„Meist ist der Schaden irreversibel“

von Redaktion

Interview Augenarzt Dr. Philipp Eberwein erklärt, warum der ungeschützte Blick in die Sonne so gefährlich ist

Rosenheim – Am vergangenen Mittwochabend haben viele Menschen in der Region die partielle Sonnenfinsternis beobachtet. Bereits den ganzen Tag über bildeten sich vor Optikern in der Stadt lange Schlangen – viele wollten sich auf den letzten Drücker noch eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille kaufen.

Um das Himmelsphänomen gefahrlos beobachten zu können, braucht es eine solche Brille unbedingt. Wer an diesem Tag ohne sie in die Sonne blickte, dem drohen massive gesundheitliche Schäden an den Augen. Der Augenarzt Professor Dr. Philipp Eberwein ist in der Augenklinik Rosenheim tätig. Er berichtet im OVB-Interview, welche Schäden entstehen können und bei welchen Symptomen man eine Arztpraxis aufsuchen sollte.

Welche Schäden kann ein Blick in die Sonne verursachen?

Es kann zu einer irreversiblen Schädigung der Photorezeptoren (Lichtsinneszellen, die einfallendes Licht in elektrische Signale umwandeln und an das Gehirn weiterleiten, Anm. d. Red.) der Netzhaut im schärfsten Punkt des Sehens kommen, der Makula.

Warum bemerkt man die Schäden manchmal erst Stunden oder Tage später?

Das muss nicht immer zwangsweise so sein. Es gibt auch durchaus Fälle, in denen der Betroffene gleich einen Schaden bemerkt. Wenn es mit einer zeitlichen Verzögerung auftritt, so scheint es pathophysiologisch wohl so zu sein, dass bis zum Untergang des Photorezeptors noch eine Teilfunktion erfolgt, bevor er ganz den Geist aufgibt.

Wie stellt der Augenarzt fest, ob und wie stark die Netzhaut geschädigt ist?

Zum einen über eine normale Prüfung der Sehschärfe, dann durch die an der Netzhaut sichtbaren Veränderungen des Lichtschadens an den Rezeptoren.

Gibt es Möglichkeiten zur Behandlung oder bildet sich ein Schaden von allein zurück?

Leider gibt es keine wirklich guten Behandlungsmöglichkeiten. Man versucht, die durch den Schaden entstehende Entzündungsreaktion medikamentös zu beeinflussen, aber es ist keine kausale Therapie. Meist ist der Schaden irreversibel und geht mit einer dauerhaften Sehverschlechterung einher.

Wie gefährlich ist der Blick in die Sonne ohne Schutzbrille?

Aus den bereits genannten Gründen sehr gefährlich. Auch benötigt man eine spezielle Schutzbrille, eine Sonnenbrille genügt nicht.

Wie merkt man, dass die Augen verletzt wurden? Wann sollte man zum Arzt?

Wenn man das Gefühl hat, schlechter zu sehen.

Haben Sie aktuell schon Patienten mit Problemen durch die Sonnenfinsternis?

Bei der aktuellen Sonnenfinsternis haben sich erstaunlicherweise bislang noch keine Patienten vorgestellt.

Aber ein ähnliches Problem sind Schädigungen durch Laserpointer. Diese kommen immer mal wieder vor.

Magdalena Aberle

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