Großkarolinenfeld – Anlässlich des Tags des offenen Denkmals findet am Sonntag (13. September) um 14 Uhr in der Karolinenkirche ein Vortrag über Sonnenuhren statt. Wie Dr.-Ing. Dieter Birmann mitteilt, referiert er dabei über Sonnenuhren in Großkarolinenfeld und dem Landkreis Rosenheim. Veranstalter ist der Förderverein Karolinenkirche.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Sonnenuhr am Turm der Karolinenkirche selbst: Birmann erläutert die angezeigte Wahre Ortszeit (WOZ), die Ausrichtung des Polstabs sowie mögliche Korrekturen daran. Dabei geht er auch auf einen wenig bekannten Umstand ein – die WOZ kann um bis zu einer halben Stunde von der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) abweichen, abgesehen von der zusätzlichen Stunde bei Sommerzeit.
Den Einstieg bildet eine kurze Einführung in Funktion und Zeitanzeige der Sonnenuhr, die auf einem rund 700 Jahre alten Konstruktionsprinzip beruht. Sonnenuhren sind demnach nicht nur Zeitmesser und Zeitnormal für Turmuhren, sondern auch Symbole für Herrschaft mit kultureller oder religiöser Funktion. Das Faszinosum der Sonnenuhr liege laut Birmann in ihrer Diagrammatik – dem Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft.
Anschließend stellt Birmann Sonnenuhren aus dem Landkreis Rosenheim vor. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Restaurierung von Sonnenuhren, die in der Denkmalpflege nach Birmanns Einschätzung meist vernachlässigt werde.
Eigene Erfahrungen sammelte er bei der Restaurierung der spätbarocken Ost-Sonnenuhr am Uhrturm des Alten Schloss Schleißheim sowie bei der Restaurierung der vier barocken Sonnenuhren im Kloster Herrenchiemsee. Dort dokumentierte er den originalen Zustand nach der Freilegung, rekonstruierte die Lineatur, fertigte Entwürfe für die ausführenden Restauratoren an und berechnete die einzusetzenden Polstäbe. Abschließend erläutert Birmann die Überlegungen zur Neukonstruktion der neuen Sonnenuhr an der barocken Fassade von Mariä Himmelfahrt in Brannenburg aus dem Jahr 2024.