„Autofahren ist schwieriger als Anzapfen“

von Redaktion

In der Flötzinger-Brauerei laufen die Vorbereitungen für das Rosenheimer Herbstfest auf Hochtouren. Während das Bier bereitsteht, hat Braumeister Franz Amberger verraten, worauf es beim Anzapfen ankommt. Seiner Meinung nach sollten zwei Schläge reichen.

Rosenheim – In der Flötzinger-Brauerei herrscht reges Treiben. Flaschen werden abgefüllt, Lkw mit Kästen beladen und letzte Vorbereitungen fürs Herbstfest getroffen. „Für uns ist es das größte Fest“, sagt Braumeister Franz Amberger. Sein Terminkalender ist gefüllt. Zeit genommen für ein Gespräch hat er sich trotzdem. Er will erklären, wie das Anzapfen eines Bierfasses funktioniert. Worauf man achten sollte – und warum es bei einigen trotzdem schiefgeht.

Seit 30 Jahren als Braumeister aktiv

„Anzapfen ist kinderleicht“, sagt er, während er sich auf den Weg in den Keller macht. Dort haben seine Kollegen bereits zwei Fässer vorbereitet. Gefüllt sind sie an diesem Vormittag mit Wasser und nicht mit Bier. „Wir wollen ja nichts verschwenden“, sagt er und lacht. Seit 30 Jahren arbeitet Amberger mittlerweile schon als Braumeister. Auf die Frage, was ihm an seinem Beruf am meisten gefällt, sagt er: „Ich mache ein Produkt, das Menschen genießen können und das sie glücklich macht.“

Dass ihm die Arbeit Freude bereitet, daran lässt er keinen Zweifel. Geduldig erklärt er, welches Werkzeug man für das Anzapfen benötigt.

Er zeigt auf den Schlegel aus Holz, das Zapfzeug und das Luftventil aus Messing. Es gibt runde und eckige Schlegel, die zwischen drei und fünf Kilogramm wiegen. An diesem Vormittag wird mit dem runden, drei Kilogramm schweren Schlegel geübt.

Amberger positioniert sich vor dem Fass. „Die wichtigste Frage ist, ob man Rechts- oder Linkshänder ist, damit man weiß, wo die Presse steht“, sagt er und lacht.

Anschließend muss darauf geachtet werden, dass Zapfzeug und der Schrödel – also die Öffnung am Holzfass – in einer geraden Linie sind. Auch muss der Hahn am Zapfzeug geschlossen sein.

Anschließend wird mit dem Schlegel ausgeholt. „Man denkt an einen komischen Freund und haut drauf, so fest es geht“, sagt Amberger. Während er erzählt, hat er bereits zugeschlagen. Der erste Schlag treibt das Zapfzeug in das Fass, der zweite sorgt dafür, dass das Zapfzeug richtig sitzt. Mehr Schläge braucht Amberger nicht. „Ich habe ja gesagt, es ist kinderleicht. Autofahren ist viel schwieriger.“

Aber auch der Braumeister weiß, dass es so einfach dann eben doch nicht ist. So benötigen Politiker oder andere Prominente in der Regel mindestens drei Schläge, einige deutlich mehr. „Die Kunst ist es, sich vom Publikum nicht unter Druck setzen zu lassen“, sagt Amberger. Es gehe um Treffsicherheit, Konzentration, die Intensität des Schlages, aber auch um Selbstbewusstsein.

Damit am großen Tag nichts schiefgeht, kommen immer wieder Politiker „klammheimlich zum Üben in die Brauerei“. Trotzdem bräuchten viele in der Regel mehr als zwei Schläge. „Je mehr man übt, umso besser wird man.

Das Selbstbewusstsein wächst. Es ist dann kein einmaliges Erlebnis, eine gewisse Gewohnheit stellt sich ein“, erklärt der Braumeister.

Er selbst benötige selten mehr als zwei Schläge. „Aber ich habe auch keine Angst“, fügt er fröhlich hinzu. Bei den Politikern, die zum ersten Mal am Bierfass stehen, ist die Situation oft eine andere. „Vor dem Anzapfen auf dem Herbstfest habe ich Respekt“, sagt der neue Rosenheimer Oberbürgermeister Abuzar Erdogan und lacht.

Ob er seitdem geübt hat, verrät er nicht. Viele Fässer hat er in seinem Leben bislang jedenfalls noch nicht angezapft. Dass er es trotzdem schaffen wird, daran hat Franz Amberger keine Zweifel.

Das Anzapfen ist in gewisser Weise die Voraussetzung dafür, dass das Rosenheimer Herbstfest überhaupt eröffnet werden kann. „Ohne Anzapfen gibt es kein Fest. Wenn ich das Fass nicht anzapfe, kann man auch nichts ausschenken. So die Historie“, sagt der Braumeister. Der Brauch des feierlichen Anzapfens stammt ihm zufolge von dem Münchener Oberbürgermeister Thomas Wimmer.

1950 erstes Fass in München angezapft

Im September 1950 zapfte Wimmer das erste Fass im Schottenhamel-Zelt an und eröffnete damit offiziell das Oktoberfest. Allerdings benötigte er für seine Premiere 17 Schläge. Seitdem ist das Anzapfen eines Bierfasses auf dem Volksfest nicht mehr wegzudenken. Auch zum Rosenheimer Herbstfest gehört es unbedingt dazu – was die große Zahl von Schaulustigen und Pressevertretern belegt.

Erwarten, dass es endlich losgeht, kann es auch Franz Amberger nicht mehr. „Ich freue mich auf das gesellige Beisammensein und die positive Stimmung. Man trifft Menschen, die man das gesamte Jahr nicht gesehen hat“, sagt er.

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