Am Salzstadel liegen die Nerven blank

von Redaktion

Die Zustände am Salzstadel in Rosenheim haben Anwohner und Gewerbetreibende massiv belastet. Neben Lärm und Drogenkonsum klagten die Betroffenen über Fäkalien im Keller. Eine mobile Toilette soll nun für erste Entlastung sorgen, während die Stadtverwaltung weitere Maßnahmen wie ein Alkoholverbot prüft.

Rosenheim – Robert Klinger hat schnell gemerkt, dass er alleine nicht weiterkommt. Seit 2011 betreibt er eine IT-Firma direkt am Salzstadel. „Es war schon immer ein Brennpunkt, aber in den vergangenen zwei Monaten hat sich die Situation extrem verschlechtert“, sagt er am Telefon.

Er berichtet von Geschrei und von Menschen, die bei gutem Wetter direkt am Salzstadel sitzen und es sich bei Regen in der Ruedorffer-Passage gemütlich machen. Immer wieder komme es vor, dass ihm und seinen Kollegen alkoholisierte und laut schreiende Personen begegnen. „Das führt zu einem Gefühl der Unsicherheit“, sagt Klinger. Hinzu komme der beißende Geruch in der Tiefgarage – nach Urin und Fäkalien in den Ecken. „Ich selbst habe im Keller auch schon mal zwei Betrunkene beim Geschlechtsverkehr überrascht“, fügt Klinger hinzu.

Geruch von
Cannabis in der Luft

Auch der Geruch von Cannabis hänge regelmäßig über dem gesamten Salzstadel. „Die Kollegen sind jetzt fast nur noch im Homeoffice“, sagt der Unternehmer. Das liege an der Lautstärke, aber eben auch am extremen Geruch. Um die Situation in den Griff zu bekommen, hat er sich mit mehreren Anwohnern und Geschäftsinhabern zusammengetan und Oberbürgermeister Abuzar Erdogan um einen Ortstermin gebeten.

„Er hat auch sehr schnell reagiert“, so Klinger. Man habe sich ausgetauscht, Probleme angesprochen und nach Lösungen gesucht. Thematisiert wurden die Belästigung von Mietern, die Beschädigung von Eigentum, das Herumlungern berauschter Personen sowie nächtliche Randale, zerbrochene Flaschen und laute Musik.

„Bei der gemeinsamen Begehung wurde deutlich: Alle Beteiligten sehen unbedingten Handlungsbedarf und sind sich einig, dass sich die Situation schnellstmöglich verbessern muss“, teilt eine Sprecherin der Stadt Rosenheim auf OVB-Anfrage mit. Erste Maßnahmen seien bereits angelaufen. So sind unter anderem Streetworker vor Ort im Einsatz. Die Polizei sei ebenfalls informiert und bittet Anwohner, alle relevanten Vorfälle unter der Notrufnummer 110 zu melden.

„Zudem wird das Cannabisverbot ab sofort noch stärker durch die Polizei kontrolliert“, heißt es aus dem Rathaus. Darüber hinaus bereitet die Stadtverwaltung weitere mögliche Schritte in Richtung eines Alkoholverbots am Salzstadel vor. Robert Klinger will sich damit nicht zufrieden geben.

Er ließ auf eigene Initiative eine mobile Toilette aufstellen, die mit einem Sensor ausgestattet ist. Auf diese Weise kann jede Türöffnung dokumentiert werden, sodass belastbare Nutzungszahlen vorliegen und nicht nur subjektive Einschätzungen. „Schon am ersten Nachmittag hatten wir 17 Nutzungen, einen Tag später waren es bereits 32“, sagt Klinger. Pro Woche kostet ihn das Dixie-Klo 45 Euro. Zwei Wochen lang will er es aus eigener Tasche bezahlen, anschließend will er von der Stadt wissen, wie es weitergeht. „Schon jetzt spüren wir eine deutliche Verbesserung“, sagt Klinger. Der beißende Geruch in der Tiefgarage sei verschwunden, auch Fäkalien hätten seit einigen Tagen schon nicht mehr in der Ecke gelegen. So will er sich dem Problem stellen. „Es geht nicht darum, Menschen zu vertreiben, sondern konkrete Probleme zu lösen. Wenn öffentliche Toiletten fehlen, müssen schnell entsprechende Angebote geschaffen und parallel an Lösungen gearbeitet werden“, sagt Klinger.

Das unterstreicht auch Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer der Sucht-Präventionsstelle „neon“ in Rosenheim. Auch er war bei dem Ortstermin dabei. „Wir müssen uns überlegen, wo wir als Stadtgesellschaft diese Menschen dulden würden“, sagt er am Telefon. Dass die alkoholisierten Menschen am Salzstadel vielen Anwohnern und Gewerbeinhabern ein Dorn im Auge sind, könne er nachvollziehen.

Immer nur den Notruf zu wählen, sei aber keine langfristige Lösung. „Es braucht einen alternativen Standort“, macht er deutlich. Wie der aussehen könnte, zeigt ein Blick nach Augsburg. In der evangelisch-lutherischen St. Johanneskirche wurde ein alternativer Treffpunkt eingerichtet.

Die Räume sind barrierefrei, es gibt eine Dusche und eine hausärztliche Betreuung. Der neue Ort wird angenommen. „Die Menschen müssen sich wohlfühlen“, weiß Grünbichler. Ein ähnliches Konzept für Rosenheim sei vorstellbar, aber noch Zukunftsmusik. „Die Stadt hat uns einen weiteren Termin im Oktober vorgeschlagen“, sagt Robert Klinger. So lange will er nicht warten.

„Wir brauchen eine
zeitnahe Lösung“

„Wir brauchen eine zeitnahe Lösung“, sagt er. Wie wichtig das ist, unterstreichen die jüngsten Polizeiberichte. Erst vor einigen Tagen eskalierte ein Streit zwischen zwei Jugendlichen am Salzstadel.

Ein Messer sei allem Augenschein nach im Spiel gewesen. Die Folge: Einer der Jugendlichen erlitt eine Stichverletzung am Oberkörper und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Artikel 2 von 10