Rosenheim – Es vergeht kaum ein Tag, an dem die junge Frau aus Rosenheim nicht die Polizei ruft. Seit 15 Jahren wohnt sie am Salzstadel. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Sie mag den Ort, genießt es, mitten in der Stadt zu sein. Doch seit einigen Monaten spitzt sich die Situation immer mehr zu. So schildert sie es am Telefon.
Kinder mit aggressivem
Verhalten konfrontiert
„Seit der Eröffnung des neuen Spielplatzes im Salingarten hat sich die dortige Drogen- und Alkoholikerszene massiv an den Salzstadel verlagert“, sagt sie. Ihre Kinder können den Platz ihr zufolge schon lange nicht mehr nutzen. „Sie werden regelmäßig belästigt und mit aggressivem Verhalten konfrontiert“, fährt sie fort.
Situation eskaliert
vor Haustür
Ein Vorfall hat der Familie besonders zugesetzt. An einem Donnerstag eskalierte die Situation direkt vor ihrer Haustür. Mehrere Personen gingen aufeinander los. „Eine Person lag blutüberströmt und schreiend am Boden“, erinnert sich die Rosenheimerin, die sofort den Notruf wählte. „Für die Kinder war das absolut traumatisierend.“
Die Anwohnerin habe bereits das Ordnungsamt und die Polizei angeschrieben, in den kommenden Tagen will sie einen offenen Brief an Oberbürgermeister Abuzar Erdogan schicken. Auch eine Unterschriftenaktion sei geplant. „Es kann so nicht weitergehen“, sagt sie. Es vergehe kein Tag, an dem die Polizei nicht zum Salzstadel gerufen werde. Mal komme es zu Pöbeleien, mal zu Schlägereien. Auch Drogen würden konsumiert.
„Der Salzstadel ist zu einem absoluten Brennpunkt geworden. Eine solche Situation kennt man sonst nur aus Großstädten“, fügt sie hinzu. Auch die Rosenheimer Polizei vermeldete in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Einsätzen. Von einem Brennpunkt aber sprechen die Beamten nicht.
„Seit Anfang des Jahres hatten wir 27 Einsätze wegen Ruhestörung, Körperverletzungen oder Alkoholdelikten am Salzstadel“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer. Eine Häufung im Vergleich zu den Vorjahren habe er nicht feststellen können. „Ein Großteil der Anrufe, die bei uns eingehen, dreht sich um Ruhestörungen“, sagt er.
Andere Anrufer würden den Polizisten mitteilen, dass sich Personen vor Ort streiten, aufeinander losgehen oder sich verdächtig verhalten. „Oft hören wir im Hintergrund Personen herumschreien. Wenn wir vor Ort ankommen, treffen wir aber häufig niemanden mehr an“, sagt Maurer. Und das, obwohl er und seine Kollegen in der Regel innerhalb von drei Minuten vor Ort seien.
Die Personen, die am Salzstadel angetroffen und kontrolliert werden, seien überwiegend andere als jene vom Salingarten. „Eine Verlagerung, wenn man so will, können wir derzeit nicht erkennen“, sagt Maurer. Aber, auch daraus macht er kein Geheimnis: Die Einsätze und Vorfälle im Salingarten sind in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen.
Für die Anwohner am Salzstadel ist das nur ein schwacher Trost. „So schlimm wie derzeit war die Situation noch nie“, sagt die Rosenheimerin. Sie arbeitet an zwei Tagen in der Woche von daheim aus, hat einen guten Blick auf den Salzstadel. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Situation geduldet wird“, sagt sie.
Tatenlos bleibt die Stadt jedoch nicht. „Das Thema ist mir bekannt“, sagte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan erst kürzlich in einem Video in den sozialen Medien. Ihn hätten zahlreiche Nachrichten von Bürgern erreicht, die Kritik an der Situation am Salzstadel geäußert hätten. „Sicherheit ist mir sehr wichtig“, so Erdogan. Geplant sei eine Videoüberwachung, aber auch der Einsatz von Streetworkern. Auch ein erster Vor-Ort-Termin habe bereits stattgefunden.
Aufruf zu einem
Míteinander
Gleichzeitig erinnert Erdogan aber auch daran, dass Rosenheim eine Stadt ist, in der auch Konflikte und Diskussionen stattfinden. „Es muss allerdings in einem Miteinander geschehen. Darauf zu achten und das einzufordern, ist meine Aufgabe“, fügt er hinzu.