Rosenheim – Der Knall war komisch. Da sind sich die Nachbarn sicher. „Ich war gerade im Bad, als es geknallt hat. Das hat sich sehr eigenartig angehört, richtig dumpf und laut“, sagt eine Frau am Telefon. Die Frau aus Aising habe zuerst an ein lautes Auto gedacht, das an der Aisinger Straße Gas gibt. „Als ich auf den Balkon gegangen bin, ging aber über dem Nachbargrundstück schon der Qualm auf“, sagt sie.
Nur kurze Zeit später habe man im Süden der Stadt überall Sirenen gehört. „Spätestens als der Hubschrauber knapp über das Haus flog, war klar: Da ist etwas passiert“, sagt ein Mann, der nur wenige Meter von dem Haus entfernt wohnt, an dem sich am Samstagabend (22. August) ein dramatischer Vorfall ereignet hat.
Wie Daniel Katz, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, auf OVB-Anfrage bestätigt, hantierten nach derzeitigem Ermittlungsstand drei Jugendliche gegen 19 Uhr mit Chemikalien. Dabei muss es zu einer unkontrollierten chemischen Reaktion gekommen sein. Von der Einsatzstelle hieß es am Samstagabend (22. August), dass es sich dabei um eine Verpuffung, eine Art der Explosion, gehandelt haben soll. Zwei der Jugendlichen wurden dabei schwer verletzt, einer von ihnen musste mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach München geflogen werden. Allerdings sind auch am Tag danach noch viele Fragen offen. Die Ermittlungen befinden sich erst am Anfang, sagt Daniel Katz. Er könne bislang nur mitteilen, dass die Betroffenen minderjährig sind. Anderen Medienberichten zufolge sind alle drei 14 Jahre alt. Mit welchen Chemikalien die Jugendlichen genau herumgebastelt haben und wieso es zu der Reaktion kam, sei noch ungeklärt. Möglicherweise soll es sich um Substanzen für Pyrotechnik gehandelt haben, zum Beispiel zum Bau von Böllern. Das kann der Polizist aber noch nicht bestätigen. „Derzeit ermittelt die Kriminalpolizei“, sagt Katz. Die Jugendlichen hätten aufgrund ihrer Verletzungen auch noch nicht vollständig befragt werden können. Die müsse man jetzt erst abwarten.
Die Feuerwehr Rosenheim sei jedenfalls nicht zum Löschen eines Feuers benötigt worden. Die Verpuffung selbst soll sich auch nicht im Innenraum, sondern draußen ereignet haben, ist von der Stadtbrandinspektion zu erfahren. Dort hätten die Jugendlichen scheinbar „herumgebastelt“. Flammen hätte es beim Eintreffen der Rettungskräfte aber nicht gegeben. „Wir haben uns deshalb um die Einweisung des Hubschraubers gekümmert, damit der an der Grundschule Aising landen konnte“, sagt Stadtbrandinspektor Mario Zimmermann.
Einer der Jugendlichen sei inzwischen auch schon wieder auf dem Weg der Besserung, noch am Abend habe er aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Die anderen beiden seien weiterhin im Krankenhaus. Wohl auch wegen schwerer Verbrennungen.
Julian Baumeister