Rosenheim – Sinkende Fallzahlen bei Diebstählen, neue Herausforderungen durch den E-Scooter-Boom und nachlassender Respekt gegenüber Einsatzkräften: Die polizeiliche Bilanz für das laufende Jahr fällt gemischt aus. Gute Nachrichten von den Ordnungshütern gibt es hinsichtlich bekannter Brennpunkte: Den Salingarten und das Atrium hat die Rosenheimer Polizei mittlerweile im Griff, am Salzstadel wird aktuell nach Lösungen gesucht.
Wo es Probleme gibt und was die Polizei derzeit umtreibt, verrät Hauptkommissar Robert Maurer im OVB-Interview.
Ist Rosenheim eine sichere Stadt?
Ja, es ist eine Stadt, in der man sich sicher fühlen kann.
Und das, obwohl die Straftaten im vergangenen Jahr zugenommen haben. 2024 waren es 4.733 Straftaten, ein Jahr später waren es 5.086.
Die Steigerung dieser Zahlen ist überwiegend dem Bereich des Diebstahls zuzurechnen. So hatten wir beispielhaft 2025 im Stadtgebiet einen gewissen Anstieg bei den Ladendiebstählen zu verzeichnen. Hauptursache der gesteigerten Deliktszahlen ist jedoch eine Diebstahlsserie zum Jahresende 2025 hin. Aus abgestellten und geparkten Fahrzeugen wurden in mehreren Fällen Wertgegenstände oder Bargeld entwendet. Durch entsprechende polizeiliche Maßnahmen konnten die Täter festgenommen werden.
Es gibt immer wieder Vorfälle, bei denen Beamte beschimpft, bespuckt oder gar gebissen werden.
Ja, das kommt immer wieder vor. Ich kann mich noch gut an einen Fall erinnern, bei dem ein Beamter unserer Dienststelle angegriffen wurde. Ein Mann, der erst kurz zuvor aus der Haft entlassen worden war, wurde von gerufenen Einsatzkräften stark alkoholisiert im Stadtgebiet angetroffen. Und da hat der Täter einen Kollegen unvermittelt in den Unterleib getreten. Die Person wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.
Stellen Sie generell fest, dass sich das Verhalten gegenüber der Polizei geändert hat?
Auch bei der PI Rosenheim gab es 2025 eine Steigerung der Gewalttaten gegenüber Polizeibeamten. Insgesamt kam es zu 105 strafrechtlichen Ermittlungsverfahren.
Das Thema E-Scooter ist in aller Munde. Auch in Rosenheim?
Ja, aus mehreren Gründen. Zum einen werden E-Scooter im Stadtgebiet häufig gestohlen. Da gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen. Insgesamt wurden 2025 rund 80 E-Scooter entwendet.
Werden nur E-Scooter gestohlen?
Nein, auch andere Kraftfahrzeuge werden gestohlen, zum Beispiel Mopeds oder Autos.
Bei den Diebstählen von Autos handelt es sich allerdings häufig um Beziehungstaten. Dabei kommt es in einigen Fällen zum Streit, wobei beispielsweise durch einen Partner angezeigt wird, dass der andere ein Fahrzeug entwendet hat. Die Aufklärungsquote hier ist sehr hoch, weil wir natürlich in den meisten Fällen wissen, wer an den Vorfällen beteiligt ist.
Es gab in den vergangenen Monaten auch zig Unfälle, bei denen E-Scooter involviert waren.
Das stimmt, auch das hat zugenommen. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr Menschen mit einem E-Scooter unterwegs sind. Dadurch steigt automatisch auch die Unfallhäufigkeit.
Oft sind E-Scooter-Fahrer aber auch alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss unterwegs. Das ist eine auffällige Entwicklung. Hier kontrollieren wir konsequent und leiten entsprechende Bußgeld- und Ermittlungsverfahren ein.
Drogen und Alkohol sind im Straßenverkehr überhaupt ein Thema, oder täuscht das?
Auch das bestätigt ein Blick auf die Zahlen. 2025 hatten wir 53 Unfälle mit schwer verletzten Unfallbeteiligten. Zudem gab es im Stadtgebiet zwei tödliche Verkehrsunfälle. Nicht immer sind Drogen und Alkohol die Ursache. Viele sind auch am Handy. Nach wie vor ist eine überhöhte Geschwindigkeit aber die Hauptunfallursache.
Auch Radunfälle haben zugenommen.
