Rosenheim – Das Fahrrad soll in Rosenheim künftig eine größere Rolle spielen. Das von einem Stadt- und Verkehrsplanungsbüro erarbeitete und im Verkehrsausschuss vorgestellte Radverkehrskonzept zeigt, wo neue Verbindungen entstehen können. Bestehende Wege sollen verbessert und die Sicherheit erhöht werden. „Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel erfreut sich größerer Beliebtheit“, stellte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan (SPD) zu Beginn der Sitzung fest. Etwa jeder fünfte Verkehrsteilnehmer in Rosenheim ist auf dem Rad unterwegs.
Ziel sei es deshalb, den Radverkehr stärker in das Mobilitätskonzept der Stadt einzubinden. Gleichzeitig stehe Rosenheim damit vor einer Herausforderung: „Wir haben nicht das Platzangebot, um alle Bedürfnisse zu stillen.“ Die Ideallösung gebe es nicht, dennoch bemühe sich die Stadt um einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern. Niemandem soll das Fahrrad aufgezwungen werden. Vielmehr gehe es darum, attraktive Alternativen zu schaffen und einen respektvollen Umgang aller Verkehrsteilnehmer miteinander zu fördern, so Erdogan.
Anknüpfen an die
Tradition als Modellstadt
Das Radverkehrskonzept ist Voraussetzung dafür, dass sich Rosenheim als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) künftig als „fahrradfreundliche Kommune“ zertifizieren lassen kann. Erarbeitet wurde das Konzept vom „Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen“ (SVK).
Geschäftsführer Dr. Ralf Kaulen erinnerte daran, dass Rosenheim in den 1980er-Jahren gemeinsam mit Detmold als Modellstadt des Umweltbundesamts für den Radverkehr galt. Mittlerweile habe sich einiges geändert. Trotzdem wolle man wieder an die Tradition anknüpfen. Leitfrage bei der Erstellung des Konzepts war: „Wo würde der Rosenheimer radeln, wenn er gut radeln könnte?“ Dazu wurden Wohn- und Arbeitsstandorte, Unfallschwerpunkte sowie Hindernisse wie Flüsse oder Bahnlinien analysiert. Daraus ist ein Zielnetz mit den wichtigsten Achsen durch das Stadtgebiet entstanden.
Insgesamt umfasst das Konzept rund 250 Einzelmaßnahmen – von kurzfristig umsetzbaren Markierungslösungen bis hin zu größeren Bauprojekten. Priorisiert werden zu Beginn etwa die drei geplanten Fahrradstraßen. Auch soll alsbald eine neue Querung des Mangfallradwegs über die Hochfellnstraße entstehen. Auch der Mangfallradweg taucht im Konzept auf. „Das ist ein wunderschöner Radweg“, meinte Kaulen, „aber er ist ein Stück zu schmal.“ Daher soll er zwischen dem Turnersteg und dem Eisstadion ausgebaut werden. Weitere Entwicklungsachsen führen künftig etwa von der Innenstadt nach Happing, Langenpfunzen, Aising und Pang sowie Richtung Hochschule und Großkarolinenfeld.
Dabei geht es laut Kaulen nicht nur um neue Radwege. Auch breitere Schutzstreifen, bessere Beleuchtung, sicherere Kreuzungen, Winterdienst oder ein Leitsystem seien Bestandteile des Konzepts. Auf schmalen Straßen mit unter 7,5 Metern Breite könnten sogenannte „Piktogrammketten“ den Radverkehr sichtbarer machen. Eine Scheinsicherheit seien diese Markierungen aus seiner Sicht nicht. Ebenso sinnvoll seien laut Kaulen niedrige Geschwindigkeiten, gerade bei Kinder- und Jugendeinrichtungen, Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen. Bei einer Kollision mit 30 km/h läge die Überlebenschance eines Radfahrers nahezu bei 100 Prozent.
In der anschließenden Diskussion stieß das Konzept grundsätzlich auf breite Zustimmung. „Das ist ein riesen Sprung für die Rosenheimer“, nannte Brigitte Klein-Weigel (Grüne) das Konzept. „Wir wünschen uns, dass bei der Umsetzung kräftig in die Pedale getreten wird.“ Ähnlich sahen es auch Marcus Moga (FDP), Robert Metzger (SPD), Hannah Rohs (Linke) und Christine Degenhart (Freie Wähler/UP). Anderer Meinung war Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU): „Wir können nicht nur ein Radverkehrskonzept beschließen, weil das nur ein Teil des Verkehrs ist.“ Er sehe Auswirkungen auf den Pendler- und Wirtschaftsverkehr. Ähnlich äußerte sich auch Andreas Kohlberger (AfD).
Strategischer Rahmen für viele Einzelentscheidungen
Gleichzeitig warnten einige Stadträte davor, das Konzept nur scheibchenweise umzusetzen oder es gar versanden zu lassen, so Robert Lappy (Grüne). Erdogan erklärte, dass das Radverkehrskonzept zunächst einen strategischen Rahmen bilde. Über jede einzelne Maßnahme muss der Stadtrat später noch gesondert entscheiden – vor allem mit Blick auf finanzielle und haushaltsrechtliche Fragen. Für den Beschluss, dass das Konzept zur Kenntnis genommen wird, votierte der Verkehrsausschuss am Ende einstimmig.
Kaulen ergänzte, dass bewusst noch nicht für jede Straße eine detaillierte Planung erstellt worden sei. Nutzungskonflikte zeigen sich erst im weiteren Verfahren und müssten dann im Einzelfall diskutiert werden. „Wir haben uns bemüht, immer im Bestand zu planen, und haben viele Markierungslösungen“, so Verkehrsplaner Ralf Kaulen. Mit solchen vergleichsweise einfachen Lösungen erreiche man schnell Verbesserungen für den Radverkehr.