Riesiger Ansturm auf „SoFi“-Brillen

von Redaktion

Ansturm in Rosenheim – 1.500 Exemplare nach 27 Minuten verkauft

Rosenheim – Es war ein ungewöhnlicher Anblick: Am gestrigen Mittwochmorgen bildete sich mitten in Rosenheim in der Innstraße eine lange Menschenschlange. Der Grund: Zahlreiche Menschen warteten vor dem Optiker „Wilhelm“. Kurz nach der Öffnung des Ladens um 8.30 Uhr erstreckte sich die Schlange schon bis zur Spitalkirche St. Joseph, später dann fast bis zum Ludwigsplatz. Die Leute machten Fotos von dem Andrang und die weiter hinten in der Reihe schauten nervös nach vorn. Denn dieser Optiker in Rosenheim schien der einzige Ort in der Region zu sein, der noch die begehrte Ware hatte: die Sonnenfinsternisbrillen.

Andreas Wilhelm, Seniorchef des gleichnamigen Optikers, ging an der Schlange entlang und sprach immer wieder mit den Kunden. Nachdem er am Dienstagnachmittag bereits 1.000 Stück der begehrten Brillen angeboten hatte, hatte er am gleichen Tag – aufgrund der hohen Nachfrage – für eine weitere Nachlieferung gesorgt, die er nun verkaufte. Für die Nachlieferung hatte sein Sohn Benedikt gleich 1.500 Stück geholt.

„Als ich um 7 Uhr hierhergekommen bin, waren die Ersten schon da“, sagt Andreas Wilhelm. Er wisse aber nicht, wie lange die Menschen tatsächlich schon vor seinem Laden gewartet hatten. Im Gegensatz zum Dienstag konnte man gestern, Mittwoch, keine Brillen telefonisch vorbestellen. „Das ist unfair denen gegenüber, die anstehen“, erklärt Wilhelm. Außerdem verkaufe er nur zehn Stück pro Person. Um 8.45 Uhr gab es ungefähr noch 800 zertifizierte Brillen. „Das sollte noch reichen“, sagt der Optiker mit einem Blick auf die Menschen, die bis zu der Kirche anstehen.

Die Menschen in der Schlange sind gesprächig. Sie tauschten sich darüber aus, wie absurd die Situation doch sei. Eine Frau stellte sich kopfschüttelnd an, um für ihre Tochter noch zwei Brillen zu organisieren. Eine andere erzählt, dass sie ewig gesucht habe. Sie habe im Internet Brillen bestellt, doch die seien noch nicht angekommen.

Viele sagen, dass sie über die OVB-Berichterstattung von der Chance erfahren hätten. Ein Kunde, Majed, zeigte auf sein Handy: „Ich habe ChatGPT gefragt und dann kam der Tipp für den Laden.“ Eine Frau war sogar aus Wasserburg angereist. Sie erzählt, dass sie in einer Whatsapp-Gruppe davon erfahren habe.

Viele waren überrascht, dass das Interesse erst so spät gekommen sei. Stephanie erinnert sich an die letzte totale Sonnenfinsternis 1999. Damals sei viel mehr im Vorfeld darüber gesprochen worden. Auch ein anderer Mann erinnert sich daran. „Garantiert liegt in einer Kiste noch die Sonnenfinsternisbrille von 1999 rum“, sagt er.

Wer leer ausging,
trug es mit Fassung

Trotz des großen Andrangs wirkte die ganze Situation entspannt und kon-trolliert. „Ich war um halb neun da und hab so zehn bis 15 Minuten gewartet“, erzählt die Kundin Jessica. Die Organisation funktioniere hier super, weil im Verkaufsraum gleich fünf Verkäufer gleichzeitig bedienen würden.

Doch um 8.57 Uhr, eine halbe Stunde nach Ladenöffnung, waren die Brillen restlos ausverkauft. „Der Versuch war’s wert“, sagt eine Frau, die leer ausging, während sich die Schlange langsam auflöste. „Ich schau weiter“, sagt Breno, der ebenfalls keine Ware mehr bekommen hatte. Obwohl sich die Schlange innerhalb weniger Minuten aufgelöst hatte, kamen immer noch einige Leute und verließen enttäuscht wieder das Geschäft. „Jetzt muss meine Frau schauen“, sagt einer lachend. Lena Vidal

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