass nicht alle Mythen beim Grillen stimmen.

„Es ist erst die letzten Jahre gekommen“, sagt Hähnel über seine Leidenschaft fürs Grillen. Seinen Gasgrill habe er am längsten – gut elf Jahre. Gekauft habe er ihn auf der Südostmesse, beim Stand der „Gluts Brothers“, einem Fachgeschäft für Grills aus Rosenheim. Mit der Zeit kamen die anderen Grills dazu.

Initialzündung
in der Corona-Zeit

In der Corona-Zeit schaffte sich Hähnel dann den Smoker an. Darin kann er seine „Pork Belly Burnt Ends“ machen, ein Gericht, das er besonders gerne hat. „Im Endeffekt ist es ein dick geschnittenes Wammerl vom Schwein. Das glasiert man“, erklärt er. Nach dem Smoken sei das Fett wie geschmolzen. „So, dass du es mit der Hand zerdrücken kannst“, sagt der 41-Jährige. Das Besondere im Vergleich zu einem Grill sei dabei die verhältnismäßig niedrige Temperatur – aber dafür lange Garzeit. „Da gibt es Sachen, die zehn, zwölf Stunden auf dem Rost sind“, sagt Hähnel. Aber genau das fasziniere ihn daran. „Das ist das Gegenteil von dem, was man bei uns in Deutschland beim Grillen erklärt bekommt. Hier soll der Rost möglichst heiß sein“, sagt er. Sobald es das erste Mal im Jahr schönes Wetter habe, beginne für Hähnel das draußen Zusammensitzen. Grillsaison ist für den 41-Jährigen dagegen das ganze Jahr. „Wir haben unseren Platz überdacht, dadurch können wir mittlerweile ganzjährig grillen“, sagt er. Doch das Besondere ist für ihn das Zusammenkommen mit Freunden: „Man setzt sich zusammen, genießt das Essen und das Leben in dem Moment“, sagt Hähnel. Das sei eine Philosophie, die er in Amerika beobachte. „Dieses klassische Barbecue: Du lädst ein paar Freunde ein und unterhältst dich“, sagt der 41-Jährige. Gleichzeitig genießen Hähnel und seine Frau Stefanie es, draußen zu sein. „Wir sind gerne im Garten. Ich finde es wahnsinnig entspannend, einfach in der Natur zu sein“, sagt Hähnel. Er arbeitet im Qualitätsmanagement eines internationalen Medizintechnikkonzerns – dadurch sitze er viel im Büro. „Dann draußen zu sein, ist einfach ein schönes Gefühl“, sagt er.

Die Spanne an Gerichten, die er und seine Frau zubereiten, ist dabei groß. Spareribs, Burger, aber auch Spitzkohl kommen bei ihnen auf den Grill. „Meine Frau kennt sich mit den Beilagen aus und ist eher die, die mal andere Gerichte ausprobiert“, sagt Hähnel. Dabei würden sie aber beide mittlerweile sehr darauf achten, dass auch die Qualität stimmt. „Das schmeckst du einfach und uns ist auch das Tierwohl wichtig“, sagt er. Das sei ein Thema, das ihnen durch das Grillen mehr ins Bewusstsein gerückt ist. Zuletzt hätten sie das Wagyu-Fleisch aus Grassau für sich entdeckt. „Es ist regionales, hochqualitatives Premium-Rindfleisch aus artgerechter Freilandhaltung im Chiemgau“, sagt Christian Kreuz. Er ist einer der beiden Geschäftsführer vom Achental Wagyu und auch Züchter. Er spürt bei den Leuten einen Trend hin zu mehr Qualität und damit auch einen Fokus auf besseres Tierwohl. Diese Qualität ist auch aus seiner Sicht wichtig beim Grillen. „Nur dann bekomme ich den Geschmack und die Saftigkeit auf den Teller“, sagt er. Hätte das Fleisch einen zu kurzen Reifeprozess, verliert es zu viel Wasser beim Braten, erklärt Kreuz. Doch das Ruhen vom Fleisch ist auch direkt beim Grillen wichtig. Das hat Hähnel über die Jahre gelernt. „Gib dem Fleisch Zeit. Ich habe anfangs immer den Deckel vom Smoker aufgerissen und reingeschaut“, sagt er. Dabei habe er aber immer wieder den Garprozess unterbrochen – wodurch er jedes Mal etwa 15 bis 20 Minuten der Garzeit verloren habe. „Die Ergebnisse und die Konsistenz sind viel besser, wenn du es einfach drei Stunden zulässt“, erklärt er.

Denn am Ende sei es das Wichtigste, dass es schmeckt. Das musste Hähnel auch erst einmal lernen – vor allem, wenn er Gäste hat. „Man möchte denen etwas vorsetzen, das in den eigenen Erwartungen Top-Level ist“, sagt er. Doch dabei müsse man sich selbst gar nicht so viel Druck machen. „Das Wichtigste ist beim Grillen, einfach entspannt zu sein“, sagt er.

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