Rosenheimerin fordert tierärztlichen Notdienst

von Redaktion

Nachdem ihr Kater am Freitag, 14. August, um sechs Uhr angefahren worden ist, hat eine Rosenheimerin lange auf die Öffnung der Tierklinik warten müssen. Nun fordert sie per Online-Petition eine tierärztliche Notfallversorgung rund um die Uhr. Der Leiter der Rosenheimer Tierklinik bezeichnete eine Umsetzung als unmöglich.

Rosenheim – Die Erleichterung ist Veronika Gartner deutlich anzuhören – selbst am Telefon. Erst am Freitag, 14. August, gegen 6 Uhr, erhielt die Rosenheimerin einen Schockanruf: Ihr Kater Lenze war angefahren worden. Gartner stieg sofort ins Auto. Nur 30 Minuten später konnte sie das verletzte Tier vorsichtig in die Arme schließen. Der Kater war apathisch und wies mehrere Schürfwunden am Kopf auf. Später diagnostizierte der Tierarzt zudem ein Schädel-Hirn-Trauma.

Nächste Anlaufstelle:
Oberhaching

„Ich habe sofort unseren Haustierarzt angerufen“, erinnert sich Gartner. Der schickte sie zur Tierklinik Rosenheim. „Dort verwies uns der Anrufbeantworter aufgrund der Uhrzeit an die Tierklinik Oberhaching“, sagt die Rosenheimerin. Weil die Fahrt nach Oberhaching aber mindestens 40 Minuten gedauert hätte, entschied sie sich, zu warten, bis die Tierklinik um 8 Uhr öffnete. „Ich wollte unserem verletzten Kater eine so lange Strecke nicht zumuten“, sagt sie am Telefon.

In der Tierklinik Rosenheim sei ihr Kater bestmöglich versorgt worden. „Er ist mittlerweile wieder zu Hause. Er ist geschwächt, aber aus dem Gröbsten raus“, fügt sie hinzu. Und doch lässt ihr der Vorfall keine Ruhe. „Bei einem schweren Unfall oder einem anderen lebensbedrohlichen Notfall können oft Minuten entscheidend sein“, sagt sie. Tierhalter sollten in solchen Situationen ihr zufolge nicht zwischen einer weiten Fahrt in eine andere Stadt und dem Warten auf die Öffnung der örtlichen Klinik wählen müssen.

Deswegen hat Veronika Gartner eine Online-Petition gestartet. Ihre Forderung: eine verlässlich erreichbare tierärztliche Notfallversorgung für Rosenheim und Umgebung – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. „Dabei muss nicht zwingend eine einzelne Klinik rund um die Uhr geöffnet sein“, unterstreicht sie. Entscheidend sei, dass auch zwischen 0 und 8 Uhr eine „geeignete und schnell erreichbare tierärztliche Versorgung gewährleistet ist“.

Innerhalb kürzester Zeit seien über 100 Unterschriften zusammengekommen. Weitere sollen folgen. Auch den tierärztlichen Verband von Oberbayern (TBV) und das Rosenheimer Tierheim hat Gartner über ihre Petition informiert.

Eine erste Rückmeldung habe es jetzt vom TBV gegeben. „Sie haben mir gesagt, dass meine Beschwerde zum Anlass genommen wird, mit den Tierarztpraxen in Rosenheim Kontakt aufzunehmen, um einen umfassenden Notdienst zu etablieren“, sagt Veronika Gartner.

Einer, der von der Petition ebenfalls erfahren hat, ist Dr. Dirk Butenandt. Der Leiter der Rosenheimer Tierklinik kann sich noch gut an den verletzten Kater erinnern. „Mein Team hat den Kater noch vor unseren Öffnungszeiten bei Eintreffen in der Praxis sofort angenommen.“

Der Wunsch nach einem 24-Stunden-Dienst ist ihm nicht neu. Jahrelang waren er und seine Kollegen rund um die Uhr für die Tiere da, 2021 zog er die Reißleine. „Es war für uns nicht mehr stemmbar“, erinnert er sich. Jede dritte Nacht sei er im Einsatz gewesen. Um sich und seine Mitarbeiter zu schützen, stellte er den 24-Stunden-Notdienst ein. „Wir bedauern es außerordentlich, dass wir nicht mehr rund um die Uhr für Notfälle zur Verfügung stehen können, da es weder ausreichend Fachkräfte gibt, noch finanziell darstellbar ist“, sagt Butenandt.

Neu sei der Vorstoß trotz allem nicht: „Man sucht nach Lösungen für ganz Bayern.“ In Rosenheim sei die Nachfrage bislang aber nicht da gewesen. Zudem sei er personell an der Kapazitätsgrenze: „Niemand denkt an die Menschen, die das alles stemmen müssen.“

Schon jetzt hat die Tages-Tierklinik Rosenheim Schwierigkeiten, das Arbeitspensum zu bewältigen. „Wir sitzen oft bis 3 Uhr nachts in der Klinik, um alle Fälle abzuarbeiten, die bis Mitternacht reinkommen“, sagt der Tierarzt. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen müsste eher überlegt werden, die Sprechzeiten einzuschränken.

Auf der Suche
nach Personal

„Ich bin derzeit auf der Suche nach Personal. Wenn die Notfallversorgung verpflichtend wird, bräuchte ich noch einmal mehr Mitarbeiter“, so Butenandt. „Eine 24/7-Versorgung kann aus heutiger Sicht nicht durch eine einzelne Einheit im Landkreis Rosenheim gestemmt werden“, sagt er.

Die Beteiligung aller Praxen im Landkreis in einem verpflichtenden System bedeute aber im Umkehrschluss, dass im Notfall beispielsweise ein Kunde aus Wasserburg an eine diensthabende Praxis nach Kiefersfelden verwiesen werde. Aufgrund der Nähe zu München wird dann ein Großteil der Kunden wieder die großen Tierkliniken in München ansteuern, ist Butenandt überzeugt.

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