Stephanskirchen – Fast zehn Jahre nach seiner Eröffnung ist der „Awo-Laden mit Herz“ in Gehering aus dem Ortsteil von Stephanskirchen nicht mehr wegzudenken. Wie der Arbeiterwohlfahrt (Awo)-Ortsverein Stephanskirchen-Riedering mitteilt, bietet der Secondhand-Laden seit Januar 2017 gespendete Waren zu günstigen Preisen an – getragen ausschließlich von ehrenamtlichem Engagement.
Der Laden befindet sich an der Hauptstraße durch Gehering, in unmittelbarer Nähe zu Post und Apotheke. Dreimal wöchentlich sowie an jedem ersten und dritten Samstag im Monat öffnet er seine Türen. Das Sortiment umfasst Kleidung für Damen, Herren und Kinder, Trachtenkleidung, Sportkleidung, Haushaltswaren, Spielwaren, Bilderbücher, Handtaschen, Schuhe, Vorhänge und Bettwäsche – alles gespendet von Bürgern aus Stephanskirchen und den umliegenden Gemeinden, aber auch aus Rosenheim, Bad Endorf und sogar Wasserburg.
Notwendige Unterstützung
wider Wegwerf-Mentalität
Geschäftsführerin Veronika Engel, die zugleich Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Stephanskirchen-Riedering ist, schildert die Gründungsidee: „Einerseits habe ich mit meiner Tätigkeit als Awo-Vorsitzende und in der Arbeit mit Senioren erlebt, dass es für viele Leute, gerade im Alter, aber auch für Familien mit Kindern finanziell nicht immer rosig aussieht.“ Den entscheidenden Anstoß zur Eröffnung habe aber ein überfüllter Kleidercontainer gegeben: „Da wurde mir der Wahnsinn der Wegwerf-Mentalität noch einmal ganz bewusst.“
Kunden mit geringem Einkommen erhalten das gesamte Warensortiment zum halben Preis. Finanzielle Unterstützung von der Gemeinde oder übergeordneten Awo-Gremien gibt es nicht – der Laden trägt sich selbst. Lediglich zu Beginn leistete der Ortsverein eine Anschubfinanzierung für Einrichtung und Miete. Überschüsse fließen in soziale Projekte, weshalb die Fixkosten bewusst niedrig gehalten werden. Auch eine mögliche Einführung von Kartenzahlung – derzeit ist nur Barzahlung möglich – wägt Engel noch ab: „Das würde Zusatzkosten bedeuten, gleichzeitig versuchen wir, die Fixkosten so niedrig wie möglich zu halten, denn der Gewinn fließt in soziale Projekte.“
17 Personen arbeiten regelmäßig und ehrenamtlich im Laden – ohne Entgelt. Als Anerkennung lädt die Awo das Team zweimal im Jahr ein, einmal zu Kaffee und Kuchen und einmal zum Essen. Zudem erhalten die Ehrenamtlichen beim Einkauf Nachlass auf alle Artikel.
Im Januar 2027 steht das zehnjährige Jubiläum des Ladens an. Engel blickt voraus: „Alle Mitarbeiter und alle Mitarbeiterinnen sind auch zehn Jahre älter geworden. Zukunft hat der Laden nur, wenn wir Nachwuchs bekommen.“
Verjüngung des Teams
und zusätzliche Zeiten
Gesucht werden Ehrenamtliche, die den Altersdurchschnitt des Teams senken und perspektivisch auch Führungsaufgaben übernehmen. Ein konkretes Ziel ist die Ausweitung der Öffnungszeiten auf alle Samstage im Monat – bisher scheitert das an zu wenig Personal.
Wer Waren spenden möchte, wird gebeten, diese nicht einfach vor der Ladentür abzustellen. Engel erklärt: „Leider Gottes passiert es doch immer wieder, oft müssen wir dann die Sachen auf unsere Kosten entsorgen, weil sie in einem Zustand sind, in dem sie nicht mehr zu verkaufen sind.“ Spenden werden direkt bei der Annahme im Beisein der Spender geprüft, nicht verkäufliche Waren sofort zurückgegeben.