Flammen-Schock im Urlaubsparadies

von Redaktion

Bei einem Waldbrand am Gardasee sind am vergangenen Freitag in Tignale rund 50 Hektar Wald abgebrannt. Hunderte Menschen mussten evakuiert werden. Mittendrin erlebte Julia Hertel aus Rosenheim die Katastrophe.

Rosenheim/Gardasee – Julia Hertels Herz blutet. Das sagt sie gleich zu Beginn des Telefonats. Der Rosenheimerin und ihrer Familie gehört eine Wohnung in der Gemeinde Tignale am Westufer des Gardasees. Diese befindet sich direkt gegenüber dem Waldgebiet, in dem am Freitagabend (7. August) das Feuer ausgebrochen ist. Hertel ist als Hochzeits- und Eventplanerin tätig und ist aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit immer wieder am Gardasee im Einsatz. So auch an diesem Wochenende.

„Wir saßen gerade auf dem Balkon, als uns die Flammen zum ersten Mal aufgefallen sind“, sagt sie. Sie sei schockiert gewesen und habe kaum glauben können, was sich nur wenige Meter von ihr entfernt abspielte. Sofort versuchte sie, weitere Informationen über den Brand im Internet zu finden. „Wir haben das Feuer mehrere Stunden lang beobachtet“, schildert Hertel die dramatischen Stunden. Zahlreiche Feuerwehren aus den angrenzenden Gemeinden seien auf den Berg gefahren, um bei den Löscharbeiten zu helfen.

200 Menschen aus der
Gefahrenzone evakuiert

Vom Balkon aus beobachtete sie auch unzählige Autos, die vom Berg ins Tal fuhren. Sie vermutet, dass viele Urlauber aus dem Gebiet flüchteten. Medienberichten zufolge wurden bereits am Freitagabend (7. August) rund 200 Menschen aus der Gefahrenzone in Sicherheit gebracht. Zahlreiche Hotels wurden evakuiert, Anwohner mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Um 2 Uhr nachts gingen sie und ihr Mann schließlich ins Bett – nur um wenige Stunden später erneut von lautem Sirenenlärm geweckt zu werden. „Zu diesem Zeitpunkt sind auch die ersten Löschflugzeuge geflogen“, erzählt Hertel am Telefon. Mit ihrem Smartphone dokumentierte sie die Ereignisse des Vormittags in zahlreichen Videos.

Gleichzeitig wuchsen die Sorgen: Was passiert, wenn der Wind sich dreht und das Feuer sich in ihre Richtung ausbreitet? „Wir haben lange überlegt, ob wir alles zusammenpacken und zurück nach Deutschland fahren sollen“, sagt sie. Am Ende entschieden sie sich dagegen. Zumindest vorerst.

„Der Gardasee ist unsere Wohlfühl-Oase. Der Waldbrand tut uns in der Seele weh“, sagt sie am Telefon. Seit vier Jahren gehört ihrer Familie das Haus in Tignale, an eine Naturkatastrophe dieser Art kann sie sich hier nicht erinnern. „Man kennt so etwas eigentlich nur aus Ländern wie Griechenland. Dass es jetzt direkt vor unserer Haustür passiert, ist schockierend“, fügt sie hinzu.

Sie kenne die Gemeinde „wie ihre Westentasche“ und war selbst schon oft in den Bergen unterwegs – genau dort, wo es jetzt brennt. Umso wichtiger ist es der Rosenheimerin, über die Details Bescheid zu wissen. Sie informierte sich sofort, welche Löschflugzeuge im Einsatz sind. Es handelt sich um drei Canadair-Maschinen, die gemeinsam bis zu 18.000 Liter Wasser in nur etwa zehn Sekunden aus dem Gardasee aufnehmen und punktgenau über dem Brand abwerfen können – und das im Minutentakt.

„Das ist sehr beeindruckend, aber leider war auch das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zumindest war das unser Gefühl“, sagt Hertel. Trotzdem hoffte sie, dass sich die Situation allmählich entspanne. Durch den unermüdlichen Einsatz gelang es den Kräften schließlich, das Feuer weitgehend einzudämmen.

In der Nacht zum Sonntag (9. August) flammten die Brandherde jedoch an einigen Stellen erneut auf – auch, weil Löschfahrzeuge und Hubschrauber wegen der Dunkelheit nachts nicht fliegen können. Am Sonntagmorgen (9. August) nahmen die Flugzeuge ihre Arbeit wieder auf. Vonseiten der Gemeinde gab es zu diesem Zeitpunkt eine erste Entwarnung, obwohl es weiter brannte. „Ich denke, der Gemeinde war es wichtig, die Menschen zu beruhigen und ihnen zu versichern, dass sie nicht mehr in Gefahr sind“, vermutet Hertel. Auch von ihrem Balkon aus sah es so aus, als ob die Einsatzkräfte die Lage größtenteils im Griff hätten. Ein beißender Brandgeruch lag dennoch in der Luft. „An den ersten Tagen war unser gesamter Balkon voller Asche“, sagt sie. Auch das sei mittlerweile weniger geworden.

Gelöscht ist das Feuer nach wie vor nicht. „Wir hoffen alle darauf, dass es endlich regnet“, sagt Julia Hertel. In der gesamten Zeit habe der Schock überwogen, Angst habe sie bislang nicht empfunden. „Ich muss aber auch ehrlich zugeben, dass ich unterschätzt habe, wie schnell sich das Feuer ausbreitet. Sonst hätte ich wahrscheinlich Angst gehabt“, gesteht sie am Telefon.

Kinder haben
Angst bekommen

Zudem sorge sie sich, wie lange es dauert, einen Brand dieser Art vollständig unter Kontrolle zu bringen. „Wir haben das Feuer immer wieder mit dem Fernglas beobachtet. Da hatte man wirklich das Gefühl, dass die Flammen direkt vor uns stehen.“

Ähnliches berichten weitere OVB-Leser, die gerade am Gardasee Urlaub machen. „Es ist sehr laut im Ort. Die Löschflugzeuge fliegen ununterbrochen, überall riecht es nach Rauch“, schreibt eine Leserin. Sie fühle sich aber sicher, da die Menschen vor Ort sehr gelassen mit der Situation umgehen. Evakuiert worden sei sie nicht. „Wir bleiben auf jeden Fall“, schreibt sie tapfer.

Deutlich früher abgereist ist dagegen ein anderer Leser. „Die Kinder haben zunehmend Angst bekommen und wir wussten nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt“, schreibt er dem OVB. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, trotzdem habe er sich für den vorzeitigen Urlaubsabbruch entschieden.

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