Wir hatten 2025 insgesamt 196 Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer beteiligt waren. Dieses Jahr sind wir bei rund 140 (Stand Juli 2026). Bei den E-Bike-Fahrern hatten wir im vergangenen Jahr 39 Unfälle.
Wie lässt sich dieser Anstieg erklären?
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Auch in Rosenheim nimmt wie in anderen Städten die Fahrradnutzung weiter zu. Dies führt, wie auch bei der häufigeren Verwendung von E-Scootern, zu einer Steigerung der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle. Ungeschützte Fahrradfahrer werden bei Verkehrsunfällen in der Regel verletzt, was dazu führt, dass die Polizei in weiten Teilen auch von den Unfällen erfährt und das Dunkelfeld vergleichsweise gering ist.
Hat Rosenheim ein Drogenproblem?
Nein. Es gibt einen Drogenkonsum in unserer Gesellschaft. Aber als polizeiliches Problem würde ich es nicht bezeichnen. Wir haben keine offene Szene, wie man es aus der ein oder anderen Großstadt kennt.
Mit Drogendealern haben Sie es also nicht zu tun?
Wir stellen immer wieder Personen fest, die Cannabis bei sich haben. Allerdings selten mehr als die erlaubte Menge.
Heroin spielt bei uns in der Stadt sehr selten eine Rolle, zeitweise war Kokain ein Thema, aber auch hier hatten wir schon länger keine Probleme mehr.
Ein weiteres Thema, das die Rosenheimer umtreibt, sind die Autoposer.
Auch hier können wir von einer positiven Entwicklung sprechen. Im vergangenen Jahr haben wir weit über 100 Bußgeldverfahren gegen Autoposer eingeleitet. Stark zurückgegangen sind hierbei übrigens auch Straftaten im Zusammenhang mit klassischen Autorennen.
Aufheulende Motoren hört man in der Stadt trotz allem immer wieder.
Das bekommen wir auch von den Bürgern immer wieder gespiegelt. Kritische Punkte sind hier die Äußere Münchener Straße, aber auch die Innenstadt. Da gibt es immer wieder Autofahrer, die ihre Motoren absichtlich aufheulen lassen. Wir kennen die jeweiligen Örtlichkeiten und führen auch hier gezielte Kontrollen durch. In der Regel finden diese mehrmals in der Woche statt, teilweise mit Unterstützung durch die Verkehrspolizei.
Gibt es in Rosenheim eigentlich viele Ladendiebstähle?
In Bezug auf Ladendiebstähle haben wir vom Jahr 2024 auf das Jahr 2025 einen leichten Anstieg auf 503 Fälle im Bereich der Stadt Rosenheim zu verzeichnen.
Was wird am meisten geklaut?
Lebensmittel, Parfüms und Kleidung.
Gibt es in der Stadt viel Vandalismus?
Sachbeschädigungen gibt es im Stadtgebiet. Häufig handelt es sich um Beschädigungen durch Graffiti oder an geparkten Fahrzeugen. In Wahljahren stellen wir eine Steigerung der Fallzahlen durch Beschädigung an den Plakaten fest.
Gibt es in Rosenheim Brennpunkte?
Es gibt im Rosenheimer Stadtgebiet Bereiche, die eine Einsatzhäufung aufweisen. Die haben wir aber auf dem Schirm und gehen gegen sie vor.
Zum Beispiel?
Ein Beispiel ist der Salingarten. Dort kam es 2025 zu mehreren Polizeieinsätzen wegen Körperverletzungsdelikten und Verstößen gegen das Alkoholverbot. Es erfolgten Kontrollmaßnahmen, bei denen wir auch Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz festgestellt haben. Mittlerweile verzeichnen wir einen Rückgang der Einsätze.
In den Wintermonaten kam es im Bereich des Atriums zu Vorfällen, überwiegend durch lärmende Personengruppen. Körperverletzungsdelikte und Sachbeschädigungen waren auch hier zu verzeichnen. Wie im Salingarten führten wir Kontrollmaßnahmen durch und konnten so erste Sicherheitsstörungen beseitigen.
Wie sehr hilft hier eine Videoüberwachung?
Es ist ein sehr nützliches Werkzeug für uns. Nicht nur dient das Videomaterial als Beweismittel, es hilft auch dabei, Situationen, die möglicherweise eskalieren könnten, zu erkennen und so zu verhindern. Zudem wird dadurch das Sicherheitsgefühl unserer Bürger gestärkt. Anna Heise